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 Betreff des Beitrags: Idomeneo/Berliner Oper
BeitragVerfasst: 26.09.2006, 19:31 
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Hallo,

wie steht ihr denn zu der Entscheidung, daß die Oper "Idomeneo" in Berlin aus aktuellem Anlass abgesagt wurde?

Ist es Eurer Meinung nach total überzogen diese Vorsichtsmaßnahmen durchzuführen, sollte man nicht sowieso mal mehr bei den Inszenierungen darauf achten, ob man irgendwelche Menschen damit verletzt und nicht erst wenn es brandaktuell ist?

Wie seht ihr das?


Viele Grüße
Chero


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 26.09.2006, 20:57 
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Kann mich exilierte, fernsehlose Ignorantin mal jemand aufklären, worum es geht????
Habe nichts gehört oder gelesen..... :?: :oops:
Canti :hearts:


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BeitragVerfasst: 26.09.2006, 21:43 
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Hallo Canti,

habe dir nun einfach mal einen Beitrag aus einer x-beliebigen Zeitung hier aus dem Internet verlinkt. Ich hoffe es klappt :oops:

http://www.fr-aktuell.de/in_und_ausland ... cnt=977278

Wie gesagt, das ist nur ein Beispiel von wohl einigen. Nur damit du etwas Hintergrundwissen hast, was ich meine


Viele Grüße
Chero


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BeitragVerfasst: 26.09.2006, 21:54 
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Hallo chero,
ich sehe es auch so wie du, man sollte sicher die Inszenierungen daraufhin mal überprüfen, was sie für Reaktionen hervorrufen könnten.
Problematisch ist aber, sich hier in ein Korsett zu zwängen und auf alle Verletzlichkeiten achten zu wollen. Dann können wir das Theater, den freien Gedankenaustausch, die Rede vergessen. Du siehst ja, auch hier im kleinen Forum gibt es schon Verletzlichkeiten und der Begriff "fremd" wird direkt negativ besetzt. Einem Kind ist vieles fremd, aber es erobert sich seine Welt und dadurch wird das Fremde begreifbar und wird zum Teil des Neuen.

Liebe Grüße rugero

_________________
Die Stimme, das für mich vollkommenste Instrument.


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 26.09.2006, 22:50 
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Da ich selbst mal einen sehr harten und strapaziösen Kampf um die Ausübung meiner Meinungsfreiheit durzustehen hatte, reagiere ich "allergisch" auf derlei Scheren im Kopf.

M.E ist es bedenklich, dass die Ängste, die hinter der Entscheidung stehen, bereits so um sich greifen. Das Recht auf Freiheit der Meinung und Kunst gehört zu den zivilisatorischen Errungenschaften, für die Generationen von Mitmenschen weltweit oft ihr Leben gelassen haben. Es kann m. E. nicht sein, dass fanatisierte Hohlköpfe und Verblendete mit Gewaltbereitschaft mit dem Ziel, sog. "Gottesstaaten" - und damit meine ich nicht nur eine Couleur - Einfluss auf das nehmen, was in unserer Gesellschaft an Freiheiten erreicht ist.

So wie ich das mitbekommen habe, geht es nicht um Geschmacksfragen, über die man vortrefflich streiten und debattieren und sich auch aufregen kann und auch nicht darum, dass gläubige Christen oder Moslems vielleicht einen Bogen um das Stück machen wollen (was unbenommen bleibt) oder vielleicht auch artikulieren, dass es ihnen missfällt, sondern schlichtweg um Angst vor der Ausübung eines Grundrechts, weil vielleicht Terror droht.

Dem Vorschub zu leisten erachte ich als bedenklich.
grüße,
dola


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BeitragVerfasst: 26.09.2006, 23:22 
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Uneingeschränkte Zustimmung, liebe Dola!

