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 Betreff des Beitrags: Lob und Kritik
BeitragVerfasst: 22.02.2006, 14:35 
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Hallo,

möchte euch fragen, wie ihr mit Lob und Kritik nach einem Konzert umgeht und wie ihr es verarbeitet.

:?: Liebe Grüsse

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BeitragVerfasst: 22.02.2006, 14:57 
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Hallo

hmmm eine sehr schwierige Frage finde ich!!!

Wenn ich die Person kenne und auch weiß, daß es 100 %ig ehrlich gemeint ist, daß ihre Beurteilung, egal ob Lob oder Kritik mit Fachkompetenz ist, dann nehme ich beides an. Man lernt ja nie aus und Lob ist ja schon toll oder???

Ist die Beurteilung von jemand den ich nicht kenne, dann habe ich damit schon meine Probleme. Klar hört man Lob viel lieber, geht doch wohl jedem so und es freut einen ja auch. Hmm aber es ist halt nur eine Meinung und einer anderen Person kann es wieder überhaupt nicht gefallen haben. Leider ist es bei mir so, daß ich die Kritik viel höher bewerte und nicht denken kann "hmm ist ja nur dessen Meinung und dem anderen hat es gefallen".

Was mich vielmehr beschäftigt, das ist wem kann ich eine Beurteilung glauben. Ist sie ehrlich gemeint? Gibt es wirklich total ehrliche Personen, die mich loben, weil es so ist oder nur um mir nach dem Mund zu reden oder mich nicht zu verletzen? Ist auch die Kritik berechtigt oder wollen sie mir nur eins auswischen, damit ich keine Höhenflüge bekomme?

Wie schon gesagt ist eine schwere Frage.

Liebe Grüße
Chero


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 22.02.2006, 15:53 
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Auch für mich ist das eine der schwierigsten Fragen überhaupt, denn man braucht dazu nicht nur eine gesunde Selbsteinschätzung und ein stabiles Selbstwertgefühl,sondern auch SEHR VIEL Menschenkenntnis.
Zur Selbsteinschätzung helfen mir in besonderer Weise meine MD-Aufnahmen, denn nur dort hôre ich wirklich mit eigenen Ohren, wie ich gesungen habe und ob das meinem derzeitigen Leistungsstand entspricht oder nicht. Das ist die allererste Quelle, es sei denn, meine Lehrerin war beim Konzert anwesend, dann ist sie meine erste Vertrauensperson, denn niemand kennt meine Stimme besser.
Lob und Kritik von aussen lerne ich im Laufe der Jahre sehr fein zu unterscheiden und einzuordnen.
Es gibt Menschen,auch Kollegen, die würden sich eher die Zunge abbeissen als Anderen etwas Nettes zu sagen und das kann sehr verschiedene Gründe haben. Ihr Schweigen bedeutet dann absolut nicht, dass es schlecht war, im Gegenteil-es gibt Leute, die ertragen keine besseren oder gleichwertigen Sänger neben sich und sagen vor allem dann nichts, wenn der Andere wirklich gut gesungen hat.Das ist eine traurige Wahrheit, die nicht nur im Gesang gilt und die man leider einkalkulieren muss. :sad:

