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 Betreff des Beitrags: Weihnachtsoratorium
BeitragVerfasst: 25.10.2006, 14:11 
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Hallo,

habe etwas im Internet nach Weihnachtsoratorium gegoogelt und folgenden Beitrag gefunden
***********************************
"Doch was hat das Weihnachtsoratorium, dass es die Menschen so anzieht? Ist es "nur" die Musik? Die ist schön, ohne Frage. Aber sie ist in den meisten Chören und Arien mit einem barockig-schwülstigen Text unterlegt, der vorgelesen nicht nur pubertierende Konfirmanden zum Lachen bringt. Oder wer hat heute noch Sinn für Reime wie Deine Wangen müssen heut viel schöner prangen / Eile, den Bräutigam sehnlichst zu lieben! (Arie Nummer 4) oder versteht noch Wendungen wie: Nun seid ihr wohl gerochen / An eurer Feinde Schar / Denn Christus hat zerbrochen was euch zuwider war? (Schlußchoral Nummer 64)?

-Quelle " Sonntagsblatt vom 10.12.99 Ausgabe 50/99"
*************************************
Ich finde es arm an Wissen und Interpretation was hier veröffentlicht wurde. Können die Menschen nur noch Worte lesen und verstehen wenn sie in der heutigen Zeit geschrieben werden? Kann niemand sich mehr in die Redensweise von damals reinversetzen oder sich Gedanken machen was diese Worte auch bedeuten können, also in Bezug auf Bibel?

Würde mich schon interessieren was ihr darüber denkt.

Liebe Grüße
Chero


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BeitragVerfasst: 25.10.2006, 14:31 
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Beiträge: 1633
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Hallo Chero,

über sowas würde ich mich gar nicht aufregen, denn es zeugt von absoluter Unwissenheit und schlechter Recherche und noch primitiverer Bildung des Zeitungsjournalisten. Was für ein Blatt ist denn das Sonntagsblatt ?
In der heutigen Zeit muß man ja immer wieder mit Beschimpfung und Verunglimpfung von christlichen Texten und der christlichen Kirche leben.
Das ist sehr sehr bedauerlich und man kann dem nur begegnen, indem man den Schreiberling eines besseren belehrt.
Klar, aufs erste gesehen, kann doch kein Jugendlicher mit so einem Text was anfangen, geschweige denn verstehen.
Hier bringt eben nur die Auseinandersetzung mit der Epoche und der damaligen Lebens- und Glaubenseinstellung etwas.


Liebe Grüße,

Silje


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BeitragVerfasst: 25.10.2006, 15:31 
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Hallo Silje,

nö aufgeregt habe ich mich nicht. Es hat mich nur gewundert wie ein Journalist so etwas von sich geben kann.

Klar die meisten Jugendlichen muß man erst an solche Texte ranführen aber wenn so ein Unsinn schon in der Zeitung steht......

Ich setz hier einfach mal den Link

http://www.sonntagsblatt.de/artikel/1999/50/50-s4.htm


Liebe Grüße
Chero


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BeitragVerfasst: 25.10.2006, 15:48 
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Hallo Chero,

du tust dem Verfasser unrecht, wenn Du nur einzelne Passagen rausziehst. (Für alle anderen hier der Link: http://www.sonntagsblatt.de/artikel/1999/50/50-s4.htm). Auf keinen Fall kann ich da einen Angriff auf den christlichen Glauben erkennen.

Und es handelt sich beim Text der sechst Kantaten auch nicht ausschließlich um Bibeltexte sondern zumeist um freie Dichtungen. Gerade den Text der Altarien "Bereite Dich Zion" und "Schlafe mein Liebster" kann ich mir sehr gut in einer weltlichen Kantate von Bach vorstellen (die Melodie zur zweiten stammt eh aus einer).
Man vermutet, dass die Texte von Christian Friedrich Henrici (alias: Picander) stammen. Und der war nunmal ein Mann des Barock und kam - wenn man Wikpedia glauben darf - aus dem Bereich der "erotischen Literatur". Dass die Texte "barock-schwülstig" erscheinen, ist also vermutlich sogar beabsichtigt.

Nichts für Ungut
LG
mezzo


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BeitragVerfasst: 25.10.2006, 16:10 
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Hallo Mezzo,

Ich habe den Beitrag doch ABSOLUT nicht als Angriff auf den christlichen Glauben aufgefasst. Wie du darauf kommst weiß ich nicht....

