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BeitragVerfasst: 27.09.2006, 15:02 
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Gioachino, ich fasse es nicht! Du willst ins Fernsehen, da eine Million gewinnen und die dann Belcanto spenden?????? :dafür: Wir raten alle mit!Jeder hat ja irgendein Spezialgebiet..... :bravo:

Liebe Epo, was die Trennung von Kirche und Staat angeht: meiner Ansicht nach ist das hier in Frankreich viel zu radikal passiert, denn das geht soweit, dass in den Schulen JEDER Religionsunterricht verboten ist. Die Kinder wissen NICHTS mehr von den Wurzeln ihrer Kultur, die ja nunmal unbestreitbar auch stark im christlichen Glauben liegen.(Ausser die Eltern schicken sie eigens in christliche Organisationen.)
Meine Stieftöchter, alle drei studierte junge Damen mit Universitätsabschluss, wussten nicht, was Ostern ist, das muss man sich mal vorstellen! :d_neinnein:
Wenn im Museum oder im Theater oder wo auch immer christliche Motive auftauchen, muss ICH meinem Mann erklären, was die Hintergründe sind und der hat Philosophie studiert! Ein Unding finde ich!
Soweit kommt es dann und DAS kann ich wahrlich nicht gutheissen. :schlaumeier:
In Deutschland scheint mir das dagegen sehr gut gelöst, denn die Kirchen haben eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und können sich zu allen Fragen äussern, aber sie machen keine Politik. sie haben auch Gelder, um z.B. die Kirchenmusik zu fördern, hier in Frankreich kann man davon nur träumen.
Das CHristentum ist dann nur noch was für Eliten und viellicht Fanatiker-auch das ist eine Gefahr! Vom allgemeinen Werteverlust mal ganz zu schweigen. Natürlich will ich keine klerikale Politik, aber das Kind mit dem Bad ausschütten, das kann es nun auch nicht sein!

Liebe Uralt, ich achte die islamiscvhe Kultur und Wissenschaft und sehe durchaus, dass auch die Mehrzahl der Gläubigen nicht gewaltbereit ist.
Auch weiss ich sehr gut, dass politische Macht schon immer die Religion missbraucht hat, von den Päpsten begonnen über zahllose grausame Religionskriege in allen Kulturen.
Aber: der Islam ist für mich trotzdem eine Gewalt-Religion, denn er tut einem grossen Teil der Menschheit Gewalt an: den Frauen!!!!! :d_neinnein:
Selbst nette arabische Patienten meines Mannes, die uns Gewürze schenken und nach Marokko einladen, lassen ihre armen Töchter vor der Verlobung auf Jungfräulichkeit untersuchen und die MÄdchen müssen der Familie des Bräutigams ein Attest vom Arzt zeigen!!!!Und den Bräutigam selbst auszusuchen, ist dann shcon ein seltenes Privileg!

Mâdchen werden gefangengehalten, geschlagen usw usw, wenn sie nicht den Moralvorstellungen des Islam entsprechend sich verhalten-wir erleben das sehr oft in der Praxis!
Von den Auswüchsen mit Ehrenmord und den unförmigen Burka-Frauen mit Augenschlitz mal ganz zu schweigen!
Da sind ja sogar die Hindu-Frauen noch besser dran und dürfen wenigstens in voller Schönheit im Sari spazieren gehen. ;-)
Auch wenn es Gegenbeispiele gibt: mir stellt sich der Islam im täglichen Leben und auch in den Medien als eine Religion dar, die ich in meiner westlichen Denkweise zwar tolerieren, aber nicht mâchtig werden lassen will.
Wahrscheinlich geht es den Muslimen mit George Bushs Mission vom amerikanischen Heilsbringertum unter dem Mantel der Religion nciht viel besser, aber das ändert nichts an meiner Sichtweise. :schlaumeier:
Liebe Grüsse
Cantilene :hearts:


