|
Seite 1 von 1
|
[ 12 Beiträge ] |
|
| Autor |
Nachricht |
|
Elvira
|
Verfasst: 08.10.2006, 17:54 |
|
|
|
Ihr Lieben
Mich würde interessieren, wie sehr ihr nach einem Konzert von Rückmeldungen abhängig seid? Ich habe nämlich gerade auf einer Tournee ganz tolle Konzerte erlebt, wo ich danach jeweils kaum Rückmeldungen erhalten habe. Vor allem an einem Abend war es ganz besonders schlimm - weil es für mich selbst ein unheimlich intensives Erlebnis war. Ich hatte so sehr wie kaum je zuvor das Gefühl, wirklich völlig präsent zu sein - mit jeder Faser meines Körpers und meines Herzens, als hätte ich direkt aus meiner Seele gesungen. Ich war selig .... Doch gerade da habe ich es fast nicht ertragen, danach kein einziges Feedback zu bekommen. Natürlich, es war im Ausland, niemand mir Bekanntes sass im Publikum und wir verliessen das Theater durch den Hinterausgang. Das Orchester hat mich ja schon mehrmals singen gehört und sass ausserdem selbst auf der Bühne. Meine Güte, was hab ich denn erwartet?? Es ist lächerlich, aber ich war total deprimiert und plötzlich felsenfest davon überzeugt, dass ich mich geirrt habe und das Ganze schlecht, wenn nicht gar peinlich gewesen sein musste. Punkt. Ganz betrübt und freudlos bin ich anschliessend in mein Bett gesunken. Ich fühlte mich furchtbar leer. Ich habe so viel von mir gegeben - und nichts zurückbekommen.
Kennt jemand dieses Gefühl? Ich meine, ich bin mir sehr wohl bewusst, dass auch das schmeichelhafteste Lob nichts bedeuten muss. Aber mir wurde erschreckend bewusst, in welchem Masse mein Hochgefühl von Rückmeldungen abhängig ist. Ist das normal??
Ich muss vielleicht sagen, dass ich noch ganz am Anfang meiner Ausbildung stehe und noch sehr unerfahren bin. Ich hatte jedoch schon das Glück (und alles in allem war es WIRKLICH ein überaus beglückende Erfahrung!), auf einer Tournee mit einem Jugendorchester eine Arie und ein Duett zu singen.
Liebe Grüsse
Elvira 
|
|
| Nach oben |
|
 |
|
musika
|
Verfasst: 08.10.2006, 22:05 |
|
Registriert: 10.11.2005, 00:00 Beiträge: 4458 Wohnort: Diessen am Ammersee *15.07.1942
|
|
Hallo Elvira,
das Gefühl kennt glaube ich jeder Sänger. Es ist so, dass nach einem schönen Konzert, in dem viel Seele liegt, ein Loch entsteht, eine Stille, ein Abfallen und ein "zu Ende". Die Zeit der Proben und des aktiven Singens ist auf einmal aus, alles ist vorbei und ein nächstes Mal ist oft in weiter Ferne. Es kann durchaus depressiv machen, habe ich selber schon erlebt.
Bei mir kommt es immer auf die Literatur an, wenn es ein geistliches Konzert ist oder traurige Literatur, ist es besonders schlimm.
Mir ist es passiert nach dem 2. Konzert, in dem ich die Alt-Rhapsodie von Brahms sang. Nun war alles vorbei und die Vorfreude, die Seele die sich so auf den Text einstellte, alles war nun vorbei.
Von außen hört man oft nichts, entweder es ist keine Gelegenheit, man kennt das Publikum nicht, oder aus den eigenen Reihen, Chor usw. ist es oft so, wenn nichts gesagt wird, kann man davon ausgehen, dass es gut war. Wenn doch einige etwas sagen, dann nur um dir einen Gefallen zu tun, oft ist es nicht ehrlich.