Warum ich mich über einen Teil des Beitrags gewundert habe, das habe ich schon im Eröffnungsbeitrag geschrieben. Wollte auch den Beitrag nicht auseinander nehmen, jedoch hätte ich den Link gesetzt und euch gefragt was ihr davon haltet, dann hättet ihr wohl nicht die Stelle gefunden, die ich meinte, allein darum habe ich zitiert aber auf jeden Fall die Quelle angegeben.

Den Link habe ich ja aufgrund Silje`s Frage dann reingestellt. Ich denke den hast du evt. übersehen.


Viele Grüße
Chero


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BeitragVerfasst: 25.10.2006, 16:16 
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Registriert: 13.11.2005, 19:26
Beiträge: 1633
Wohnort: Starnberg/Bad Homburg *21.12.
Hallo Chero,,

da muß ich Mezzo recht geben. Ich habe mir den kompletten Artikel durchgelesen , und auch ich kann hier nichts negatives herauslesen, fast eher das Gegenteil. Der Autor stellt ja heraus, daß das Weihnachtsoratorium trotz der manchmal komisch anmutenden Texte, doch ein Werk ist, daß immer wieder begeistert von Chören gesungen und von Zuhörern gehört wird.
Und der Text erschließt sich dem Hörer entweder durch die fantastische Musik oder eben nicht, aber es ist und bleibt ein Meisterwerk.

Lieben Gruß,

Silje


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 25.10.2006, 16:35 
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chero hat geschrieben:
Ich habe den Beitrag doch ABSOLUT nicht als Angriff auf den christlichen Glauben aufgefasst. Wie du darauf kommst weiß ich nicht....


Silje hatte von einer Beschimpfung + Verunglimpfung christlicher Texte gesprochen, darauf bezog sich dieser Teil der Antwort. Gebe zu, war vielleicht etwas überspitzt formuliert :oops:

Zitat:
Den Link habe ich ja aufgrund Silje`s Frage dann reingestellt. Ich denke den hast du evt. übersehen.


Dein zweiter post (mit dem Link) kam, als ich noch am schreiben war.....Wenn man den ganzen Artikel liest, hat man nämlich doch den Eindruck, dass der Autor sich schon mit dem Thema auseinander gesetzt hat und eben nicht "arm an Wissen" ist. Und nur darauf wollte ich hinweisen.

LG
mezzo


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 25.10.2006, 16:47 
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Die Texte, auch in den Bach`schen Kantaten, sind, für sich genommen, oft tatsächlich schwülstig und verschroben. Dass es auch in ( vor ) barocker Zeit nicht so sein muss, beweisen Luther oder Grimmelshausen ( Simplizissimus ).
Beim Hören von Bachs Vokalmsik bin ich meist froh, wenn ich den Text nicht verstehe, was insofern schwierig ist, als die Worte ( zu ) oft wiederholt werden!
Wer große Musik auf große Texte liebt, wird irgendwann zwangsläufig beim Kunstlied landen. Goethes, Heines, Mörikes Sprache fasziniert heute wie vor 150 Jahren und die Vertonungen durch Schubert, Schumann, Wolf oder Brahms sowieso. :dafür:
Ciao. Gioachino


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 25.10.2006, 18:53 
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hallo,

ich kann mich ehrlich gesagt, auch wenn ich nur den Auszugtext lese, keinesfalls dem Bedauern über angeblich mangelnde Einfühlung in die alte Textgebung und dergleichen anschliessen und bekenne mich auch dazu, dass diese Texte zumindest was Mehrdeutiges an sich haben. Und was zum Grinsen, gerade die - Vorsicht, flapsiges Zitat! - müssend! prangenden Wangen, die ich auch schon diverse Male besungen habe.

Ich finde es klasse, dass dieses Thema in der Zeitung aufgegriffen wurde. Das Thema ist eine wahre Fundgrube dafür, darüber nachzudenken, was oft die Künstler im Mittelalter bzw. der frühen Neuzeit bewogen hat, solcherlei der Doktrin der Kirchen unterzujubeln und via feierlicher Kirchenmusik unters Volk zu bringen, ohne mit Repressalien rechnen zu müssen. Der Text des "Bereite dich , Zion" ist hoch erotisch und gar nicht so streng kirchlich, wie es vielleicht erwartet wurde.

Mit Abhandlungen, die vor Ehrfurcht über die ach so erhabene Feierlichkeit dieser Texte erstarren, könnte ich gar nichts anfangen. Meine Bewunderung der Ausdruckmittel der alten Musik- und TextmeisterInnen ist dafür umso größer.

Liebe Grüße, dola


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