Grundsätzlich (und in zugegebenermaßen unangemessener Kürze) finde ich es entsetzlich, dass wir zunehmend dazu neigen, eigene Errungenschaften in nachgerade vorauseilendem Gehorsam schnellstmöglich über Bord zu werfen. Das Getöse um die Mohammed-Karikaturen gellt mir noch unangenehm aufdringlich in den Ohren - beinahe noch unangenehmer aber war mir die pervertierte political correctness, mit der auf die (ohnehin zweifellos geschürte) Empörung hierzulande reagiert wurde. Letztlich, so schien es, geriet sogar die Pressefreiheit durch einen Akt idiotischer Selbstzensur hier in Deutschland weitestgehend unter die Räder, weil sich kaum eine Zeitung traute, die ursächlichen Zeichnungen abzudrucken.

Manche Reaktionen auf Benedicts Regensburger Äußerungen wiederum haben - pervers genug - letztlich nur demonstriert, dass dem Zitat aus dem 15. Jahrhundert (?) offensichtlich heute noch Gültigkeit innewohnt: mit Gewalt, gar Mord wurden die bewussten Einlassungen des Papstes beantwortet...

Zur Vertiefung empfehle ich Henryk M. Broders "Hurra, wir kapitulieren! Von der Lust am Einknicken"!

_________________
"Die Welt ist eine Bühne, aber das Stück ist schlecht besetzt." [Oscar Wilde]


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BeitragVerfasst: 27.09.2006, 04:35 
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Manchmal ist es doch wirklich besser, nicht alles mitzubekommen...danke trotzdem für die Aufklärung!
Ich kann mich Dola und Steven natürlich nur anschliessen :bravo: und zitiere Brecht: "Wahrlich , wir leben in finsteren Zeiten....."
Neulich habe ich in Italien auf der Piazza der herrlcihen Stadt Ferrara eine überlebensgrosse Statue des christlichen Fanatikers Girolamo Savonarola gesehen. Dieser Mönch und Bussprediger hat in der Hochblüte wunderbarster Kunst im Florenz der Renaissance versucht, die Menschen für ienen Gottesstaat zu mobilisieren und dabei alle Errungenschaften damaliger Kultur als lästerlich und zerstörungswert verdammt. Selbst Künstler wie Botticelli sind sienem Fanatismus erlegen und bevor er schliesslich selbst auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, kam es zur Vernichtung von Kunstwerken, Bücherverbrennungen etc pp.
Allein beim Anblick dieser Statue mit dem stieren Blick und der menschenveachtenden Gestik hat mich das Grauen befallen und môgen seine Motive noch so hehr gewesen sein!Daran muss ich jetzt eben beim Lesen dieser Posts wieder denken.
Hier in Frankreich gab es ja auhc sehr heisse Diskussionen um die "anti-moslemischen" Karrikaturen in den Zeitungen. Das Tragen von Kopftüchern in den Schulen ist hier z.B.verboten, weil es als unzulässige religiöse Beeinflussung der Schüler gilt! Da hier sehr viele Muslime leben, ist das Thema immer aktuell.

Dem Terror sogar schon in vorauseilendem Gehorsam in der Kunst Vorschub leisten, negiert den ureigenen Sinn der Kunst als freien Geistesausdruck.Wer das tut, führt sich selbst ad absurdum. :d_neinnein:
Allerdings will ich das nicht auf diese spezielle Inszenierung bezogen haben, denn ich kenne sie nicht und kann mir durchaus vorstellen, dass Neuenfels die wunderbare Musik des Idomeneo um der Selbstdarstellung willen in den Hintergrund gedrängt hat und es daher vielleicht nicht allzu schade drum ist... :roll: Das ist aber nur eine blinde Vermutung ohne Tatsachenkenntnis. Am Prinzip ändert das gar ncihts.
Und Mozart mit seiner Freigeisterei wäre sicher einverstanden gewesen, gegen Fanatismus und (Selbst-) Zensur einzutreten!
Cantilene :hearts:


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BeitragVerfasst: 27.09.2006, 07:01 
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Die Reaktionen der Oper Berlin entsprechen mal wieder dem typischen Duckmäusertum der Deutschen und ich finde es u.a. ein Unding, daß in dem Zusammenhang nur wieder von den zu befürchtenden Reaktionen der Moslems gesprochen wird. Wer denkt evtl. auch mal an verletzte Gefühle der Christen oder Buddhisten. ?
Abgesehen davon gestehe ich der Kunst viele Freiheiten zu. Sie darf provozieren und sich unbeliebt machen.
Nun aber wieder den Kopf einzuziehen anstatt sich dem offenen Dialog zu stellen widert mich schon fast an.