Ich kann dir nur den Rat geben, hör auf dein Herz, wenn du mit dir zufrieden bist, solltest du dich glücklich schätzen. Alles andere ist oft Schaum.
Liebe Grüsse
_________________ musika belcanto-solistenFreunde sind wie Engel, die uns auf die Füße helfen, wenn unsere Flügel vergessen haben, wie man fliegt.
|
|
| Nach oben |
|
 |
|
cantilene
|
Verfasst: 08.10.2006, 22:52 |
|
|
|
Liebe Elvira, ich kann Dich sehr gut verstehen und schicke ganz viele solidarische Grüsse!
Für mich ist es SEHR wichtig, einige wenige vertrauenswürdige Personen im Publikum zu haben, die mir etwas spiegeln.
Musika hat Recht, wenn sie sagt, dass vieles Schaum ist, denn die meisten Menschen schmeicheln lieber, als sich unbeliebt zu machen und manche sagen eben gar ncihts, was sowohl Schüchternheit oder aber auch Neid und Rivalität zur Ursache haben kann. Oder aber man sagt ncihts, wenn es nicht gefallen hat und man den anderen nciht verletzen will-es gibt da SEHR viele Varianten.
Man muss genau wissen, wem man vertrauen kann und wem nicht und das rauszufinden, kann ein langer, schmerzlicher Prozess sein. :sad:
Ich bin wie Du noch ziemliche Anfängerin im Konzertbereich und noch nciht sehr gefestigt in meiner Selbstwahrnehmung . Wenn irgendmöglich, bitte ich meine Eltern, Geschwister, meinen Mann, sehr enge Freunde oder eine Lehrerin zu kommen. DA weiss ich, dass ehrliche, auch manchmal schmerzliche, aber keine destruktiven Kritiken kommen und dass diese Menschen mir nur helfen wollen und wohlgesonnen sind. :love:
Das eigene Gefühl ist ein wichtiges Indiz, aber mich hat das auch schon getäuscht! Einmal dachte ich , ich habe miserabel gesungen und hatte ein ganz schlechtes Körpergefühl, aber sowohl mein Mitschnitt, als auch Kommentare bewiesen das Gegenteil. Umgekehrt hatte ich mal ein sehr positives Gefühl, weil ich emotional sehr dicht im sTûck war und es war-o schreck!- stimmlich gar nciht so gut.
Ich denke, das ist eine Frage der wachsenden Erfahrung, die sich im Laufe vieler Sängerjahre hoffentlcih verlässlicher einstellt.
Wenn Du unbedingt Rückmeldung brauchst und das verstehe ich gut, denn als Sänger GIBT man ja etwas nach AUSSEN, dann kannst Du doch auch einfach mitschneiden oder jemanden fragen, der Dir vertrauenswürdig erscheint.
Als Anfänger, denke ich , hat man dieses Recht durchaus, auch wenn man sich irgendwann davon freistrampeln muss.
Jedenfalls gratuliere ich ganz herzlich zu Deinem Erfolg! Geniesse ihn und sei es auch ganz alleine! :tanzen
Ganz besonders wertvoll finde ich übrigens Lob von wildfremden Personen, die Dich gar nciht kennen. Da kannst du sicher sein, dass es echt ist, denn sie müssten ja nichts sagen und wenn sie es doch tun , hat es einen Grund.Das Schweigen von Kollegen sollte Dich dagegen am wenigsten irritieren-da kann man leider Neid/Rivalität oder Egozentrismus nciht ausschliessen. Suspekt finde ich , wenn Freunde schweigen. Da gehe ich davon aus, dass sie nicht verletzen wollen und dass es eben nicht so toll war oder es sind doch keine echten Freunde.....-also jede Menge Psycho.....  ;-)
Cantilene 
|
|
| Nach oben |
|
 |
|
Orphenica
|
Verfasst: 08.10.2006, 23:51 |
|
|
|
|
Liebe Elvira,
ich bin zwar auch Anfängerin und habe noch nicht viel Solo-Erfahrung, aber ich kann dich sehr gut verstehen. Mir würde das auch so gehen. Ich glaube, es gehört auch zum Lernprozess dazu, dass man sich von den Reaktionen der anderen unabhängig macht, dass man lernt sich selber so gut einzuschätzen, dass man weiß, was gut und was nicht so gut war. Ein Mitschnitt kann da sicher ganz hilfreich sein, obwohl so eine Aufnahme natürlich nicht wirklich die Live-Situation wiederspiegelt. Ein kleiner Patzer mag dem Publikum gar nicht auffallen, weil die Gesamtaussage der Arie stimmig ist und Gefühle rübergebracht werden. Die Aufnahme gibt dir aber möglicherweise den Eindruck, der Patzer habe alles verdorben.