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BeitragVerfasst: 27.09.2006, 15:46 
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cantilene hat geschrieben:
Liebe Uralt, ich achte die islamiscvhe Kultur und Wissenschaft und sehe durchaus, dass auch die Mehrzahl der Gläubigen nicht gewaltbereit ist.
Auch weiss ich sehr gut, dass politische Macht schon immer die Religion missbraucht hat, von den Päpsten begonnen über zahllose grausame Religionskriege in allen Kulturen.
Aber: der Islam ist für mich trotzdem eine Gewalt-Religion, denn er tut einem grossen Teil der Menschheit Gewalt an: den Frauen!!!!! :d_neinnein:
Liebe Grüsse
Cantilene :hearts:


Liebe cantilene,
tut mir leid, wenn ich dir da noch einmal widersprechen muß. Wenn man sich mit der islamischen Religion beschäftigt, kann man fetstellen, dass sie als Religion eine ebenso friedfertige Religion ist, wie die christliche oder jüdische oder andere.
Nicht der Islam, sondern muslimische Männer unterdrücken heutzutage ihre Frauen. Dies geschieht aufgrund ihrer kulturellen Angewohnheiten oder aus Unkenntnis über ihre eigene Religion oder aus Machtbedürfnis oder warum auch immer.
So ist die Verschleierung des Gesichtes im Koran nicht vorgeschrieben.

Alle drei abrahamitischen Religionen ( Judentum/Islam/Christentum) sind friedfertige Religionen - was die Menschen daraus machen steht auf einem anderen Blatt, in allen drei Religionen.

Aber da du ja schon schreibst, dass deine Sichtweise nicht zu ändern ist, laß ich es bei den wenigen Anmerkungen.

Liebe Grüße
Uralt


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BeitragVerfasst: 27.09.2006, 17:59 
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Als Bayerin, die mit der Erfahrung aufgewachsen ist und lebt, dass die Trennung Kirche - Staat nach wie vor nicht vorhanden ist, kann ich jedes Land nur beneiden, das diese Trennung im Rahmen einer funktionierenden Demokratie durchführt. Ich könnte eine Menge Details aus unserem gesellschaftlichen Leben anführen, die verdeutlichen, wie unangenehm, fortschritthemmend und schwierig es sein kann, wenn Leute, die sich irgendwie immer als mit besonderem Draht zu Gott ausgestattet wähnen, politisch zu viel Einfluss haben.

M.E. stellt diese Errungenschaft der Trennung sogar einen Schutz gegen religiös - fanatische Strömungen dar (worunter ich inzwischen nicht mehr nur den Islamismus subsummiere, sondern durchaus auch so manche militante amerikanische Christenbewegung, die sind keinen Fatz besser, wenn auch velleicht noch nicht ganz so mächtig). Wer es verinnerlicht hat, kann sehr frei und intensiv seine jeweilige Transzendenz und persönliche Glaubensumsetzung leben und die Suche nach Gottes Normen mit klarem Kopf angehen. Kirchen würden als moralische Mahner und Stimme derer, die benachteiligt sind, glaubwürdiger, ähnlich den alten Propheten, die den Königen immer wieder mal den Kopf gewaschen haben.

Bietet die französische Schule denn kein Unterrichtsfach mit religiös - phlilosophischen Themen an? kann ich mit gar nicht vorstellen. So etwas, finde ich, sollte es schon geben.

Ich bin selbst gläubig, aber ich verabscheue politische Macht religiöser Institutionen zutiefst und das, denke ich, mit guten historischen und auch zeitgenössischen Gründen. ich verabscheue deshalb auch Verbote kultureller Ergüsse, es sei denn, es verletzt Schutznormen für nicht voll Entscheidungsfähige, z. B. Kinder, irgendwie anderweitig Schutzbefohlene oder ist faschistisch, sprich, darauf gerichtet, Menschen qua Geburt als unwert einzustufen.

