chero hat geschrieben:
sollte man nicht sowieso mal mehr bei den Inszenierungen darauf achten, ob man irgendwelche Menschen damit verletzt und nicht erst wenn es brandaktuell ist?
Wenn Kunst ängstlich darauf bedacht ist, nicht zu verletzen, nicht zu provozieren, nicht zu schockieren, sofort verstanden zu werden, brauchen wir sie nicht mehr.
Es wäre keine Kunst mehr, sondern Dekoration.
Ich empfinde die Absage als unrühmliche Selbstzensur und als Sieg des Terrorismus.
Ob die besagte Inszenierung (unabhängig von der aktuellen Problematik) sinnvoll ist, steht auf einem ganz anderen Blatt.
Ich bin kein großer Opernkenner, also korrigiert mich, wenn es nicht stimmt: die "appen" Köpfe der Religionsstifter sind nicht zwingend im Werk angelegt.
Es drängt sich mir der Verdacht auf, daß sie eher der Selbstinszenierung des Regisseurs dienen...
Dies wäre wohl ein Grund zur Diskussion, aber nicht zur Absetzung aus aktuellem Anlaß.
Nun steckt irgendwo in mir auch eine Realpolitikerin, und die sagt:
was wäre, wenn das Stück gegeben würde, und wenn wirklich etwas passierte? Wenn wir 98 Tote zu beklagen hätten? 20 Kinder dabei?
Viele hätten es vorher gewußt! Viele würde sich fragen: mußte das sein? Viele würde sich wundern, wie man "in diesen Zeiten so etwas machen kann". Vermutlich würden die Köpfe rollen, die jetzt beschlossen haben, daß es in der Oper keine rollenden Köpfe geben soll.
Gruß v. Emmy