Wie Musika und Cantilene schon sagten: Freue dich über deinen Erfolg und vertraue deinem Gefühl, dass es gut war!
Liebe Grüße,
Orphenica
|
|
| Nach oben |
|
 |
|
Fliu
|
Verfasst: 09.10.2006, 06:52 |
|
|
|
Hallo Elvira!
Ich kann dein Problem auch sehr gut verstehen. Das eigene Gefühl stimmt eben doch nicht immer mit der wirklichen Leistung überein, und da können Publikumsrückmeldungen dann schon sehr hilfreich sein. Bei Auftritten mit unserem Vokalensemble ist es schon öfter passiert, dass wir nicht so zufrieden waren und viel auszusetzen hatten, danach aber wildfremde Menschen kamen und uns begeistert gratulierten oder uns Auftrittsangebote unterbreiteten. Sowas bringt dann schon enorm viel für das persönliche Wohlbefinden  Allerdings bin ich absolut der Meinung der anderen: Wenn es keine Rückmeldung gibt, heißt das absolut nicht, dass es schlecht war, schon gar nicht, wenn man niemanden kennt. Wie Musika schon sagt, kann es genauso der Fall sein, dass alle ganz begeistert waren und glücklich wieder nach Hause gingen. Wenn für dich selbst das Gefühl so toll war, würde ich darauf vertrauen und zufrieden sein :grin: Das mit den Live-Mitschnitten ist auch so eine Sache - oft bin ich beim Hören total ernüchtert, weil es live einfach ganz was anderes war, wir alle ein viel besseres Gefühl hatten und das Publikum völlig aus dem Häuschen war (übrigens so geschehen bei den Mitschnitten vom Galakonzert des Festivals der jungen Chöre, die ich vor kurzem auf die HP gestellt habe). Aber ich glaube, da sind wir Sänger oft einfach viel zu perfektionistisch. Wenns dem Publikum gefällt, sollten wir doch eigentlich zufrieden sein  ;-)
Langer Rede kurzer Sinn: Deine Konzerte waren sicher fabelhaft  und wir alle müssen bestimmt lernen, uns weniger verunsichern zu lassen ;-)
Zuletzt geändert von Fliu am 09.10.2006, 14:49, insgesamt 1-mal geändert.
|
|
| Nach oben |
|
 |
|
Elvira
|
Verfasst: 09.10.2006, 09:08 |
|
|
|
Danke für Eure lieben Antworten!
Es tut schonmal gut zu hören, dass andere dieses Gefühl auch kennen.
Wie Cantilene ist es mir auch am liebsten, wenn jemand Vertrauenswürdiges im Publikum sitzt, der mir anschliessend ehrlich und kritisch Rückmeldung gibt. Ein Lehrer, meine Schwester oder eine gute Freundin. Die waren eben alle nicht dabei und daher fehlte natürlich nicht einfach Lob sondern vor allen Dingen auch die konstruktive Kritik ...
Bis zum Ende der Reise habe ich dann doch noch sehr schönes gehört, wo ich auch glaube, dass es sehr aufrichtig gemeint war. Und das tut halt einfach gut!