Lob tut in jedem Fall gut und ich nehme erstmal alles Lob mit Freude auf , sehe dann jedoch genau hin, von wem es kommt und wie es angebracht wurde. Es gibt oberflächliches und nichtssagendes Lob, aber auch solches, das wirklich das Herz trifft und mich weiterbringt.
Man muss die Menschen genau kennen, um das immer besser einschätzen zu kônnen. Besonders wertvoll ist mir Lob von wildfremden Leuten, denn die müssten ja gar nichts sagen und kônnten einfach an mir vorbeigehen. Freunde/Bekannte fühlen sich oft zum Lob verpflichtet und sagen dann irgendwas, wie ernst das zu nehmen ist: auch wieder eine Frage der Menschenkenntnis.
Am seriösesten sind für mich entweder völlig Fremde oder solche, die mich SEHR gut kennen und sehr eng mit mir verbunden sind. Diese beiden Gruppen brauchen mir nichts vorzumachen oder höflich zu schmeicheln und ich nehme sie sehr ernst.
Mein schônstes, jüngstes Lob in Mallorca war ein völlig unerwartetes: Sonntagnachmittag gehe ich mit meinem Mann durch Cala Millor und werde plötzlich von wildfremden Leuten angesprochen, die mich als Sängerin erkannt haben und sich begeistert über die Operngala am Vorabend äusserten und sagten, meine Stimme hätten ihnen Gänsehaut gemacht und meine Duette aus Rigoletto und Lakmé seien unglaublich intensiv für sie gewesen.
Andere Äusserungen in derselben Richtung kamen aus dem Chor, auch das waren Menschen, denen ich fremd war und die hätten schweigen kônnen.
Und wenn Menschen mir sagen, ich hätte sie zu Tränen gerührt, wie Z.B. auch Musika und Rolando das getan haben, dann bedeutet mir das mehr als jede technische Finesse und macht mich sehr glûcklich.Was ich an Technik noch alles lernen muss, höre ich selbst am besten auf meinen Aufnahmen, meine Wirkung auf der Bühne und als Person höre ich da jedoch nicht!
Wenn sich dann Lob in einer bestimmten Richtung sehr oft wiederholt und von verschiedensten Seiten kommt, dann wage ich es endlich ernst zu nehmen ;-) :hearts:
Mit Kritik umzugehen ist natürlich schwieriger.
Auch hier ist ganz wichtig, von wem sie kommt. Am ehesten kann ich Kritik von Menschen annehmen, deren Liebe/Zuneigung ich mir sicher bin. Ich weiss, dass sie mich nicht vernichten und mir schaden, sondern mir helfen wollen.
Kritik muss immer konkret und klar sein. Jemand der einfach nur sagt: "das war nicht so toll" tut mir keinen Gefallen . Ich brauche klare Ansatzpunkte, um damit umzugehen und daraus zu lernen.Wenn mir jemand sagt:" du bist aus der Stütze gefallen und hast detoniert" oder "dein Atem war nicht ausreichend in dieser Phrase" oder "deine Koloraturen sind noch nicht geläufig genug", dann kann ich das selbst überprüfen und für mich annehmen., das ist dann gute Kritik, die mich weiterbringen kann.
Von meinem Mann, meiner Lehrerin, meiner Familie, engen Freunden kann ich Kritik immer gut annehmen , vor allem , wenn sie meine Fortschritte oder auch Rückfälle über lange Zeit verfolgen. Von Kollegen, die selbst nicht besser singen als ich, finde ich es schwierig-vor allem dann, wenn sie mir genau das vorhalten, was sie selbst falschmachen.
Insgesamt ist das eine sehr heikle Sache und verlangt viel Fingerspitzengefühl, denn falsche und bösartige Kritik kann ein schwaches Sänger-Selbstbewusstsein nachhaltig zerstören.
Auch ich selbst als Lobender oder Kritisierender nehme mir das sehr zu Herzen und bin da sehr vorsichtig. Wer mich konkret fragt, bekommt zwar eine ehrliche Antwort, aber je weniger ich einen Menschen kenne, desto schwieriger ist der Drahtseilakt.
Langjährig erfahrene Sänger/Gesangslehrer unter den Kollegen frage ich dann manchmal auch selbst, so ich denn wirklich Vertrauen zu ihnen habe.Von Cornettina z.B. habe ich in Mallorca diesbezüglich sehr gelernt, denn sie besitzt die Gabe der konstruktiven und hilfreichen Kritik in hohen Masse und verkôrpert zudem mit ihrer eigenen effizienten Gesangs- Technik ein glaubhaftes und hörbares Vorbild. :love:
Aber wie gesagt: der konstruktive Umgang mit Lob und Kritik ist eines der schwierigsten Themen in einer Sängerentwicklung. Ich hoffe, dass ich im Laufe der Zeit immer bessere Sensoren dafür entwickeln kann.
Noch eine schwierige Frage dazu: wie kann man als Schüler z.B. Kritik an einem Lehrer oder viel erfahreneren Sänger üben, ohne sich damit in die Nesseln zu setzen?Soll man da besser schweigen?
Liebe Grüsse
Cantilene :hearts: :n87:


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BeitragVerfasst: 22.02.2006, 16:35 
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Ich schliesse mich an: Schwieriges Thema, - zumal nach einem Konzert.
Kritik meiner Gesangslehrer (das war bei noch jedem Lehrer so) nehme ich gerne an, da es immer wohlwollend und somit konstruktiv verpackt ist. Es motiviert mich, die Fehler beim nächsten Mal nicht mehr zu machen. Kritik anderer Personen trifft mich meist, auch wenn es nett gemeint ist. Habe dann meist das Gefühl versagt zu haben. Wissen wir alle, fühlt sich nicht so doll an. Trotzdem gilt es die bittere Pille zu schlucken und daraus zu lernen. Genauso gibt es aber auch Kritik, z. B. von Personen die vom Singen keine Ahnung haben und auch nicht interessiert sind, bzw. Kritik von ewigen Besserwissern, bzw. von Personen die mir persönlich einfach egal sind. In diesen Fällen geht mir die Kritik am Popo vorbei und ich versuche nicht darüber nachzudenken. Hab ich auch schon erlebt.
Mit Lob ist es nicht minder schwer. Ich freue mich zwar darüber. Doch von Herzen annehmen fällt mir schwer. Das liegt aber wohl einfach daran, dass es mir sehr schwer fällt selber hinter meiner eigenen Leistung zu stehen, daher kann ich anderen dann auch nicht glauben wenn sie loben. (Egal ob Lehrer oder sonst wer...).

Jedoch, fällt mir auf, das mein Umgang mit Lob oder Kritik sehr stark davon abhängt, wie sehr ich von meiner eigenen Leistung überzeugt bin. Wenn ich mich selbst richtig gut fand, dann glaube ich dem Lob eher, und versuche Kritik (die mir unqualifiziert erscheint) zu überhören. Bin ich aber meiner eigenen Leistung unsicher, kann mich jegliche Form von Kritik umhauen und dem Lob glaube ich nur schwer.

Also am Besten: sich immer selbst loben :n14:

Ok, war ein Scherz


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BeitragVerfasst: 22.02.2006, 16:40 
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Hallo

Kritik ist nur die eigene persönliche Meinung, eine Empfindung. Es gibt zwei Kriterien für mich andere zu loben oder zu kritisieren, es gesanglich schön zu finden oder nicht. Hinzu kommt der augenblickliche Ausbildungsstand, der natürlich bei einem Schüler nicht perfekt sein kann. Kennt man den jeweiligen Schüler und bemerkt seine Fortschritte, ist das schon ein positiver Grund dies auch zu äußern. Anmaßend finde ich gerade bei Anfängern dies oder jenes zu kritisieren, was dem Stand nach noch nicht vollkommen sein kann. Wenn ich einem Schüler sage, du hast große Fortschritte gemacht, ist das für denjenigen schon ein großes Lob und kommt von Herzen.

Es bedarf keiner überschwänglichen Lobeshymne, denn sie ist meist nicht ehrlich und kann dazu führen, dass sich der/die jenige dann zu selbstsicher einschätzt, denn positives kapselt sich oft tiefer ins Gehirn ein als negatives und kann zum Höhenflug verleiten.

Jeder sollte so selbstsicher sein, dass weder Lob noch Tadel ihn nach oben oder nach unten zieht. Das Selbstvertrauen sollte so stark sein, dass beides, Lob und Kritik beides gleich stark verarbeitet werden kann. Wer keine Kritik verträgt, der ist als Sänger fehl am Platz, denn den Medien muss man standhalten, auch wenn dies wieder eine persönliche Meinung desjenigen ist.

Hinter einem Sänger steckt so viel persönliches was das Publikum nicht wissen kann, Schicksale, Krankheit, Schmerzen, Ärger, die die Psyche beeinträchtigen und dann noch die jeweilige Tagesform. Deshalb sollte man vorsichtig sein, wenn die Hintergründe nicht bekannt sind.

Um deine letzte Frage zu beantworten Cantilene, wenn ein Schüler, der selber noch nicht fertig ist, einen erfahrenen Sänger kritisiert, ist das so eine Sache. Ein fertiger Sänger lässt sich kaum von einem Schüler sagen was seiner Meinung nach nicht stimmt in der Technik. Ich selber bin da auch äußerst vorsichtig, weil man genau weis, jemand, der sich zu hoch einschätzt und seine Schwächen nicht kennt, wird eine Kritik auch von Kollegen nicht hören wollen. Qußerdem steht es mir auch nicht zu, jeder ist für sich selber verantwortlich und muss wissen wie gut oder schlecht er ist.

