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 Betreff des Beitrags: Wozzeck in Lille
Neuer BeitragVerfasst: 26.01.2007, 09:28 
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Ihr Lieben, ich habe gestern zum ersten Mal in meinem Leben den Wozzeck von Alban Berg gehört und gesehen(eine kurze Oper von 1h45) und bin ziemlich fasziniert von diesem Werk.
Bergs Violinkonzert, lyrische Suite und die Lieder liebe ich sowieso schon seit Langem, aber die Opern sind Neuland für mich.
Die hier aufgeführte Fassung war eine Neuorchestrierung von John Rea für Kammerorchester(21 Musikerstatt über 100) und das gab der Musik eine grosse Transparenz und den Sängern mehr Raum,sich zu entfalten, ohne "brüllen" zu müssen).
Die Handlung ist so deprimierend, dass man aufpassen muss, nciht mit dem Protagonisten der Verzweiflung anheim zu fallen. Nach dem Rossini letzten Samstag in Paris war das schon eine komplette Gegenkur!
Die beiden Hauptdarsteller Wozzeck(Andreas Scheibner) und Marie(Ursula Hesse von den Steinen) waren glücklicherweise Deutsche(der Sprache wegen) und sehr gut. Ich habe mich ernsthaft gefragt, wie man als Sänger fertigbringt, dieses Werk auswendig auf die Szene zu kriegen und seine Einsätze und Intervalle findet ohne jeden helfenden Anhaltspunkt.
Da ich bereits drei der frühen Lieder von Berg und etlcihe Debussy gesungen habe, weiss ich ANSATZWEISE, was es bedeutet, die Tonalität zu verlassen. Das ist ein Abenteuer und eine hervorragende musikalische Schule.
Es gibt ja keine Arien in dem Sinne sondern nur Szenen und Klangteppiche. Mir hat ganz besonders gut das "Gebet" der Marie gefallen, wo sie im Hinblick auf Maria Magdalena um Erbarmen für ihre Sünden bittet und die Szene , wo sie von Wozzeck ermordet wird. Da fand ich die Verbindung von Text und Musik so eindringlich, dass ich wirklich sehr mitgenommen war.
Mein Mann, der ja nicht so aktiv in der Musik lebt wie ich, hat als neutralerer Zuhörer gemeint, dass er musikalisch lange gebraucht hat, um da rein zu kommen und das Ganze ihn aber doch als eindringliches Dokument einer Epoche zwischen den Katastrophen(2 Weltkriege) fasziniert und bewegt.
Das Publikum hier musste ja die frz Übertitel lesen, um folgen zu kônnen, aber die Begeisterung war gross, denn die Aufführung war wirklich musikalisch wie sängerisch von hoher Qualität. :bravo:
Sobald ich nun irgendwo die Lulu in Reichweite entdecke, werde ich mich hineinstürzen!
Eine für mich neue faszinierende Art, Oper zu erleben. :bravo: :dafür:
Canti :hearts:


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