Es war übrigens so, dass es von fast allen Konzerten einen Mitschnitt gab - ich habe es mir später dann auch angehört und war zumindest mit dem stimmlichen Ergebnis zufrieden. (VOr der Videoaufnahme zweier Konzerte zittere ich allerdings ein wenig ...) Ich denke auch, dass das eine gute Möglichkeit ist, wenn ich niemand Vertrauenswürdiges aus dem Publikum habe, der mir Rückmeldung geben kann. Aber er ist halt schon so, dass bei einer Aufnahme immer ein wesentliches Stück fehlt. Die unmittelbare Wirkung, der Zauber kann man irgendwie nicht festhalten - dafür alle Mängel umso mehr... Ein Chorleiter hat mir einmal gesagt, er hasse Live-Mitschnitte. Er freue sich unbändig, wenn er fühlt, dass bei einem Konzert der Funken aufs Publikum übergesprungen ist, sich der Himmel ein Stückweit geöffnet hat. DAS ist ein gelungenes Konzert für ihn. Alle Patzer spielen dann keine Rolle. Wenn er sich aber anschliessend die Aufnahme anhört, DANN hört er vor allem alle Patzer, unsauberen Einsätze, etc... Er hasse das.
Ihr habt recht, wahrscheinlich wird man mit zunehmender Erfahrung und besserer Selbstwahrnehmung immer unabhängiger von dem, was andere sagen oder eben nicht.. Da scheine ich aber noch sehr weit davon entfernt zu sein
Liebe Grüsse und danke!! Elvira

|
|
| Nach oben |
|
 |
|
EmmyNoether
|
Verfasst: 09.10.2006, 09:10 |
|
|
|
Elvira hat geschrieben: Vor allem an einem Abend war es ganz besonders schlimm - weil es für mich selbst ein unheimlich intensives Erlebnis war. Ich hatte so sehr wie kaum je zuvor das Gefühl, wirklich völlig präsent zu sein - mit jeder Faser meines Körpers und meines Herzens, als hätte ich direkt aus meiner Seele gesungen. Ich war selig .... Doch gerade da habe ich es fast nicht ertragen, danach kein einziges Feedback zu bekommen.
Hallo Elvira,
mit allergrößter Wahrscheinlichkeit hättest Du von mir, die Dich ja nicht kennt, kein Feedback erhalten, was mit Deiner Leistung aber nichts zu tun hätte.
Als Konzertbesucherin erwarte ich eigentlich zunächst, daß gut gesungen wird. Wenn das der Fall ist, freue ich mich, lausche entzückt und klatsche fleißig. Wenn nicht, ziehe ich betrübt von dannen.
Diskutieren tue ich das Ganze hinterher in der Kneipe mit meinen Begleitern. Und zwar u.U. ausgiebigst!
Als Konzertbesucherin fühle ich mich gar nicht berufen, den Sängern etwas zu sagen. Bei mir kommt es äußerst selten - ganz äußerst selten - vor, daß ich Sängern, die ich nicht kenne, hinterher etwas sage. Da müßte ich so außerordentlich begeistert sein, wie es Leuten meines Temperamentes fast nicht möglich ist.
Ich glaube, wenn Du das Gefühl hattest, gut gewesen zu sein und die Leute erreicht zu haben (das merkt man doch?), kannst Du mit dem Konzert vollauf zufrieden sein, (und zwar selbst, wenn Du hinterher auf einer Aufnahme kleine Mängel feststellst. Live und Konserve sind zwei Welten.)