Gruß,

Silje


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 Betreff des Beitrags: Re: Idomeneo/Berliner Oper
BeitragVerfasst: 27.09.2006, 08:09 
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chero hat geschrieben:
sollte man nicht sowieso mal mehr bei den Inszenierungen darauf achten, ob man irgendwelche Menschen damit verletzt und nicht erst wenn es brandaktuell ist?

Wenn Kunst ängstlich darauf bedacht ist, nicht zu verletzen, nicht zu provozieren, nicht zu schockieren, sofort verstanden zu werden, brauchen wir sie nicht mehr.
Es wäre keine Kunst mehr, sondern Dekoration.

Ich empfinde die Absage als unrühmliche Selbstzensur und als Sieg des Terrorismus.

Ob die besagte Inszenierung (unabhängig von der aktuellen Problematik) sinnvoll ist, steht auf einem ganz anderen Blatt.
Ich bin kein großer Opernkenner, also korrigiert mich, wenn es nicht stimmt: die "appen" Köpfe der Religionsstifter sind nicht zwingend im Werk angelegt.
Es drängt sich mir der Verdacht auf, daß sie eher der Selbstinszenierung des Regisseurs dienen...
Dies wäre wohl ein Grund zur Diskussion, aber nicht zur Absetzung aus aktuellem Anlaß.

Nun steckt irgendwo in mir auch eine Realpolitikerin, und die sagt:
was wäre, wenn das Stück gegeben würde, und wenn wirklich etwas passierte? Wenn wir 98 Tote zu beklagen hätten? 20 Kinder dabei?
Viele hätten es vorher gewußt! Viele würde sich fragen: mußte das sein? Viele würde sich wundern, wie man "in diesen Zeiten so etwas machen kann". Vermutlich würden die Köpfe rollen, die jetzt beschlossen haben, daß es in der Oper keine rollenden Köpfe geben soll.

Gruß v. Emmy


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BeitragVerfasst: 27.09.2006, 08:28 
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VORSICHT - SATIRE:

Ein Tollstück - mit Volldampf zurück - ins Mittelalter - wo fanatische Eiferer jede Freiheit als Teufelswerk verdammten!

Schuhe aus! Auf die Knie! Ihr dummen Un-Gläubigen! Freiheit ist das, was erlaubt ist!

Oder war das mit der Freiheit, vor allem in der Kunst, etwa anders?

Zensur gehört in die (Papp-)Köpfe!


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 27.09.2006, 08:51 
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Ja sorry, aber dann koennen wir uns doch bald alle zu Hause einsch... und ueberhaupt keinen Fuss mehr vor die Tuere setzen!

Hier in Grossbritannien hat das ja noch ganz andere Dimensionen, hat man ja letztens bei der Flughafenaktion gesehen. Bei allem Verstaendnis fuer den Sicherheitsgedanken und der Uebersensibilisierung aufgrund 09/11:

Wenn man mal richtig dahinter gesehen hat, gab es nicht EINEN stichhaltigen Beweis, dass da wirklich was geplant war. Das ganze Gebaeude war auf einer riesigen Vermutung aufgebaut, noch dazu pro-amerikanische Stimmungsmache und damit nur einem politischen Selbstzweck dienend (kommt im Moment auch sehr gelegen, aber das fuehrte hier zu weit). Ich weiss jetzt nicht, wie die Berichterstattung in Deutschland ausgesehen hat, aber hier war es nicht zum Aushalten. Man haette denken koennen, man kann wirklich nicht mehr vor die Tuer gehen ...

