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Liebe Epo,
herzlichen Dank für Deinen einfühlsamen Beitrag.
Von der Sache her teile ich Deine Meinung voll und ganz - natürlich wäre es immer ideal, Partner im gleichen Niveau zu finden, mit denen man sich dann auch noch menschlich gut versteht.
Durch die Zusammenarbeit mit diesem Klarinettisten habe ich aber letztlich sehr viel gelernt. Zu Beginn war ich von seiner Virtuosität, mit der er sein Instrument spielte, sehr beeindruckt, zumal für mich selbst dieses Repertoire weitgehend Neuland war. Wir haben dann einmal die Woche geprobt, ich habe die Sachen einstudiert - ja, und dann war irgendwie der Wurm drin.
Es war schwierig, meine Vorstellungen zur Interpretation zu vermitteln, da mir auch nicht klar war, was mit diesem Instrument technisch machbar ist, doch da habe ich mich umgehört und informiert und dann einfach bestimmte Dinge "verlangt" - witziger weise klappte das dann in der Probe - beim nächsten Mal war es wieder vergessen. Wir rutschten also in so eine Art "Interpretationscoach-Schüler-Beziehung" herein, sollten aber eigentlich Kammermusikpartner sein. Ich habe die Proben immer aufgenommen und dann den Mitschnitt analysiert...
Letztlich hatten meine Pianistin und ich den Eindruck, dass der gute Mann sein Instrument zwischen den Proben mit uns gar nie auspackte - er entdeckte die Sachen in jeder Probe neu und las sie neu vom Blatt - sprich, er machte keine Fortschritte, während wir eine gemeinsame Entwicklung erwartet hatten.
Da waren aber die Konzerte schon angekündigt, die Räumlichkeiten reserviert - es gab also keinen Weg zu rück.
Ich für mich habe daraus gelernt, dass man sich nicht auf den ersten Eindruck verlassen darf (denn der war ausgesprochen positiv und der Mensch ist auch durchaus sympathisch) - und das man nicht von der eigenen Arbeitshaltung auf die der anderen schliessen darf.
Liebe Grüsse sendet Casta
_________________ La chance d'avoir du talent ne suffit pas ; il faut encore le talent d'avoir de la chance.
Hector Berlioz
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