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 Betreff des Beitrags: Jessye Norman in Berlin
BeitragVerfasst: 20.04.2006, 00:04 
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War in der Philharmonie beim Konzert von Jessye Norman. Auf dem Programm standen Lieder von Robert Strauss, Mahler, Schönberg, Berlioz und Ravel.
Mahler ist eh nicht meins und ich finde, da hat sie in der Höhe auch zu sehr zu zaubern versuchte. Bei Strauss hat man dann gemerkt, dass die Höhe nicht mehr so ganz präsent ist. Ich kann es schwer beschreiben, irgendwie fehlte dabei die Brillianz. Schönbergs Brettllieder waren toll, da konnte sie in ihrer immer noch beeindruckenden Mittellage glänzen und die Texte sind wirklich köstlich. Berlioz war auch sehr schön, Ravel muss man wahrscheinlich mögen....
Ihre Bühnenpräsenz ist sehr beeindruckend - die Frau strahlt eine gute Laune und Begeisterung aus.....Dabei hat sich sichtlich Probleme beim Laufen und Stehen.
Zugaben gab es eine ganze Menge u.a. eine Persiflage der Habanera und eine tolle Improvisation zu Summertime. Und ganz zum Schluss hat sie sich ans Klavier gesetzt, sich selbst zu Amazing Grace begleitet und die ganze Philharmonie hat mitgesummt!!!!
Alles in allem ein tolles Konzert - aber so langsam sollte sie ans Aufhören denken.
LG
mezzo


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 20.04.2006, 21:30 
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Hallo mezzo
Ups, sie ist doch gerade mal 60 und m.E. ständig in der Übung. Das ist sehr interessant, dass du meinst sie soll allmählich mal aufhören zu singen.
Werde dazu eine neue Rubrik aufmachen.....finde ich sehr spannend.

Liebe Grüsse

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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 24.04.2006, 10:04 
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Liebe musika,
gerade weil ich ein so großer Fan von Ihr bin komme ich zu diesem Schluss! Wie ich ja schon im anderen Thread geschrieben habe, ist sie immer noch in der Lage phantastisch zu singen - aber man merkt eben jetzt ganz deutlich, was nicht mehr geht. Und es wäre schön, wenn Sie eben nicht am Ende ihrer Karriere nur noch milde belächelt würde (wie der eine oder andere Tenor, der offensichtlich nicht aufhören kann.....)
Und mit 60 denken ja andere Berufsgruppen auch ans Aufhören....
LG
mezzo


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 Betreff des Beitrags: Re: Jessye Norman in Berlin
BeitragVerfasst: 31.10.2007, 10:30 
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Ich kenne den letzten Stand der Stimme von Jessy Norman nicht, finde sie aber irre gut.
Tja das mit dem "aufhören" ist es wohl so eine Sache, wer sagt einem schon wann es Zeit wird?

LG Micha


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 Betreff des Beitrags: Re: Jessye Norman in Berlin
BeitragVerfasst: 31.10.2007, 12:01 
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Es ist ja wohl ein Hammer das mit dem Aufhören an "den einen oder anderen Tenor" zu knüpfen! grmpf
Das betrifft ALLE Künstler. Manche schaffen es, beizeiten aufzuhören, andere nicht. Das hat jedenfalls nix mit Tenören alleine zu tun!!
Bei Frau Caballe kann man auch drüber nachdenken, ob sie aufhören soll / muss, aber bestimmte Literatur singt sie nach wie vor einfach umwerfend und einzigartig gut! Also: NIcht aufhören!!!
Gruß und Kuss, der musencus

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 Betreff des Beitrags: Re: Jessye Norman in Berlin
BeitragVerfasst: 31.10.2007, 23:53 
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hallo,

also ich finde es echt ätzend, wenn bei guten sängerInnen immer wieder verlangt wird, daß sie aufhören sollen, nur weil sie über 60 sind und manches nicht mehr so gut geht wie früher.

natürlich finde ich es auch nicht gut, wenn jemand erwartet, daß man viel geld für eine cd oder ein konzert bezahlt und er/sie gibt dann dinge von sich, die in den ohren weh tun. aber das finde ich auch bei jungen sängern nicht gut.