So etwas sehe ich im Gebrauch der Symbole in dieser Inszenierung zunächst nicht. Warum sollte ein gläubiger Mensch dadurch beleidigt sein, dass irgendwer sein Symbol anders sieht und einsetzt?

@epo:
in der sache mit diesen Feuerwehrlern bin ich zwiegespalten und auch befangen. Einerseits halte ich auch nicht viel von Disziplinarmaßnahmen in bezug auf Fragen persönlicher Gesinnung, aber die Einstellung dieser beiden Herren ist leider nicht nur hinterwäldlerisch, sondern faschistoid, darauf ausgerichtet, Homosexuelle als Menschen zweiter Klasse anzusehen. Wenn sich die Institution dazu entschließt, mit ihrer Aktion zu verdeutlichen, dass Schwule und Lesben bei ihr willkommen sind, gehört das irgendwie zum europäischen Menschenbild und ist ein Bekenntnis für die Menschenrechte. Dass sie auf die Impertinenz einzelner Mitglieder reagiert und auf Dienstpflicht pocht, kann ich hier wiederum sehr gut nachvollziehen.

Grüße, dola


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BeitragVerfasst: 27.09.2006, 22:35 
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Uralt hat geschrieben:

Liebe cantilene,
tut mir leid, wenn ich dir da noch einmal widersprechen muß. Wenn man sich mit der islamischen Religion beschäftigt, kann man fetstellen, dass sie als Religion eine ebenso friedfertige Religion ist, wie die christliche oder jüdische oder andere.
Nicht der Islam, sondern muslimische Männer unterdrücken heutzutage ihre Frauen. Dies geschieht aufgrund ihrer kulturellen Angewohnheiten oder aus Unkenntnis über ihre eigene Religion oder aus Machtbedürfnis oder warum auch immer.
So ist die Verschleierung des Gesichtes im Koran nicht vorgeschrieben.

Alle drei abrahamitischen Religionen ( Judentum/Islam/Christentum) sind friedfertige Religionen - was die Menschen daraus machen steht auf einem anderen Blatt, in allen drei Religionen.


Diese Aussage kann ich nur voll und ganz unterstützen.

LG
mezzo


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BeitragVerfasst: 27.09.2006, 23:12 
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Schön und gut, liebe Uralt. Aber ebenso, wie man die Bibel unterschiedlich auslegen kann, bis hin zur Leugnung der Evolution ( evangelikale Bewegung, besonders in den USA ), geschieht das gewiss auch mit dem Koran ( Stellung der Frau, Heiliger Krieg, siebzig ( ? ) Jungfrauen im Paradies für den "Märtyrer " usw. ). Ohne eine Epoche der
A u f k l ä r u n g , wie sie Europa beschieden war, werden alle muslemisch geprägten Staaten im gesellschaftspolitischen Mittelalter verharren.

Wer die prekäre Situation der drei Opernhäuser in Berlin kennt, wird nicht umhin können, Frau Kirsten Harms ob ihrer spektakulären Aktion zu beglückwünschen ! Nicht nur alle Zeitungen, nein, auch Funk und Fernsehen reißen sich um sie, die vor einer halben Stunde bei Günther Jauch in stern - tv auf mich einen eher schwachen Eindruck machte.
Das seit dem Weggang von Christian Thielemann kränkelnde Haus an der Bismarckstraße ist in den Schlagzeilen : Zur Wiederaufnahme des Idomeneo
im Dezember ( ? ) haben sich der Bundesinnenminister und alle islamischen Konferenzteilnehmer von heute angesagt!
Wer sagt`s denn ? :welcome:
Ciao. Gioachino


