Als Wahl-Pariserin oute ich mich jetzt als operetten-liebend.

Für mich bedeutet Operette z.B. Jerome Savary und die Opera-Comique und das sind Erinnerungen an zauberhafte Inszenierungen der Perichole, der Vie Parisienne von Jacques Offenbach, weiterhin Revue-artige Produktionen wie Mistinguett und die 1-Mann-Schau von und mit Savary, in der er sein Künstlerleben seiner Tochter erzählte. Das sind zauberhafte Abende, in denen ich Tränen gelacht habe und beschwingt vor mich hinträllernt (häufig mit meinen Töchtern) gen Metro strebte. In der vergangenen Saison war für mich einer der Höhepunkte „Les Trois Valses“ von Oscar Straus – da bekam man wirklich Lust, auf die Bühne zu stürzen und mitzumachen. Leider ist für Savary die letzte Saison angebrochen und er will sich dann in den Süden zurückziehen … Aber für die noch verbleibende Saison habe ich schon mehrere Plätzchen reserviert….
Operette, das ist für mich auch das Chatelet – La Grande Duchesse de Gerolstein mit einem Plateau, das einer Oper ebenfalls angemessen wäre – allen voran Felicity Lott in der Titelrolle als dusselig-nymphomanische Gross-Herzogin und wundervoll besetzt, zum quietschen komisch, Yann Beuron als Fritz oder auch die Sänger des General Boum etc. Meines Wissens existiert davon ein DVD – ich kann es jedem nur empfehlen. Allerdings muss man wohl recht gut französisch sprechen und auch Kenntnisse in französischer Geschichte haben, um all die Anspielungen wirklich verstehen zu können.
Dank dieser „Renaissance der Operette“ hat sich in den letzten Jahren in Paris eine Truppe namens „Les Brigands“ (übrigens ebenfalls der Titel einer Offenbach-Operette) zusammengefunden, die Operetten aus den 20er Jahren wieder zum Leben erwecken. „Ta Bouche“ war ein ganz grosser Erfolg, die Produktion des letzten Jahres „Toi, c’est moi“ fand ich als Werk weniger interessant, die Umsetzung aber total schön und ich werde sicher in diesem Jahr wieder schauen, was sie aus der Versenkung hervorholen.
Und eine besonders schöne Erinnerung habe ich an „Frou-frou-les-Bains“, eine unbekannte Operette in einem winzigen privaten Theater – früher fuhr man ja aufs Land, zur Kur…. Und nun stellt Euch die Verzweiflung vor, wenn in solch einem Kurort die Quelle versiegt… das mag ja alles keine schwere Kost sein – aber ich habe mich köstlich amüsiert.
Und ich besuche auch immer gerne meine Bekannten, wenn sie in der einen oder anderen Operette auftreten, dadurch habe ich schon zauberhaftes Repertoire entdeckt und ich bin voller Bewunderung für jene, die nicht nur toll singen, sondern auch sprechen und tanzen und spielen können. Nirgends sonst darf man so schön beschwipst spielen…. Tout tourne tourne tourne….
:tanzen Und noch heute passiert es mir, dass ich auf der Autobahn fahre, von weitem den Eiffelturm sehe und denke Paris ! Paris ! Paris ! (das ist der Beginn aus der „Vie Parisienne“)
Wer also Operette kennen und

lieben lernen möchte, der möge sich nach Paris bemühen....
Liebe Grüsse von LaCastafiore