Jetzt moegen auch wieder Leute sagen: "Ja, aber WENN was passiert waere ..." Mir geht das langsam auf die Nerven, genau wie mir dieser permanente Kniefall vor den Moslems auf die Nerven geht. Und ich bin wahrlich weder rassistisch noch religionsfanatisch in irgendeiner Richtung noch sonst irgendwas. Aber mit Verlaub: WAS soll das? In der gesamten westlichen und auch grossen Teilen der oestlichen (damit meine ich jetzt die buddhistischen Laender) Welt wird Angehoerigen der grossen Religionen die Moeglichkeit gegeben, diese auszuueben, und es wird sich peinlich darum bemueht, bloss keine religioesen Gefuehle zu verletzen, und das in letzter Zeit bis ins Groteske (s.o.) Dass es ueberall Idioten gibt, die juedische Friedhoefe schaenden, Moscheen beschmieren oder sonstwie kaputt im Hirn sind, braucht man in dem Zusammenhang nicht zu diskutieren, es geht ums grosse Ganze.
Geht doch mal in den Iran und sagt, ihr wollt dort eine katholische Kirche bauen, da werdet ihr wahrscheinlich direkt erschossen.
Ich weiss, das ist jetzt auch schwarzweiss, aber ich denke, Ihr versteht schon, was ich damit sagen will.

Dieses zauderliche Schwanzeinkneifen wird doch letztlich nur dahin fuehren, dass irgendwann ueber jeden Pups nachgedacht wird und wer sich davon belaestigt fuehlen KOENNTE.

Wer regt sich sich z.B. darueber auf, wenn auf saemtlichen Fernsehprogrammen und sonstwo permanent Homosexuelle verarscht werden? Das ist lustig und politisch korrekt? Warum wird sowas nicht mal verboten? Da greift der Gedanke der Meinungsfreiheit und der Freiheit der "Kunst" (wobei ich das manchmal zu bezweifeln wage) komischerweise immer.

In dem Zusammenhang schoenes Beispiel hier aus Glasgow: Christopher Street Day, die oertliche Feuerwehr sollte Flyer verteilen waehrend der Parade. Zwei Feuerwehrmaenner, beides Katholiken, haben sich geweigert, weil es ihre religioesen Gefuehle verletzt hat. Wisst Ihr, was denen passiert ist? Die sind vom Dienst suspendiert worden wegen Widersetzung gegen die Anordnung ihres Vorgesetzten. Wohlgemerkt: Es ging NICHT um wichtige Dinge wie Wahrung der Sicherheit auf der Parade o.ae., sondern um Verteilung von "pro-schwulen" Flyern. Nun mag man sich drueber streiten, ob die Einstellung dieser Maenner hinterwaeldlerisch ist, auch darueber, was ihre Religion in ihrem Job zu suchen hat (dann wiederum: WARUM muss aber die FEUERWEHR Flyer verteilen???). Aber mal ganz ehrlich: Wenn es deren religioese Gefuehle verletzt als Katholiken, kraeht da kein Hahn nach. Waeren es zwei muslimische Feuerwehrmaenner gewesen, haetten die sofort die gesamte islamische Gemeinde hinter sich gehabt, und wahrscheinlich haette man den CSD abgesagt, weil man ja nicht das Risko eingehen will, dass da irgendwo 'ne Bombe explodiert.

Ich finde das gelinde gesagt zum k***, und dieser vorauseilende Gehorsam muss doch endlich mal aufhoeren! Das ist das alte Prinzip vom kleinen Finger und der ganzen Hand ...

Sorry, aber mich regt das kolossal auf ...


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BeitragVerfasst: 27.09.2006, 09:29 
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Gut gebrüllt LÖWIN ! Du hast meine uneingeschränkte Sympathie!


Ciao :love: Principe


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BeitragVerfasst: 27.09.2006, 09:48 
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Wenn Madonna sich in ihrer Giga-show ans Kreuz schlagen lässt und evtl. dazu noch singt: "When you call my name, it's like a little prayer..." , dann regt sich (zu Recht) höchstens Mal die evangelische Landesbischöfin auf und der Papst gibt einen knappen Kommentar. Doch...wo sind die Christen, die dann auf die Straße gehen, die skandieren: Nieder mit Madonna !! Wo ist die Presse, die sich überschlägt mit Meldungen und Kommentaren und zum Protest aufruft ??? Wo ist dann das Management von Madonna und sie selbst, die dann voller Buße einen Versöhnungsdialog mit den christlichen Kirchen sucht ?? Diese Frau verdient Millionen mit der ätzenden und provokativen Selbstdarstellung ,und in Berlin wird eine Mozartoper abgesetzt, da es angeblich Hinweise zu eventuellen Unmutsäußerungen einiger radikalen Moslems gegeben hat.