die beste lösung ist m. e. immer, daß jemand sein repertoire seinen möglichkeiten anpaßt und das in jedem alter. es gibt auch bei jungen sängerInnen schon mal dinge, die einem in den ohren weh tun (und das garnicht mal so selten).

im übrigen erwarte ich nicht, daß jemand mit 60, 70 oder 80 (oder 100 :mrgreen ) noch so klingt wie mit 30 oder 40. das ist ja so als sollten alle leute auch noch mit 80 absolut faltenfrei sein usw.

ich fand es immer schon interessant (auch als ich selbst noch jung war), zu sehen, was manche alten leute noch können und wie toll sie manches noch können (bezogen auf ihr tatsächliches alter und nicht auf frühere leistungen).
und den heutigen jugendwahn (auf ewig jung, faltenfrei usw., am besten ewig teenager) finde ich ziemlich blöde, öde, langweilig (nein, das ist kein neid. ich gehöre von natur aus zu den leuten, die jünger aussehen etc. :n118: ).

im übrigen wird ja niemand gezwungen, sich über 60jährige opernsänger anzuhören. also gibt es ja auch eigentlich keinen grund, zu verlangen, daß jemand aufhört.

liebe grüße
kaja


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 Betreff des Beitrags: Re: Jessye Norman in Berlin
BeitragVerfasst: 01.11.2007, 00:21 
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mag schon sein, daß man heute mit dem medizinischen Fortschritt älter wird, aber wer möchte mit 90 noch am Fließband arbeiten? Und die Lehmann und die Schwarzkopf haben es schließlich auch irgendwann mal bleiben lassen und damit aufgehört; es gibt ja noch viele andere, lohnende Áufgaben im Leben, wie etwa den Unterricht. Früher war es halt üblich, daß man irgendwann mal aufgehört hat.

lg micha


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 Betreff des Beitrags: Re: Jessye Norman in Berlin
BeitragVerfasst: 01.11.2007, 00:47 
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Vielleicht wäre dies die Lösung:

Ab einem Alter XX, vielleicht 60 ? weitermachen, aber bitte so, wie man mal angefangen hat,
unentgeltlich und in kleinem Rahmen.
Sauer ist das Publikum wohl darüber, das eine Erwartungshaltung geweckt wird, die nicht mehr erfüllt werden kann. Im Vorfeld (Werbung!) wird mit alten Fotos, mit alten Erfolgen geworben aber das aktuelle Gesicht und die Stimme zeigen Veränderungen. Wenn ich z.B. die Plattencover von einigen Solisten betrachte, so wird über Jahre hinweg immer ein Foto präsentiert. Beispiel: Rita Streich - ich glaube es gibt nur 1 Foto ! Preise werden kalkuliert, die an alten Erfolgen gemessen werden - Marketing mässig legitim und nachvollziehbar aber auch beim Publikum, beim Konsumenten durchsetzbar ?

Eine Leidenschaft aufzugeben und sich irgendeiner Ruhestands-Beschäftigung hingeben, scheint wohl für einen Künstler schwer, wenn man einmal das Rampenlicht genossen hat. Nicht umsonst wünschen sich viele Künstler auf der Bühne zu sterben.

LG rugero

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Die Stimme, das für mich vollkommenste Instrument.


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 Betreff des Beitrags: Re: Jessye Norman in Berlin
BeitragVerfasst: 01.11.2007, 04:05 
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rugero hat geschrieben:
Vielleicht wäre dies die Lösung:

Ab einem Alter XX, vielleicht 60 ? weitermachen, aber bitte so, wie man mal angefangen hat,
unentgeltlich und in kleinem Rahmen.

in keinem anderen beruf wird erwartet, daß leute ab 60 unentgeltlich arbeiten wieso sollten sänger das denn machen???


