Principe, da sagst Du was unheimlich Wichtiges, was ich nur unterstreichen kann: "Zweckgemeinschaft von Individualisten".
Das mag manchem hart klingen, und am Anfang empfindet man es vielleicht auch gar nicht so, gerade, wenn man noch frisch verliebt ist, wuerde man eine Beziehung ja nie als "Zweckgemeinschaft" titulieren, da hat man eher mittelalterliche Zwangsehen im Kopf ;-)
Wieder kan ich meine Ehe als Beispiel anbringen: Wir waren ueber 10 Jahre ein Paar, und in den ganzen 10 Jahren haben wir NIE gestritten, hatten immer einen sehr respektvollen Umgang miteinander, und wurden von Freunden und Famile immer als DAS Traumpaar gesehen, weil wir uns doch angeblich so toll unterstuetzen, uns so viel gemeinsam aufbauen, gut miteinander umgehen usw. Dementsprechend gross war der Schock, als wir eroeffneten, dass wir uns getrennt haben. Was war da nur passiert?
Rueckblickend kann ich nur sagen: Wir haben in den ganzen 10 Jahren beide immer nur unser eigenes Ding gedreht, obwohl wir viel Zeit miteinander verbracht haben und vordergruendig den anderen auch unterstuetzt haben. Was aber fehlte, was das gegenseitige Verstaendnis fuer das, was dem anderen wirklich wichtig ist - und das galt in beide Richtungen. Soll heissen, ich will auf gar keinen Fall als die "unverstandene" Kuenstlerin dastehen. Umgekeht habe ich wohl genauso nie wirklich verstanden, was meinem Mann wichtig war. Schlimmer noch: Wir waren beide unfaehig, es dem anderen zu kommunizieren. Ganz grosses Problem in einer Beziehung: Nicht reden koennen. Dabei haben wir viel geredet, es war jetzt nicht so, dass wir abends schweigend nebeneinander vor der Glotze gehockt haben ;-) Wir haben nur nie ueber UNS gesprochen, unsere Ziele, das, was uns wirklich wichtig ist. Warum nicht? Ich glaube nicht, dass wir das nicht wollten, aber wir konnten nicht, weil wir nicht die Sprache des anderen sprechen, wenn ihr versteht, was ich damit sagen will.
Langer Rede kurzer Sinn: Es gibt den beruehmten Spruch dass, wer sich liebt, sich nicht an-, sondern in die gleiche Richtung sieht. Wenn ich das heute rueckblickend betrachte, haben wir das nie getan. Ich halte das fuer den Tod einen jeden Beziehung, und da kann ich nur weiter unterstreichen: Es ist essentiell, dass man auch die kuenstlerischen Ambitionen des Partners unterstuetzt und vor allem VERSTEHT. Es reicht nicht, sie zu tolerieren, nicht mal, sie zu akzeptieren. Man muss verstehen, dass der andere ohne das nicht sein kann, und meiner Auffassung nach kann das jemand, der gar keine kuenstlerischen Ambitionen gleich welcher Art hat, nicht. Man muss damit umgehen koennen, dass der andere manchmal Abstand braucht und es Phasen gibt, wo die Musik, Malerei, was auch immer, an erster Stelle stehen, so schlimm das jetzt klingen mag. Aber nicht, dass es falsch verstanden wird: Das hat NICHTS mit Zweckgemeinschaft von Individualisten zu tun, sondern ist eigentlich die Art, wie die meisten Kuenstler "funktionieren". Wer das nicht versteht und womoeglich gar noch denkt, man liebe ihn nicht genug, nur weil man gerade mal wieder seine Spleens kriegt und abzischt, kratzt immer nur an der Oberflaeche, oder noch schlimmer: Er sperrt einen ein, und das erstickt jede Liebe frueher oder spaeter (hoffentlich eher frueher zu beider Wohl).
Um eine Beziehung langfristig am Leben zu halten, braucht es tiefe seelische Verbundenheit. Und die fuehrt meiner Meinung nach auch dazu, dass die koerperliche Anziehung erhalten bleibt. Und es soll mir keiner sagen, es geht auch ohne letztere. Natuerlich veraendert sich die Sexualitaet in einer langjaehrigen Beziehung, natuerlich ist es was anderes, wenn man frisch verliebt ist.
Geht die koerperliche Anziehung aber gaenzlich verloren, stimmt meiner Auffassung nach in der Beziehung was ganz Essentielles nicht, ich halte das fuer einen Indikator.
Cantilene, die Hormone schalten sich nach 3 bis 4 Jahren "ab", das ist die Zeit, die biologisch vorgesehen ist, um ein Kind aus dem "Groebsten" herauszukriegen ("das Groebste" definiert sich wohl rein biologisch gesehen etwas anders als gesellschaftlich und emotional ;-) ).
Und genau wie Du finde ich, dass man die Erotik am Leben halten muss, das faellt einem nicht in den Schoss (komischer Vergleich in dem Kontext

), und es erledigt sich auch nicht irgendwie von selbst. Man muss daran arbeiten, und da halte ich die seelische Verbundenheit, die sich durch Kunst herstellt, fuer sehr hilfreich ...
Natuerlich glaube ich nicht, dass man nach Kuenstlern als Lebenspartner SUCHEN sollte, wenn man selbst einer ist. Das halte ich fuer furchtbar. Ich glaube aber, dass man sie frueher oder spaeter "findet", wenn man selbst einer ist. Wie gesagt, es muss auch kein Profi sein, es muss auch nicht Saenger-Saengerin sein. Was ich aber fuer wichtig halte, ist, dass die Gehirne aehnlich funktioeren, und dass man sich auch geistig und seelisch aehnlich ist ...