Das ist die Doppelmoral, mit der wir heute anscheinden leben müssen.


Silje


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BeitragVerfasst: 27.09.2006, 10:39 
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Ich frage mich seit geraumer Zeit: Wo leben wir eigentlich?

Seit wann müssen wir uns vorschreiben lassen, welche Opern wir aufführen dürfen - sollen - können und welche nicht ? Und das. wo diese z.B. schon seit Jahrhunderten aufgeführt wird und deren Text und Darstellung nicht erst seit gestern bekannt ist.

Mit jedem Schritt den wir zurück machen, geben wir dem Terror nach und somit Raum zur Entfalltung, denn jedes sich Ducken bedeutet für diese Schwachköpfe ein Sieg und die kleinste Drohung reicht um ihren Willen durchzusetzen.

Oh Mann, oh Mann......

Rolando

_________________
Und plötzlich weißt du:
Es ist an der Zeit, etwas Neues zu beginnen, und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen.(Meister Eckhart)


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BeitragVerfasst: 27.09.2006, 10:54 
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Als ich die Meldung gestern hörte, dachte ich, mich trifft der Schlag.
Sind wir denn wirklich schon so weit, dass wir unser Leben nach VERMUTETEN Empfindungen radikaler Gruppen und damit einhergehenden MÖGLICHEN Reaktionen ausrichten?
Dann hat der Terror wahrlich sein Ziel erreicht!

Wie Epo richtig für GB darstellt, beruht die momentan "gefühlte Gefährdung" m.E.nach auch hier auf einer überzogenen, welchen Zweck auch immer verfolgenden Panikmache von Politikern und Polizei. Im Nachgang zu den versuchten Bahnanschlägen konnten man sich ja vor Statements von Politikern und Polizeigrößen gar nicht retten (Was mir angesichts noch laufender Ermittlungen als sehr unprofessionell erschien - aber das nur am Rande...).

Ich lebe hier in Berlin mit täglichen Staatsbesuchen, vielen Demonstrationen, Großveranstaltungen und wahrlich einer Vielzahl von Ethnien. Trotzdem wage ich mich jeden Tag auf die Straße, fahre Bahn und steige in ein Flugzeug, auch wenn "arabisch aussehende Männer mit dunklen Bärten" in der Maschine sitzen.... (das Bild stammt nicht von mir, sondern von einem "besorgten" Reisenden).

Entscheidungen wie die Absetzung einer Operninszenierung zeugen meiner Meinung nach leider von einem (typisch deutschen?) allen Eventualitäten vorbeugenden "Schwanz einkneifen" (@epo: danke für das Schlagwort) das ich nicht akzeptieren kann und will.

mezzo


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BeitragVerfasst: 27.09.2006, 10:59 
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Ich habe ja wirklich eine Menge an französischen Sitten und Gebräuchen zu meckern und bin auch keinesfalls für die radikale Trennung von Kirche und Staat, die hier praktiziert wird,denn die Folgen sind sehr gravierend.
Aber was das "sich nicht von religiösen Fanatikern provozieren lassen" angeht, kann sich das ängstliche , ewig grübelnde und schamhafte Deutschland eine Scheibe abschneiden. :d_neinnein:
Hier werden im öffentlichen Leben tatsächlich alle Religionen gleich behandelt, nâmlich als reine Privatsache . Wer gegen die Meinungsfreiheit in Zeitungen, Satiren, Theater oder Kino zu Felde zieht, hat sofort alle Pariser Intellektuellen gegen sich und die sind wirklich weiterhin eine nicht zu unterschätzende Macht in der öffentlichen Meinungsbildung. Dass die Franzosen die Amerikaner nciht sonderlcih môgen, ist ja ohnehin bekannt.