Liebe Grüsse

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BeitragVerfasst: 22.02.2006, 18:59 
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Ich kann mit konstruktiver Kritik sehr gut umgehen, da ich mit mir selbst äußerst kritisch bin und eigentlich immer eher dazu neige, an den Fehlern rumzufitzeln statt auch mal das zu sehen, was gut gelaufen ist. Daher macht mir ernstgemeinte, sachliche Kritik nichts aus.

Da ist es auch ziemlich egal, von wem die kommt, denn jeder nimmt unterschiedliche Dinge wahr. Es muss halt nur passen. Jemand, der was von Gesangstechnik versteht, darf gerne dort Kritik anbringen. Jemand, der da keine Ahnung hat, kann immer noch sehr hilfreich sein, denn Sänger sehen manchmal selbst den Wald vor lauter Bäumen nicht und kritisieren an, auf Deutsch gesagt, Kleinscheiss herum, oft zu viel im Detail, statt auch mal den Gesamteindruck zu sehen. Kenne ich ja von mir selbst. Da sind Leute, die nicht so viel Ahnung von der Materie haben, oft hilfreicher, finde ich zumindest.

Jemand, der vom Belten keine Ahnung hat, wird von mir, wenn er dann meint, dort Kritik anbringen zu müssen, eher nicht so ernst genommen, wohl aber, wenn ich klassisch gesungen habe. Ist immer alles eine Frage des Blickwinkels.
Aber generell kann sich jeder gerne auskotzen, ich kann das mittlerweile ziemlich gut einordnen und weiß auch, wo ich mir davon was annehme und wo es mir eher wurscht ist.

Lob freut mich, da bin ich aber vorsichtiger. Trotzdem ist es wichtig, weil man natürlich sieht, dass man etwas richtig gemacht zu haben scheint. Ohne das wäre man ja irgendwann auch demotiviert. Da ist es dann wieder so, dass ich z.B. Lob bzgl. Wirkung und Bühnenpräsenz von jedem annehmen kann, weil man auf jeden Menschen, egal wie viel Ahnung er hat oder nicht, wirken kann. Ich mag allerdings kein Rumgeschleime, daher bin ich auch selbst mit Lob eher sparsam. Und wenn ich dann mal sage, dass etwas wirklich gut war oder mir gefallen hat und auch, warum, kann man sich ziemlich sicher sein, dass ich ehrlich bin. ;-)


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BeitragVerfasst: 22.02.2006, 22:17 
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Ich finde, dass Negatives bzw. echte Kritik direkt nach einem Auftritt oder Konzert gar nichts verloren hat. Ich habe das in der Vergangenheit selbst und bei einer Kollegin erlebt.
Man ist doch froh, es einigermaßen ordentlich rum bekommen zu haben. Da erwarte ich wenigstens eine lobende Anerkennung meines Gegenübers. Irgendwas wird schon gefallen haben.
Ins Detail kann man dann immer noch gehen. Aber nicht sofort am Ort des Geschehens. Das gehört sich m. E. überhaupt nicht!

Ich bin übrigens anderer Meinung als Du, Musikavokale. Positives brennt sich nicht unbedingt mehr ein als Negatives. Bei mir ist es ganz genau anders herum. Es hängt wohl immer von der jeweiligen Person ab. Aber so pauschal, wie Du es siehst, könnte ich das nie unterschreiben. Außerdem wäre doch ein kleiner Höhenflug eines Schülers eher zu begrüssen als eine Depri-Phase, oder?

LG
Leechen


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BeitragVerfasst: 22.02.2006, 22:29 
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Hallo Lee,

bei einem Höheflug kann man schnell abstürzen, wenn man immer gesagt bekommt man sei gut, steigt es schnell zu Kopfe und der Absturz folgt schnell.
Bei negativen Beurteilungen von professioneller Seite überlegt man sich eher, was man noch verbessern könnte. Lieber tief stapeln als hoch, dann sind positive Bemerkungen um so schöner.

Liebe Grüsse

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BeitragVerfasst: 23.02.2006, 00:09 
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Liebe Leechen,

natürlich ist jeder Mensch anders und reagiert auch anders auf Lob und Kritik. Das macht das Ganze auch so schwierig.

