hallo,
schön, daß der thread noch mal "aufgewärmt" wurde, ich hab ihn beim ersten mal wohl irgendwie übersehen.
während meiner ausbildung hatte ich lange mit einem besonders blöden lampenfieber zu kämpfen, daß oft (aber nicht immer) dafür gesorgt hat, daß ich längst nicht so gut gesungen habe, wie bei den proben oder bei einigen (lange zeit leider wenigen) anderen auftritten.
vor den auftritten war das lampenfieber null- ganz wenig, da ich gut vorbereitet war und mich auf den auftritt gefreut und nie damit gerechnet habe, daß es nicht klappt (also keine negative erwartungshaltung).
auch, wenn ich dann auf die bühne ging, war ich nur sehr wenig aufgeregt (gerade soviel wie nötig, um nicht langweilig zu singen), aber in dem moment, wo ich den mund aufmachte, um den ersten ton zu singen, passierten schreckliche dinge.
mindestens 3 frösche im hals, stimme heiser, stimmsitz verrutscht bis in den keller, akute luftnot, völlige taubheit wegen extremem rauschen in den ohren usw.
zuerst hab ich immer tapfer weiter gesungen, aber es wurde nicht wirklich besser (und hinterher sagt ja keiner, daß da mind. 180 töne gut waren, neee genau die 3-5, die es nicht waren, werden rumgetratscht als wäre alles so gewesen

).
dann hab ich mal nach wenigen tönen mit einem dezenten husten

abgebrochen und neu angefangen, da ging es dann und die zuhörer dachten, ich wäre stark erkältet und haben mich bewundert, weil ich dann beim 2. anlauf trotz der erkältung gut gesungen habe.
irgendwie hat mir dieses erlebnis schon mal ein bißchen geholfen und mit dazu beigetragen, daß ich einige zeit später dann herausgefunden habe, warum ich manchmal gut gesungen habe (mit sehr wenig lampenfieber) und oft nicht gut wegen dieses katastrophalen lampenfiebers.
ich hab versucht herauszufinden, was jeweils anders war. leider gelang mir das erst nach längerer zeit und vielen vermasselten auftritten.
wären dazwischen nicht immer wieder gute und sehr gute auftritte gewesen, hätte ich vielleicht irgendwann die öffentlichn auftritte aufgegeben und nur noch im städt. altenheim von pusemuckel gesungen und auch da nur für die über hundertjährigen halbtauben.
die lösung bei mir war (ich hab diesen effekt auch schon bei einigen schülern von mir feststellen und ihnen entsprechende tips geben können):
immer da, wo ich als schülerin aufgetreten bin (klassensingen, wochenendseminare, wo leute da waren, die wußten, daß ich noch schülerin war und probleme hatte, auftritte, wo meine lehrerin anwesend war (die leider oft sehr blöde bemerkungen machte) usw.), stand ich innerlich unter zwang beweisen zu müssen, daß ich singen kann (auch wenn es mir in der situation lange nicht bewußt war).
überall da, wo niemand wußte, daß ich noch lernte und probleme hatte (außer mal ein sehr netter kantor, der aber trotz eines problems am anfang der probe davon ausging, daß das nur ein versehen war und ich eigentlich gut singe), fühlte ich mich schon zu beginn meiner ausbildung auf der bühne sehr wohl (auch schon vor der ausbildung, wo ich aber nur einigen bekannten mal chansons vorgesungen habe) und fühlte mich eigentlich wie ein profi und freute mich nur darauf und darüber, den anwesenden schöne lieder vorsingen und ihnen diese "tollen stories" erzählen zu können.
da war es nur noch wichtig, ihnen diese wahnsinnsgeschichten zu erzählen und nicht, ob ich jetzt jede punktierung absolut exakt mache oder oder oder
und als mir das klar war, hab ich mir zum nächsten solo-konzert extra ein paar leute eingeladen, die nicht nur jeden noch so winzigen fehler sofort hören, sondern ihren lebenszweck darin sehen, möglichst viel zu kritisieren und das hemmungslos.
allerdings hab ich da als erstes stück eins genommen, bei dem eigentlich nichts schief gehen konnte, weil`s halt supereinfach war (die forelle), weil ich kein unnötiges risiko eingehen wollte. die erkenntniss, wo es dran liegt, hilft ja nicht immer, es sofort anders zu machen.
aber es hat auf anhieb funktioniert. ich bin auch da hingegangen als wäre ich profi und es käme nicht darauf an, zu beweisen, daß ich singen kann, sondern nur darauf, spaß zu haben und den leuten etliche tolle stories zu erzählen und ihnen dadurch eine nette stunde zu schenken.
bei folgenden auftritten, wo teils auch leute anwesend waren (nicht von mir eingeladen), die wußten, daß ich noch einige zeit vorher probleme hatte und die selbst die kleinste panne gern kommentiert und rumgetratscht hätten, funktionierte es genauso.
es war mir einfach egal, ob immer alles perfekt ist (das ist es doch selbst bei weltberühmten super-profis auch nicht), es ging nur noch um die musik und die "story" und genau dadurch wurde es soviel besser und zwar zuverlässig und nicht nur ab und zu mal, daß dann auch noch ganz andere sachen möglich wurden.
bei anderen dingen hatte ich diese problem nie, weil ich eigentlich sehr viel selbstbewußtsein habe und keineswegs immer "perfekt" sein muß, aber das singen war für mich einfach so existentiell wichtig, daß ich (unbewußt !!!) einfach immer beweisen wollte, daß ich eine gute sängerin bin, obwohl ich erst so spät angefangen und kein hochschul-diplom habe.
nachdem mir das egal war, wurde ich auch von den leuten "mit diplom" und selbst von hochkarätigen pianisten etc. als profi-sängerin anerkannt (und auch wenn`s mir da schon weitgehend egal war, aber irgendwie tat es doch gut, wenn man nach langer leidenszeit mit vielen blöden bemerkungen soweit war, daß man von einem pianisten begleitet wurde, der auch sehr berühmte opernsänger begleitet).
bei meinen schülern helfen entsprechende hinweise leider nicht immer. manche (auch wenn sie eigentlich selbstbewußt wirken) haben verstärkt das problem, daß sie immer beweisen müssen, daß sie gut sind.
das funktioniert auch bei dingen, wo fleiß und "kopfarbeit" wichtig sind, sehr gut, aber beim singen halt oft nicht, weil da ein verkrampftes "wollen" ja nicht dazu führt, daß es besser wird. da kann es dann manchmal sehr lange dauern, bis die eigentlich gute leistung so "streßresistent" ist, daß alle auftritte gut gelingen.
liebe grüße
kaja