Sauer ist das Publikum wohl darüber, das eine Erwartungshaltung geweckt wird, die nicht mehr erfüllt werden kann. Im Vorfeld (Werbung!) wird mit alten Fotos, mit alten Erfolgen geworben aber das aktuelle Gesicht und die Stimme zeigen Veränderungen.

also wenn das publikum erwartet, daß jemand mit über 60 noch genauso aussieht und die gleiche stimme hat wie mit 30, ist das publikum ziemlich schwachsinnig


Wenn ich z.B. die Plattencover von einigen Solisten betrachte, so wird über Jahre hinweg immer ein Foto präsentiert. Beispiel: Rita Streich - ich glaube es gibt nur 1 Foto !

das cover von rita streich kenn ich nicht, aber die von etlichen anderen opernsängern. da ist immer ein anderes und auch aktuelleres photo drauf. find ich aber auch nicht wichtig, ich kauf die cd ja nicht wegen des photos, sondern wegen des gesangs

Preise werden kalkuliert, die an alten Erfolgen gemessen werden - Marketing mässig legitim und nachvollziehbar aber auch beim Publikum, beim Konsumenten durchsetzbar ?

in unserer marktwirtschaft ist es in allen bereichen üblich, möglichst hohe preise bzw. hohen gewinn zu erzielen, warum sollte das bei sängern anders sein? wenn die cd`s sich mit dem hohen preis nicht verkaufen, werden sie nach einiger zeit billiger, genauso wie auch bei anderen waren üblich.

das einzige, was ich in dem bereich nicht gut finde, sind vermeidbare schlechte leistungen auf cd. und die gibt es nicht nur bei älteren, sondern auch bei jüngeren opernsängern, die manchmal sehr schlampig singen und keineswegs das was in den noten steht (daher sollen meine schüler auch nicht mit einer cd lernen, sondern nach den noten und sich die stücke selbst auf einem instrument vorspielen).
live kann ja bei jedem (und in jedem alter) mal was schiefgehn, aber auf cd könnte man das stück korrigieren bzw. noch mal singen.



Eine Leidenschaft aufzugeben und sich irgendeiner Ruhestands-Beschäftigung hingeben, scheint wohl für einen Künstler schwer, wenn man einmal das Rampenlicht genossen hat.

von adenauer oder vom papst o.ä. wurde nie erwartet, sich einer ruhestands-beschäftigung hinzugeben, dabei hätten sie mit abnehmender hirnleistung wesentlich mehr schaden anrichten können als ein älterer sänger, der lediglich seinem guten ruf schadet, wenn er sein repertoire nicht seinen veränderten möglichkeiten anpaßt.
wieso wird eigentlich heutzutage leuten, die anderen schaden (z.b. rauchern, die sehr oft in gegenwart von kindern und nichtrauchern qualmen, obwohl längst bekannt ist, daß auch passivrauchen schadet oder autofahrern, die zu schnell oder angetrunken fahren und dadurch menschenleben gefährden und oft auch zerstören) mehr toleranz entgegengebracht als älteren sängern, die überhaupt niemandem schaden (es wird niemand gezwungen, sein geld für cd`s oder eintrittskarten auszugeben).


Nicht umsonst wünschen sich viele Künstler auf der Bühne zu sterben.

nicht nur künstler. auch viele politiker, päpste, ärzte usw.

und wieso sind gerade leute, die selbst singen,so besonders intolerant gegenüber älteren sängern? und das vor allem im klass. bereich. neid??
ich hab noch nie erlebt, daß sich die fans von rock, schlagern etc. darüber aufregen, daß die stones, tina turner, udo jürgens etc. noch mit über 60 bzw. über 70 auf den bühnen herumturnen.



liebe grüße
kaja


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 Betreff des Beitrags: Re: Jessye Norman in Berlin
BeitragVerfasst: 01.11.2007, 10:43 
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Freunde, Römer, Landsleute!
Die Diskussison scheint mir ein wenig (typisch deutsch) abzudriften in eine Diskussion, wer wie wann wem was verbieten könnte ... grins Das erinnert mich ein bisschen an eine Freundin von mir, die - aus Angst vor Altersinkontinenz - zu dem Schluss kam, man müsste spätestens ab 50 gesetzl.ich vorgeschrieben bekommen, feuchtigkeitsempfindliche Höschen mit Sprengsatz tragen ... huahuahua
Der Punkt ist doch, dass es manchen Künstlern einfach an gesunder Selbsteinschätzung fehlt. Ob man dieses Fehlen auf einen Mangel in der Ausbildung schieben kann, oder ob es einfach Menschen gibt, die mit ihrer eigenen Einschätzung ein Problem haben, sei dahingestellt.
Aber es ist ja nicht unrichtig, wenn kann Kaja sagt, geh halt ned hin, wenn Dir der Künstler zu alt ist, oder seinen zenith schon zu weit hinter sich hat. Dass die Industrie VERSUCHT, die abgesungenen Künstler auch noch zu verkaufen, ist legitim. Wir als Käufer haben genügend Selbstbewusstsein, das Spielchen mitzumachen oder eben nicht.
Der andere Punkt ist, dass sich die Künstler ihr eigenes möglicherweise vorhandenes Denkmal durch zu langes Singen kaputt machen. Aber daran kann man nicht mal als geneigter Zuhörer etwas ändern. Manche tun es, andere schaffen den Absprung. Das wird so bleiben!
Gruß und Kuss, der hoffentlich altersweise musencus