Wenn mir etwas besonders gut gefallen hat, dann sage ich das und meine es auch so. Mit Kritik halte ich mich zurück, da ich noch nicht über ein entsprechendes Fachwissen und die nötige Erfahrung verfüge, welche dafür nötig ist, um keinen Schaden anzurichten, es sei denn, ich habe ein vorheriges Konzert erlebt und kann unterscheiden zwischen dem gewesenen und dem jetzt erlebten.

Ich bin selbst lange Zeit n u r gelobhudelt worden und musste am eigenen Leib erfahren wie schmerzhaft ein steiler und ungebremster Absturz sein kann. Das Erwachen ist sehr grausam.
Einer positiven Kritik stand ich bis vor kurzem noch mit sehr großem Misstrauen gegenüber. Sie so zu aktzeptieren wie sie gesagt wurde, fiel mir sehr schwer, da das Gegenteil schon zu oft auf anderen Wegen zu mir gelangte, man könnte sagen: von hinten durch die kalte Küche. Und glaub mir, daß war schlimmer als alles andere.

LG

Rolando sonne sonne sonne

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Und plötzlich weißt du:
Es ist an der Zeit, etwas Neues zu beginnen, und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen.(Meister Eckhart)


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BeitragVerfasst: 23.02.2006, 00:23 
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Ob ein bissl Lob gleich eine bedrohliche Selbstüberschätzung nach sich zieht, ist IMHO auch von der jeweiligen Persönlichkeit abhängig. Als ich im Advent vor meinem eigenen Chor (KEIN Wald-, Feld- und Wiesenchor!) Duette gesungen habe, war ich sehr froh über lobende Worte danach. Ob sachlich fundiert oder nicht: ohne wäre ich am Boden zerstört gewesen, denn das hat sehr viel Mut gebraucht. Falls ich jetzt an Grössenwahn leide, wird der Absturz an Gios Kurs heilsam erfolgen....Bild


Gruss
lucicare sonne


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BeitragVerfasst: 24.02.2006, 00:54 
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Ach, liebe Lucicare, bisher haben Alle meine Workshops erhobenen Hauptes verlassen ! :welcome: Ciao. Gioachino


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BeitragVerfasst: 24.02.2006, 09:56 
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Ich stimme Lucicare sehr zu, dass es vor allem von der jeweiligen Person abhängt,wie man als Lehrer Lob und Kritik am sinnvollsten dosieren sollte.
Jemand, der sich sehr unsicher fühlt und vor jedem Auftritt fast stirbt, braucht einfach eine andere Behandlung als einer, der von vorneherein ausstrahlt"I am the greatest".
Natürlich ist es wichtig, dass man als Sänger eine realistische Selbsteinschätzung gewinnt, aber ob Mangel an aufmunternden Worten dazu beiträgt??????
Lob und Kritik dürfen ja auch nicht absolut gesehen werden, sondern sind der jeweiligen Situation und dem Leistungsstand angemessen zu geben/zu beurteilen.
Wenn ich zu jemandem sage, "das war sehr schön und hat mich sehr bewegt",heisst das doch noch lange nicht:"Du stehst auf einer Stufe mit Wunderlich oder Callas", sondern es heisst, dass es im jeweiligen Zusammenhang und dem Stand dieser Person nach gut und für mich bewegend war.
Aus psychologischer Sicht halte ich Lob immer für eine bessere Motivationshilfe als zuviel harte Kritik oder Gleichgültigkeit.
Positive Empfindungen möchte man wiederholen, negative vermeiden.
Man kann das z.B. gut mit der Kindererziehung vergleichen und überprüfen. Es gibt Kinder, die brauchen eine härtere Gangart, für andere wiederum wäre das vernichtend.
Aber wer nie gelobt wird, verliert die Lust und wird depressiv, es sei denn er ist eine echte Kämpfernatur.
Was die H¨henflüge angeht: spätestens wenn jemand den Mut hat, sich selbst zu hören und dann mit anderen vergleicht oder allerspätestens dann, wenn niemand ihn/sie mehr engagieren/hören will,merkt man doch von allein, was los ist..... :oops:
Von meinem Lehrer erwarte ich natürlich ganz offene Einschätzung und auch von einigen mir nahe stehenden Menschen oder Fachleuten, die ich konkret frage.
Aber in Situationen,die Leechen oder Lucicare beschreiben, kann ich sehr gut verstehen, dass jedes Lob erstmal ein Rettungsanker ist und die Kritik ruhig ein wenig warten darf. ;-)
Lieber Rolando, ich habe bei meiner ersten Lehrerin auch zu wenig Kritik und zu viel schwere Literatur bekommen und bin dann beim ersten auswärtigen Kurs und späteren Lehrerwechsel erstmal in ein Loch gefallen.
Aber trotzdem hatte das auch sein Gutes: die Freude am Singen und die unbedingte Lust, trotz allem dranzubleiben, hat mir eben diese erste sehr motivierende Lehrerin gegeben. Alles zu seiner Zeit, ich empfinde es nicht als verlorene Jahre. Jede Erfahrung bringt uns doch ein Stück weiter.

