Lieber giochino,
zum Teil gebe ich dir bez. Bach recht, aber nicht ganz. Meistens verbindet man ja eine Art kühles, mathematisches Musizieren damit und einige, die sich von der kulturellen nordeuropäischen Kopflastigkeit nicht trennen können, meinen, man müsse ihn mit der Rechenmaschine überkontrolliert, eng und klein aufführen. Man hört Bachkantaten ja so oft Knabenchören und -solisten, und damit kann ich auch nix anfangen, das erreicht mich auch nicht.
Ich habe mir das auch mal einreden lassen und als Konsequenz ihn lange aussen vor gelassen, weil das damit verbundene knabenhafte Singen für meine Stimme einer Kastration gleichkommt.
Als ich mal gebeten wirde, in einer Kirche "Bereite dich, Zion " zu singen, war meine erste Probenversion vor der Vorstellung der Dünnfisteligkeit geprägt und ich musste mir sagen lassen (zu Recht), dass man die Unnatürlichkeit spürt. Erst, als ich meine Emotionalität reingelegt habe, waren meine Mitmusiker angetan.
Es ist bei aller Exaktheit dieser Musik sehr wohl Leben drin und sie lässt in gewissem Rahmen auch stimmliche und instrumentale Farbgestaltung - von der Barockmusik keinesfalls unbeleckt ist - zu und berührt dann auch.
Ausserdem hat er auch Musik geschrieben, die richtig losgeht, wie die Toccata und Fuge. Das reißt einen doch voll vom Hocker!!!!
Liebe grüße, dola