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 Betreff des Beitrags: Re: Jessye Norman in Berlin
BeitragVerfasst: 01.11.2007, 15:32 
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Ich möchte hier vielleicht einmal sagen, daß mir meine Beiträge hier übers Alter irre peinlich sind, zumal sie mit Jessye Norman nichts zu tun haben, und auch nicht mit irgendwem hier im Forum. Eher mit dem Lauf der Zeit, da nun mal im Leben nichts von Dauer ist, also nichts ewig dauert.
:hund

Lieben Gruß
Micha


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 Betreff des Beitrags: Re: Jessye Norman in Berlin
BeitragVerfasst: 01.11.2007, 16:13 
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Man kann und soll auch niemandem vorschreiben dürfen, wann er/sie grundsätzlich irgendwas aufhören muss (ausser vielleicht individuell abgestimmt, beim Autofahren). Das würde ich mir auch nicht vorschreiben lassen. Gerade beim Singen nicht (womit man genaugenommen, nicht wirklich Schaden anrichtet). Gut ist allerfalls, wenn man vielleicht wirklich gute Freunde und Partner hat, die einen ggf. in allem Wohlwollen auf Notwendigkeiten hinweisen, Dinge zu verändern, was man selbst vielleicht nicht richtig wahrnimmt.

Ich bin aber auch der Meinung, dass das Publikum äußern darf, wenn einem ein Auftritt oder eben auch die Stimme eines Stars gerade nicht gefallen hat. Ein Star soll da genausowenig außen vor sein, wie Feldwaldundwiesen - Sänger/innen. Die Gründe dafür, warum sich ev. eine noch vor einiger Zeit verehrte Stimme zum Schlechteren oder auch für bestimmtes Repertoire nicht mehr leistungsfähig entwickelt hat, können verschiedenartig sein. Krankheit, wenig Üben oder eben Alter. Wann letzteres auf die Stimme geht, ist individuell verschieden, aber es trifft früher oder später eben alle. daher wäre es völlig verfehlt, irgendwelche Zwangsgrenzen zu setzen (wie schon gesagt, so typisch deutsch).

Wenn junge SängerInnen sich im Repertoire vergreifen, finden wir das auch nicht schön zum Anhören. Bei älteren ist es das Gleiche. Die Gründe, warum man vielleicht auch mit nachlassender Kraft weitermacht, sind ebenso unterschiedlich. Sei es mal der Spaß und auch der Verdienst an einer Rolle , die aus dem Sprech- oder Buffobereich ist (Montserrat Caballé und Marhta Mödl haben sowas schon gemacht und das, soviel ich weiß, sehr gut) oder auch, dass man noch Geld braucht für sich im Fall der Pflegebedürftigleit oder für soziale Projekte, für die der Star sich engangiert. In letzterem Fall werden sich die Begünstigten sicher freuen, dass sich die alte Dame/der alte Herr nochmal aufgerafft hat.

LG

dola


Zuletzt geändert von dola am 01.11.2007, 17:11, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Jessye Norman in Berlin
BeitragVerfasst: 01.11.2007, 16:14 
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michaelbzl hat geschrieben:
Ich kenne den letzten Stand der Stimme von Jessy Norman nicht, finde sie aber irre gut.
Tja das mit dem "aufhören" ist es wohl so eine Sache, wer sagt einem schon wann es Zeit wird?

LG Micha


offen sagt es wohl niemand, doch man sollte selber entscheiden, wann es aus ist. Jeder Mensch ist anders, die einen altern sehr schnell und die damit verbundenen Wehwehchen, andere sind fit.
Ich kann es ja nur aus meiner Sicht sagen, ich bin körperlich nicht mehr fit, außerdem habe ich Asthma, da sollte man sich wohl überlegen, ob man seinen Abschied nimmt.