Ich kann nur immer wiederholen: Hört euch sooft wie möglich selbst an, vorallem in Konzerten, bei denen ihr nicht allein singt, sondern Vergleich mit anderen da ist. Nichts hat MIR mehr geholfen und hilft mir weiterhin mehr, auf den Boden einer kritischen Selbsteinschätzung zu kommen. :dafür:
Lob und Kritik kann ich damit auch viel besser einordnen, zumindest was meine Technik angeht, die Ausstrahlung und Bühnenpräsenz steht ja wieder auf einem anderen Blatt.
Liebe Grüsse Cantilene :hearts:


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BeitragVerfasst: 24.02.2006, 11:40 
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Natürlich braucht jeder Mensch Lob, egal ob beim Singen oder sonstwo.
Man sollte aber vorsichtig sein und nicht überschwenglich, damit derjenige wirklich keinen Höhenflug bekommt. Wenn ein Schüler ständig gelobt wird und alles ist ok, dann glaubt er das letztendlich auch, erst in der Öffentlichkeit wird dann klar was Sache ist.

Kritik würde ich z.B. an fremden Schülern nie äußern, eben so wenig Verbesserungen, es geht mich nichts an, wenn er nicht aus meinem Stall kommt.

Kritik an Kollegen ebenso wenig, auch das steht mir nicht zu. Wie oft werden in den Foren Weltsänger von Schülern kritisiert, machmal regelrecht zerrissen. Woher nehmen sie das Recht in der Öffentlichkeit so zu kritisieren.

Was anderes ist es im Unterricht, denn da ist Lob immer angebracht, dass braucht ein Schüler, es spornt an und steigert das Selbstbewußtsein desjenigen.

Was ich überhaupt nicht mag, vor Konzerten noch mit Technik an dem Schüler herumzudoktern, es verunsichert den Schüler und das Lampenfieber steigt um so mehr.

Lob und Tadel in Maßen, an der richtigen Stelle, am richtigen Ort.

Liebe Grüsse

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BeitragVerfasst: 24.02.2006, 11:51 
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Hallo Canti,

bist du wirklich der Meinung, daß man aufgrund der Ausstrahlung eines Sängers abschätzen kann, wie es demjenigen wirklich geht?

Klar wenn die Person überheblich sich äußert o.ä. dann stimme ich dir zu aber nur aufgrund der Ausstrahlung????


Liebe Grüße
Chero


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BeitragVerfasst: 24.02.2006, 13:32 
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Liebe Canti,

ich habe inzwischen Sänger besser kennengelernt, die mir beim ersten Eindruck eine absolute Kompetenz und Sicherheit vermittelten und deren Ausstrahlung eine Selbstsicherheit zeigte, die man mir jedoch später von eben diesen Sängern nicht bescheinigt wurde. Sie waren unwahrscheinlich nervös gewesen und sich noch überhaupt nicht sicher bez. stimmlichen Ansatz und Sitz... Wie eine Ausstrahlung doch trügen kann, gell... ;-)