Karikaturen des Papstes(als Nazi! das hatten wir ja schonmal) werden genauso gedruckt wie Karikaturen von Mohamed und Kopftuchtragen z.B. in Schulen oder Kindergärten ist verboten-auchwenn die ganze Gemeinde sich wehren sollte.
Wer hier leben und arbeiten will, hat zu akzeptieren, dass das kein muslimisches Land ist(und leider auch kein christliches....) und damit basta.
solche Dinge werden mir erst bewusst, seit ich von Deutschland weg bin, das ist sehr interessant zu beobachten.
Ansonsten stimme ich meinen Vorrednern natürlich uneingeschränkt zu-ohne Freiheit des Denkens und damit auhc der Kunst kônnen wir uns zurück in die Sümpfe vergangener Epochen begeben und darin versinken!
Gott bewahre uns davor!(ob er Allah oder wie auhc immer genannt wird.... ;-) )
Canti :hearts:
P.S. Was Silje sagt, finde ich total wichtig! Wenn die Christen sich nicht mobilisieren und für IHRE werte einstehen, werden sie früher oder später von der Gewalt radikler "Kampf-Religionen" überrollt werden. Das ist eine sehr bedrohliche Entwicklung, die uns vielleicht aber positiv gesehen zurück zu den Wurzeln unseres eigenen Glaubens und der abendländischen Kultur bringen kann.


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BeitragVerfasst: 27.09.2006, 11:30 
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Ich konnte die Meldung auch kaum glauben. Wo soll so eine Haltung hinführen? Besonders bedenklich finde ich, dass unterschieden wird zwischen den besonderen Empfindlichkeiten eine bestimmten Gruppe und denen der anderen Leute. Die darf man offenbar fröhlich verletzen (je grösser der Skandal, umso besser, scheint manchmal die Devise), nur bei radikalen Islamisten ist Rücksicht angebracht. Sprich: wer mit Bomben droht, gewinnt.....


Gruss
lucicare


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 27.09.2006, 11:39 
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Allwissender
Allwissender
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Registriert: 22.04.2006, 11:29
Beiträge: 767
Wohnort: Rheinland-Pfalz, 14.11.**
Liebe cantilene,
im Großen und Ganzen kann ich dir zustimmen nur :
es gibt meiner Meinung nach keine "radikalen Kampf-Religionen".
Es gibt nur Menschen, die ihre Religion dazu benutzen, auf andere Macht ausüben zu wollen.

In der heutigen Ausgabe der "Islamischen Zeitung" habe ich dazu gelesen:
Der Islamwissenschaftler Prof. Reinhard Schulze von der Universität Bern sieht im Islam keine Tradition, die Gewaltakte rechtfertigt. Allerdings gebe es im Nahen und Mittleren Osten unter politischen und gesellschaftlichen Gruppierungen «eine wachsende Bereitschaft, den Islam zu benutzen, unter anderem auch, um Gewaltakte zu begründen», erläuterte Schulze in einem dpa-Gespräch. Er wies aber unter anderem vor dem Hintergrund der Proteste gegen Papst Benedikt XVI. darauf hin, dass «in allen monotheistischen Religionen Gewalterfahrungen verbreitet sind». Ein Hauptproblem der Staaten im Nahen und Mittleren Ostens sei es, dass muslimische Theologen in ihren eigenen Ländern wegen der vorherrschenden autokratischen und undemokratischen Strukturen «kein Diskussionsfeld» hätten, sagte Schulze. Der Diskurs habe sich seit Jahrzehnten immer gegen einen äußeren Gegner gerichtet. «Der innerislamische Ideenwettbewerb ist zusammengebrochen», betonte Schulze. In der christlichen Tradition hätten sich die Kirchen «am Gewaltmonopol des Staates abarbeiten können». Sie könnten innenpolitisch Stellung beziehen, ihr Profil schärfen und entwickeln. «Diese Binnenkritik» sei, so Schulze, in islamischen Ländern kaum möglich. ( Ausschnitt )

Da diese Zeitung auch einen Kultur- und einen"Berlin-Teil" hat, bin ich gespannt, wie die Muslime in Deutschland zu dem Absetzen der Oper in der nächsten Ausgabe Stellung nehmen.