Gruß v. Emmy
|
|
| Nach oben |
|
 |
|
lucicare
|
Verfasst: 09.10.2006, 11:20 |
|
|
|
Hallo Elvira
Erst mal herzliche Glückwünsche zur gelungenen Tournee!  :grin:
Ich glaube auch, dass die Abhängigkeit von Rückmeldungen auch mit mangelnder Erfahrung zusammenhängt. Früher ist es mir im Chor ähnlich gegangen, wenn ich niemanden im Publikum hatte, der hinterher etwas sagte, doch jetzt weiss ich meist selber, ob der Funke gesprungen ist. Solistisch habe ich auch noch sehr wenig Erfahrung und bin daher stärker vom Feedback abhängig. Allerdings habe ich es noch nie erlebt, dass gar kein Echo gekommen ist - das würde mich vermutlich auch sehr verunsichern. Also ich würde dieses Gefühl als völlig normal einstufen, vor allem wenn man erst wenige Soloauftritte gehabt hat. Und seien wir doch ehrlich: wer freut sich denn nicht riesig über ein spontanes Lob, selbst wenn es aus fachlich unbeleckter Ecke kommt? Das verstärkt doch das Hochgefühl ungemein - zumindest mir ist es schon so gegangen... :tanzen
Gruss
lucicare :Sonne
|
|
| Nach oben |
|
 |
|
Elvira
|
Verfasst: 09.10.2006, 16:40 |
|
|
|
Hallo Emmy
Danke für diese Sicht des Zuhörers! Ich muss sagen, dass ich da ja selbst nicht anders bin, und eigentlich nie mir unbekannte Solisten nach einem Konzert anspreche ... Schon gar nicht würde ich extra hinter die Bühne gehen dafür.
Ich denke halt jeweils auch, dass es die gar nicht nötig haben (vor allem nicht von einer kleinen Zuhörerin wie mir) und bestimmt selbst wissen, wie gut sie sind. Aber ich frage mich, ob man seiner selbst überhaupt einmal so sicher sein kann, dass man den Punkt völliger Unabhängigkeit erreicht hat!?
@Lucicare: Danke!
Elvira

|
|
| Nach oben |
|
 |
|
Dola1
|
Verfasst: 09.10.2006, 22:25 |
|
|
|
|
Liebe Elvira,
in diesem thread kam m. E. sehr deutlich die unterschiedliche Perspektive auf und vor der Bühne zum Vorschein, was sich nicht nur äußerlich dadurch ausdrückt, dass man sich gegenüber positioniert hat.
Feedback an sich finde ich durchaus sinnvoll, denn schließlich macht man das Konzert ja nicht für sich, sondern für das Publikum. Falls zwischen der meist eher geringen Zufriedenheit mit der eigenen Leistung und einem vielleicht recht begeisterten Applaus oder lobenden Worten eine größere gefühlsmäßige Diskrepanz auftritt, so kann man durchaus auch den Schluss daraus ziehen, dass man sich durch Fehler, kritische Momente und dergl. nicht drausbringen hat lassen.
Ich persönlich mag die "volksnahe" Variante ja auch sehr gerne, doch kommt die allerdings meist nur dann vor, wenn Bühne und Zuschauerraum nahe beieinander sind oder hauptsächlich Bekannte gekommen sind.
Man muss bedenken, dass die meisten Leute unsere Tätigkeit als etwas ziemlich Ungewöhnliches erachten und sich gar nicht trauen, zu kommen. Ich vergesse diesen Umstand meistens jedoch auch völlig.
Mir geht es so, dass ich zunächst an der Art des Applauses in etwa ablesen kann, wie gut der Vortrag ankam. Wie war das denn bei deinem Konzert? Vielleicht relativiert sich das Gefühl, ohne Feedback gewesen zu sein, bereits, wenn du dich an die eigentlich ursprünglichste Form der Publikumsantwort erinnerst.
