lucicare hat geschrieben:
Wie weit soll der Schüler, um bei dem Beispiel zu bleiben, ex cathedra mozartisiert werden?
Huh, lucicare,
mir graust bei dem Gedanken an einen wagnerianischen Mozart!
Darst Du das tun?
Ich meine: ja.
Unter der Voraussetzung, daß Du das auf Deine eigene Kappe nimmst, Du nur mit Deinem Namen für "Deinen" Mozart einstehst, kann Dir keiner vorschreiben, wie Du Mozart singen sollst.
Natürlich mußt Du bereit sein, mit der Reaktiondes Publikums und der Kritik zu leben! Ich wäre wahrscheinlich eine der ersten, deren Haare sich in Struwwelpetermanier sträuben würden, und die sich drüber erregen würde, daß "man so nun wirklich nicht Mozart singen kann".
Tja, aber ist das die ganze Wahrheit? Es gibt ja auch immer wieder erregte Debatten über Barockgesang. Und manche "Wahrheiten" unterliegen Veränderungen und Moden.
Wenn ich Dich allerdings als eine meiner Schülerinnen vorstellen sollte, würde ich Dich mozartisieren, weil ich es als eine meiner Aufgaben ansähe, meine Schüler zur stilgerechten Aufführung anzuleiten und weil mir deshalb als Lehrerin eine Schülerin mit einem Wagnermozart peinlich wäre. (Vielleicht, wenn wir 100 Jahre warten würden, würde ich genau einen Wagnermozart verlangen. Wer weiß.)
Ich habe eine Einstellung zu elektrischen Werkzeugen, so in die Richtung:
wer 100 Schrauben mit dem Schraubenzieher eingeschraubt hat, kann sich des Akkuschraubers bedienen, weil er "weiß", was das Einschrauben von Schrauben bedeutet.
Zurück zum Mozart: ich würde (als gedachte Lehrerin) verlangen bzw. anstreben, daß Du in der Lage bist, Mozart in anerkannter Mozartmanier zu singen. Wenn ich wüßte, daß Du das kannst, könnte ich Deine "Weiterentwicklungen" auf deinem eigenen Konzert beruhigter anhören. Auch, wenn ich mit ihnen so nicht einverstanden wäre.
Gruß v. Emmy