Liebe Grüße,

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cornettina


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BeitragVerfasst: 24.02.2006, 13:46 
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Liebe Chero, das hast du evtl falsch verstanden? Natürlich gibt es Leute, die so souverän wirken, dass Andere vielleicht glauben, sie haben kein Lampenfieber. Auch das ist ein Stück Disziplin und Professionalität. Im wirklich harten Profi-Geschäft kann man sich Ausfälle wegen Lampenfiebers kaum leisten, dann ist man leider schnell aus dem Rennen. Wer das überwindet oder von vorneherein so souverän auftreten kann, das Andere es nicht merken,hat meinen Respekt.
Die Ausstrahlung,die ein Sänger auf der Bühne hat, ist jedenfalls viel wichtiger als ich anfangs glauben konnte/wollte.
Ich erlebe das ja auch selbst als Zuhörerin in Opern/Konzerten.
Ich weiss nicht, wieviel Prozent es letztlich ausmacht, aber ich fürchte eine ganze Menge.
Da kann jemand noch so super singen und erntet zwar Respekt und Bewundererung, aber ein Anderer singt vielleicht viel schlechter und wird von den Leuten geliebt. Das ist sehr ungerecht,aber ich selbst kann mich dem als Zuhörerin ja auch nicht entziehen, da spielen soviele Dinge eine Rolle!
Wie es dann demjenigen innendrin geht, der da steht und singt, das weiss nur er/sie allein.Es gab mal einen Roman der Hiess "Die Einsamkeitdes tormanns vor dem Elfmeter" Man kônnte auch eines Roman schreiben "Die Einsamkeit des Sängers vor dem ersten Ton" :schlaumeier:
Allerdings kenne ich durchaus auch Sänger, die so selbstsicher und von sich überzeugt sind,dass ihre Souveranität echt ist und sie wirklich kaum Lampenfieber haben.
Es ist eben individuell total verschieden. Für Leute wie mich ist es schon ein Erfolg, nicht mehr zitternd auf der Bühne zu stehen und nicht bis zum zehnten Takt keine Stütze zu haben. :oops: Eines Tages klappt es dann vielleicht sogar schon nach den ersten beiden Tönen; das ist einfach ein langer Weg der Persönlichkeitsentwicklung.

@Musika Ja, du hast ganz Recht: wenn man Schüler vor Konzerten noch technisch ummodeln will, ist das SEHR kontraproduktiv. :d_neinnein: Aber man kann das als Schüler auch deutlich sagen. Ich habe es neulich so gehalten und die Lehrer haben es voll akzeptiert und nur musikalisch mit mir noch gearbeitet. Man ist ja in erster Linie für sich selbst verantwortlich und die Anderen meinen es vielleciht nur gut, wenn sie helfen wollen.
Apropos Höhenflug: Bisher habe ich noch niemanden kennengelernt, der nicht von falschen höhenflügen irgendwann von selbst abgestürzt ist-die Realität holt jeden ein- ob mit oder ohne ausreichender Kritik von seinem/ihrem Lehrer.
Manche brauchen einfach länger und einen härteren Sturz, um auf dem Boden der Tatsachen anzukommen. ;-)
Aber auch (und gerade) die brauchen dann Lob und aufmunternde Worte, damit sie wieder aufstehen und nicht für immer zerschmettert liegen bleiben...... ;-)
Liebe Grüsse Cantilene :hearts: :n87:


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BeitragVerfasst: 24.02.2006, 21:07 
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...denn wer hört nicht gerne Lob, aber glaubr man es dann auch...?

Hallo Musika

Wenn du mir etwas von deinem Wissen weitergeben würdest, würde ich das schon toll finden, auch wenn ich nicht "aus deinem Stall" komme...aber ich kann natürlich deine Einstellung auch verstehen...jeder Tip unter Freunden verringert die Chance daß da jemand eine Stunde bei dir nimmt...kicher

Ich denke, wenn jemand kurz vor einem Auftritt versucht, meine ganze Technik umzuwerfen und sie mir "abzugewöhnen" ist das kontraproduktiv und dann muß ich davon Abstand nehmen...kleine Ergänzungen, die ich anwenden kann aber nicht muß, find ich aber toll.

Mir hat z.B. ein Ensemblemitglied auf Mallorca vor einem der Konzerte total mit einem kleinen technischen Tip auf die Sprünge geholfen.
Am Anfang meines Auftrittes hat's zwar nicht funktioniert, ich bin halt noch zu sehr am Anfang um gleich beim ersten Ton zu funktionieren, aber dann hatte ich ein sprichwörtliches WOW - Erlebnis und alles ( auch der ganz neue Kram ) war plötzlich da.
Überhaupt war diese Konzertreise mit euch für mich ein einziges WOW - Erlebnis...