Lieben grüße,
dola
|
|
| Nach oben |
|
 |
|
kaja
|
Verfasst: 10.10.2006, 10:19 |
|
|
|
|
hallo,
mein wichtigstes feedback bekomme ich immer von meinem rep bzw. den andern pianisten, die mich begleiten, die alle sehr kritisch und sehr ehrlich sind (früher während der ausbildung manchmal nicht sehr angenehm :sad: ) und durch die aufnahmen, die ich grundsätzlich mache, wenn ich öffentlich singe.
außerdem spürt man ja schon während des singens, wie man beim publikum ankommt. ein besonderer härtetest für angehende solisten ist hier am ort ein städtisches altenpflegeheim, wo die leute schon sehr alt und teilweise etwas dement und unruhig sind und an klassik nicht wirklich interesiert. normalerweise wird dann auch während des vortrags laut mit dem nachbarn geredet, zwischendurch rein- und rausgelaufen etc.
wer es da schafft, daß alle 1 stunde lang still sitzen bleiben und ruhig und aufmerksam zuhören, obwohl der gößte teil des programms aus klass. liedern und arien besteht, der kann überall singen.
wenn nach einem konzert o.ä. noch einige leute zu mir kommen und sich positiv äußern, finde ich das natürlich sehr nett und angenehm, ist aber längst nicht mehr wichtig. im ersten teil meiner ausbildung, als ich mir vorher (vor allem bei klassensingen, öffentliches ging damals schon besser) nie so ganz sicher war, ob alles gut geht, fand ich das unmittelbare feedback von zuhörern noch rel. wichtig.
meinen schülern scheint das feedback durch mitschüler wichtiger zu sin als das lob irgendwelcher zuhörer. und natürlich das, was sie von mir, vom rep und durch die aufnahme zu hören bekommen.
liebe grüße
kaja
|
|
| Nach oben |
|
 |
|
Elvira
|
Verfasst: 10.10.2006, 13:22 |
|
|
|
dola hat geschrieben: Man muss bedenken, dass die meisten Leute unsere Tätigkeit als etwas ziemlich Ungewöhnliches erachten und sich gar nicht trauen, zu kommen. Ich vergesse diesen Umstand meistens jedoch auch völlig.
Mir geht es so, dass ich zunächst an der Art des Applauses in etwa ablesen kann, wie gut der Vortrag ankam. Wie war das denn bei deinem Konzert? Vielleicht relativiert sich das Gefühl, ohne Feedback gewesen zu sein, bereits, wenn du dich an die eigentlich ursprünglichste Form der Publikumsantwort erinnerst.
Liebe Dola
So sonderbar es klingt: Ich erinnere mich bei diesem Konzert (îm Gegensatz zu den anderen) nicht wirklich an den Applaus. Gut, er wird also nicht gerade überwältigend gewesen sein, sonst wäre es mir wohl geblieben ... ;-) (Allerdings weiss ich noch, dass nicht so viel Leute im Publikum sassen, und auch nach Beethovens Fünfter, die nach der Pause gespielt wurde, der Applaus eher spärlich ausgefallen ist...)
Es war leider so, dass ich nur in ein schwarzes Loch gesungen habe und da war auch ein grosser Orchestergraben zwischen mir und dem Publikum. Das war mir völlig neu, da ich bisher nur in kleinerem Rahmen gesungen habe. Ich mag es, wenn ich die Gesichter sehe und mir auch mal jemanden Spezielles aussuchen kann, für den ich singe.
Von allen Konzerten war dieses tatsächlich die am wenigsten "volksnahe" Variante. Ich habe das Publikum nicht wirklich gespürt - aber eben besonders stark die Musik, das Orchester, den Dirigent (der auch irgendwie verzaubert zu sein schien, zumindest empfand ich es so ...).
Am nächsten Tag haben wir in Palermo in einem Theater voller Schulklassen und Lehrer gespielt. Und wenn ichs mir recht überlege, habe ich dort auch kein Feedback erhalten... Das wird mir erst jetzt bewusst, denn ich war nachher ganz und gar zufrieden und erfüllt. Diese strahlenden oder andächtig staunenden Kindergesichter haben mir anscheindend vollkommen genügt!
Elvira

|
|
| Nach oben |
|
 |
|
Seite 1 von 1
|
[ 12 Beiträge ] |
|
Wer ist online? |
0 Mitglieder |
|
Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen. Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen. Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern. Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen. Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.
|
|