Die Stimme ist nicht mehr so wie sie mal war, doch bevor ich mir sagen lasse oder hinter meinem Rücken höre "die sollte besser aufhören", habe ich so viel Eigenkritik, dass ich von mir aus den Abschied nehme, das habe ich gemacht.

Man kann nicht alle über einen Kamm scheren, doch ich glaube, bei den "Großen" spielt auch Geld eine Rolle. Auch wer nicht mehr die großen Arien singt und nur noch ein kleines Liedchen, ist aber präsent und kassiert, weil das Publikum es so will.

Naja, jeder wie er will. Ich habe mit 64 aufgehört aktiv zu singen, doch das ist ja nicht das Ende meiner musikalischen Laufbahn, es gibt auch in diesem Alter noch Wunderbares zu erleben, besonders wenn es darum geht, den Nachwuchs zu fördern.

Liebe Grüsse

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 Betreff des Beitrags: Re: Jessye Norman in Berlin
BeitragVerfasst: 01.11.2007, 17:21 
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meine lieben!

habe mir soeben alle beiträge durchgelesen - sehr interessant!

ich kann mich mit allem total kaja anschließen.

melancholische grüsse
tulpe


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 Betreff des Beitrags: Re: Jessye Norman in Berlin
BeitragVerfasst: 01.11.2007, 21:20 
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Hallo,
ein sehr interessantes Thema.
Ich finde, jeder, der im Licht der Öffentlichkeit steht, sollte selbst einschätzen (oder sich beraten lassen), wann es gut für ihn/sie ist, sich zurückzuziehen. Hochachtung habe ich vor denjenigen, die sich verabschieden, solange sie noch auf dem Gipfel ihres Könnens sind - ein jeder wird diese Person so in Erinnerung behalten. Peinlich finde ich es aber, wenn jemand gar nicht aufhören kann und die Leute bereits hinter dem Rücken über diese Person lästern.
Mein letzter GL (Tenor) hat mit Ende fünfzig aufgehört öffentlich aufzutreten und sich von da an ganz dem Unterrichten gewidmet. Er vertritt genau die oben beschriebene Ansicht.

Ein persönliches Erlebnis möchte ich an dieser Stelle gerne reflektieren:
Dirigenten, so scheint mir, sind eine Berufsgruppe, die sich in hohem Alter meist noch einer ausgezeichneten Gesundheit und Fitness erfreut. In Köln hatte ich vor Jahren die Gelegenheit im Chor bei Beethovens Missa Solemnis mitzusingen. Der Dirigent war allerdings nicht nur sehr alt, sondern auch sehr "klapprig", so dass seine sehr junge Frau (!) ihm aufs Dirigentenpult helfen musste. Seine Schlagtechnik war nicht mehr präzise, Einsätze konnte man nur erahnen. Auf mich wirkte das Ganze ausgesprochen peinlich und nach der Aufführung der Missa bin ich aus diesem Chor wieder ausgetreten. Das mag grausam sein, das gebe ich zu, aber ich war nicht bereit, mich diesem Dirigenten unterzuordnen. Zumal ich in den Jahren zuvor in München Gelegenheit gehabt hatte, im Chor unter hochkarätigen und tollen Dirigenten zu singen. Diese waren zwar auch nicht mehr jung, aber sie hatten noch so eine "jugendliche Ausstrahlung", dass jedes Chormitglied unweigerlich sein Bestes gab und manche Sopranistin oder Altistin auch ein bischen verliebt war. Schadet nichts, das hat der Qualität der Aufführung nur gut getan.

Liebe Grüße Leonora


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 Betreff des Beitrags: Re: Jessye Norman in Berlin
BeitragVerfasst: 01.11.2007, 23:58 
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Hallo,...ein paar Gedanken auch von mir zu diesem Thema,

mit dem Älterwerden und mit dem Altern geht jeder Mensch verschieden und individuell um.

Ist es denn nicht so, dass jeder Mensch für sich selbst Entscheidungen treffen will; das schliesst auch das Ende oder die Fortdauer seiner Kunst ein.