Einer meiner ersten Beiträge und ich ratschere ohne Ende...sorry :mrgreen:

Phoebe


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 Betreff des Beitrags: Wie wahr.
BeitragVerfasst: 24.02.2006, 21:12 
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Liebe Cantilene,
wie wahr du sprichst...und ich bin immer SOOO aufgeregt... :n86: also müssen wir uns irgendwie dazu kriegen unser Lampenfieber nicht zu zeigen und am besten noch vor dem Auftritt zu überwinden, damit man uns bei professionellen Auftritten dann auch nichts mehr kann... :bravo:

Phoebe


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BeitragVerfasst: 09.03.2006, 00:22 
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musikavokale hat geschrieben:

Um deine letzte Frage zu beantworten Cantilene, wenn ein Schüler, der selber noch nicht fertig ist, einen erfahrenen Sänger kritisiert, ist das so eine Sache. ... Qußerdem steht es mir auch nicht zu, jeder ist für sich selber verantwortlich und muss wissen wie gut oder schlecht er ist.

Liebe Grüsse


Also aber dann beschneidet man doch diejenigen, denen eine Kritik/Rückmeldung sehr wichtig ist!?
Ich finde es zwar auch äußerst befremdlich, wenn ein Schüler sich's Maul zerreißt über einen Profi (ich zitiere da immer gerne meinen Freund (Pianist): Ich kann vielleicht zur Zeit dieses eine Stück besser; aber der Typ hat auf hohem Niveau wer-weiß-wie-viele Stücke abrufbereit!).

Andererseits - es gibt ja auch Punkte, die der Aktive nicht immer selbst wahrnehmen kann, wie
- habe ich das Publikum erreicht,
- hat es und wie angerührt,
- waren meine Gestiken angemessen für die Größe des Raumes
usw.
________________________

Meine Kritikfähigkeit:
Am wichtigsten ist mir meist die Kritik von Profis anderer Instrumentengattungen. Dann sind auch Hintergedanken wie im Falle von Sängern (= potentielle Konkurrenten) außgeschlossen.
Die können dann zwar selten Konkretes zum Stimmgebrauch sagen; dafür geben sie aber a) den Höreindruck mit höhererm Anspruch und b) den musikalischen Gesamtindruck wieder.
Bei Sängern, die Sänger beurteilen geht meist der Blick für letzteres verloren, weil die dann nur noch lauter Einzelbäume sehen und nicht mehr den schönen Wald an sich.
Was das Technische angeht, so merke ich glaube ich fast alles selber. Dennoch nehme ich Ratschläge, solches in den Griff zu bekommen gerne an.
Auf die Kritik meiner Lehrerin vertraue ich blind! (Auf die meiner vorigen eher nicht)
Lob ist ganz schön. Ich lasse es aber nur an mich heran, wenn es von jemandem kommt, der seine Meinung später unter Beweis stellt, indem er entweder Auftritte oder Kontakte vermittelt, was ja gleichzusetzen wäre mit persönlichem Bekenntnis zu meinem Singen.
Auch nehme ich Lob ernst, wenn ich von der Person den Eindruck habe, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst ist, wie das z.B. ist, wenn man marktunabhängig einem Dozenten oder Opernsänger vorsingt. In einer solchen Situation ist mir auch Kritik wichtig.

Ansonsten nehme ich Kritik ernster als Lob. Allerdings habe ich mir angeeignet, Lob und Tadel so abzuspeichern, dass ich die Kritik sachlich betrachten und damit auch umsetzen kann und Lob solange in die Schublade zu stecken, bis ich andere von mir überzeugen muss. Dann krame ich das raus und versetze mich in Zuversicht.


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BeitragVerfasst: 09.03.2006, 00:34 
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Kritik und Anregungen sind doch was Tolles - wer möchte sich nicht weiterentwickeln?! :n2:
Und letztlich entscheidet man immer noch selbst, ob man sie annimmt und umsetzt oder nicht. :welcome:


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Forum: Musikkritik
Autor: musika
Antworten: 5
Kritik erwünscht!!
Forum: Musikkritik
Autor: Anonymous
Antworten: 4

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