Liebe Grüße
Uralt


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 27.09.2006, 12:17 
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Liebe Uralt,

genau so ist es. Und daher bin auch ich der Meinung, anders als cantilene z.B., dass Religion und Politik immer getrennt gehoeren. Und ich bin selbst eine glaeubige Christin, nur deckt sich meine ganz persoenliche Auslegung vielleicht nicht zwangslaeufig mit dem, was meine "Mutterkirche" (naemlich die katholische) mir manchmal weismachen moechte. Das ist aber wieder ein anderes Thema.

Weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart ist meiner Auffassung nach jemals was Vernuenftiges dabei rausgekommen, wenn die Kirche Politik gemacht hat, und die westliche Welt ist heute nicht umsonst mehrheitlich saekular ausgerichtet. Ich will den politischen Klerikalismus jedenfalls NICHT zurueck, und ich kann auch nicht finden, dass es in Staaten, die ihn noch haben, sehr vielversprechend aussieht.
Wobei das natuerlich ein schmaler Grat ist, denn vom Wortstamm her heisst Politik ja nun erstmal nichts anderes als Gemeinschaft oder Gesellschaft, und da gehoert die Kirche natuerlich als Organisation mit rein.

Um den Bogen zurueckzuschlagen: Ich finde schon, dass meine Religion in erster Linie meine Privatsache ist. Das heisst ja nicht, dass ich sie verstecken muss, und das heisst auch nicht, dass ich nicht fuer gewisse Ideale einstehe, die sich im uebrigen in allen Weltreligionen aehneln oder sogar gleich sind. Sich auf diese Werte zu besinnen, ist nichts spezifisch Christliches, sondern ein Gebot der Menschlichkeit. Menschen ihre Religion ausueben zu lassen hat was mit Toleranz zu tun. Das heisst aber noch lange nicht, dass man mit Glaubensfragen Politik machen muss - dazu ist das Gebilde meiner Auffassung nach zu stoeranfaellig, weil zu emotional gepraegt ...


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 27.09.2006, 13:55 
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Ihr sprecht mir aus der Seele - danke !
Allerdings gibt es dabei einen Aspekt, der mich sehr freut : Mit ihrem ( unfreiwilligen ? ) PR - Coup hat die Intendantin der Deutschen Oper, Frau Harms, erreicht, dass nicht nur sie und Herr Neuenfels, sondern auch und ganz besonders Mozart und sein von ihm so heiß geliebter Idomeneo in die Schlagzeilen geraten sind ! Wann hat es das zuletzt gegeben, dass ein Komponist und sein Werk die Titelseiten deutscher Tageszeitungen erobern ?
Ich weiß, in Österreich ist das anders.
Ich unterstelle mal, dass 90 % unserer Bevölkerung jenseits des schulpflichtigen Alters ungefähr wissen, wer Mozart war und was er tat. Von dessen Oper Idomeneo hatten bestimmt 98% noch nie etwas gehört.
Das immerhin dürfte sich seit gestern geändert haben....
Habt Ihr gestern in der ARD vielleicht das Quiz mit Jörg Pilawa gesehen ?
Ein ratendes Pärchen hätte für die korrekte Beantwortung einer Frage
( multiple choice ) 50 000 € ( in Worten : fünfzig Tausend ) bekommen.
Die Frage : Wie nennt man die von Leporello gesungene Arie, in der er die Liebschaften seines Herrn auflistet ?
a ) Zettelarie b) Briefarie c ) Tabellenarie d ) Registerarie
Offenbar hatten die Redakteure bei der Ermittlung des Schwierigkeitsgrades ein gutes Händchen. Beide Probanden einigten sich auf a, womit die exorbitante Summe verloren war !
So viel zum Bildungsstand in puncto E - Musik....
Ich habe mich übrigens schon vor längerer Zeit um eine Teilnahme beworben, wobei " unsere " Musik bei diesem Quiz eine untergeordnete Rolle spielt - kein Wunder.
Ciao. Gioachino


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