Ich finde es durchaus legitim, dass mancher Gesangskünstler bis in Betagtenalter singt, wenn es ihm gelingt sein Puplikum zu begeistern oder Faszination auszulösen ist es gut.....wenn es ihm nicht mehr gelingt, dann wird er doch seine Konsequenzen zeihen.

Mir ist vor einigen Wochen ein kurzes Video von Erna Berger aufgefallen, in dem die 80 jährige ein Schubertlied vorträgt.
Dieses Video habe ich mir schon sehr oft angesehen und ich bin fasziniert von der Würde, die es auf mich ausstrahlt.
Diese Würde wünsche ich allen Sangeskünstlern!

Für sich selbst zu entscheiden, wie lange sie/er singt (auch öffentlich) sollte jedem Künstler gestattet sein.

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Liebe Grüße...und:

nur weiter, denn nur weiter ! - Mein treuer Wanderstab.

Manne


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 Betreff des Beitrags: Re: Jessye Norman in Berlin
BeitragVerfasst: 02.11.2007, 02:36 
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rugero hat geschrieben:
Ab einem Alter XX, vielleicht 60 ? weitermachen, aber bitte so, wie man mal angefangen hat,
unentgeltlich und in kleinem Rahmen.

Diesen Eingangssatz habe ich mehr als Ironie gesehen - schade, ist falsch verstanden worden. :bash

Was die anderen Aspekte angeht, so glaube ich schon, dass in diesem Zusammenhang die Frage gestattet ist, wieso Politiker und Päpste immer alt sein müssen, um pflegeleicht zu regieren und zu repräsentieren.
Es wär doch auch mal toll z.B. einen 40 jährigen Papst zu haben.

Ich nehme keinem die Freiheit, aufzutreten und sich einzubringen, solange er will.
Nachdenklich werde ich nur, wenn es peinlich wird und die Person sich im Vergleich zu ihrer vergangenheitlichen Leistung nicht mehr glaubhaft darstellt.

Dies ist somit kein Altersphänomen, sondern eine Frage, ob man die Leistung noch erbringt, die von einem erwartet wird.
Doch, ich gebe zu bedenken und das mag ja auch gut sein, ein Publikum wächst altersmäßig mit dem Künstler den es verehrt und verzeiht halt so manches.

Der Abbau einer körperlichen oder geistigen Leistung wird ja akzeptiert, genauso wie die Leistung gewürdigt wird, die einmal gezeigt wurde und die für diese Person Maßstäbe gesetzt hat.

Ich, der selbst musizierende Sänger, bin selbstkritisch genug und gerade deshalb nicht intolerant. Auch ich werde mir in den nächsten Jahren selber die Frage nach Glaubwürdigkeit und Machbarkeit stellen müssen, sehe aber im ambitionierten Laienspiel hier weniger die Notwendigkeit der Rechtfertigung - aber auch das kann gerne anders gesehen und gewertet werden.

LG rugero

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Zuletzt geändert von rugero am 02.11.2007, 02:54, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Jessye Norman in Berlin
BeitragVerfasst: 02.11.2007, 02:43 
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Lieber rugero!
Was ist denn an der Jugend eines Papstes so toll?? Im übrigen war der Vorgänger vom PapaRatzi ja durchaus nicht alt, als er Papst wurde, wenn ich recht erinnere 57. Was hat man davon außer einem endlois dauernden Pontifikat?!
Gruß und Kuss, der neugierige musencus

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 Betreff des Beitrags: Re: Jessye Norman in Berlin
BeitragVerfasst: 02.11.2007, 03:05 
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Grüß Dich musencusmuc,
ich wollte nur wieder von der Altersfrage ablenken und das junge Lager als Alternative anbieten - mehr nicht.
Ich sehe diese Diskussion über "Alter im Amt" als lockeren Schlagabtausch der Meinungen, nicht aber als Manifest.

LG rugero

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 Betreff des Beitrags: Re: Jessye Norman in Berlin
BeitragVerfasst: 02.11.2007, 21:55 
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... aber die Altersfrage war doch der Ausgangspunkt der Diskussion ...?!?!
Und im übrigen: Wie langweilig wäre das, wenn sich nicht hin und wieder ein Künstler über seine altersbedingten Möglichkeiten hinauswagen würde. Wir hätten ja gar nix mehr zu lästern und das wäre doch wirklich zu schade ... ;-)
Gruß und Kuss, der heute alberne musencus

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