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BeitragVerfasst: 28.09.2006, 05:10 
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Über Religion soll man ja bekanntlich nicht streiten, weil es zu nichts führen kann, aber bevor hier ein falsches Bild entsteht, nochmal:
Ich habe nichts gegen den Islam an sich, habe nichtmal den Koran gelesen und kann von daher kaum mitreden.
Ich erlebe nur seine Auswirkungen in unserer derzeitigen Welt und auf die verzichte ich dankend. :d_neinnein: Aber, liebe Uralt und Mezzo: der Satz von der "Gewalt-Religion" war zu extrem und missverständlich, den nehme ich zurück!
Hâtte ich im 15 JH als Jûdin in Spanien oder als Protestantin in Italien gelebt, würde ich wahrscheinlich genauso über den Katholizismus denken.
Als Muslimin in Gaza ginge es mir ähnlich mit dem Judentum usw.
Will sagen: ich bin ein Kind meiner Zeit,Kultur Erziehung und die sträubt sich nunmal gegen das , was ich an muslimischen Auswüchsen erlebe.
DAS will ich bei uns nciht haben und daher: Wehret den Anfängen!Toleranz hört da auf, wo sie die Freiheit der anderen, sprich insbesondere der Frauen, beschneidet.
Dass das nciht der Islam an sich als philosophisches Gebäude tut, nehme ich gerne zur Kenntnis, und respektiere das.
Es hilft aber in diesem Fall nciht weiter, denn wie Gioachino so treffend sagt: am Grossteil der islamischen Welt ist die Aufklärung inclusive der Deklaration der Menschenrechte leider vorbeigegangen.

Und was die drei abrahamitischen Religionen angeht: allein von diesen Dreien sind alle Religionskriege, Verfolgungen Andersgläubiger, Missionsfeldzüge,heilige Kriege, Kreuzzüge etc ausgegangen-das muss doch einen Grund haben!
Hat man je gehört, dass die Buddhisten oder Hindus dergleichen in diesem Unfang iniziiert haben?
Das Prinzip des EINEN ALLMäCHTIGEN Gottes scheint in unseliger direkter Verbindung zu patriarchalischen Denkstrukturen und Machtmissbrauch zu stehen.

Liebe Dola, als Nicht-Bayrin kann ich da kaum mitreden , denn ich habe in Deutschland die Rolle der Kirchen im gesellschaftlichen Leben eher sehr positiv erlebt, bin allerdings nicht katholisch. ;-)

Es gibt hier an den staatlichen Kindergärten/Schulen wirklich KEINERLEI Religionsunterricht. Alle Äusserungen diesbezüglich sind verboten, Kreuze oder ähnliche Symbole dürfen nirgens aufgehängt werden, Kirchenlieder nicht gesungen, Krippenspiele nicht gemacht werden etc pp. Dafür muss man seine Kinder in Eigeninitiative in einen kirchlichen Unterricht schicken und da hier die Schule bis nachmittags 17 Uhr dauert..... und Sport und Spiel, Musik und Hausaufgaben angesagt sind....und Kinder wenig Lust auf so was Uncooles wie religiöse Erziehung haben....
Mittwoch sollte für solche Aktivitäten ursprünglich mal frei sein, das gilt aber nur noch für die Kleinen, die natürlcih dann auch viel lieber spielen!
Ganz wichtiges Kultur-und Gedankengut und ein Stück spiritueller Identität geht da im Laufe der Generationen immer weiter verloren. Ich finde das katastrophal! Und das hat nicht das Geringste damit zu tun, dass ich eine christliche Staatsreligion einführen will,(Gott bewahre uns vor evangelikalen Auswüchsen à la Amerika!) ich will nur unsere spirituelle Identität nciht verlieren,denn die brauchen die Menschen in einer so materialisierten Welt erst recht! Frankreich ist in meinen Augen bereits ein potentielles "Missionsland" geworden, denn viele(auch hochgebildete) Menschen wissen nichts mehr über die christlichen Wurzeln unserer Kultur.
Und einen persönlcihen Vorteil für Dich solltest Du nicht übersehen:
bei euch werden regelmässig Messen/Oratorien aufgeführt, die auch aus staatlichen Geldern(Kirchensteuer, hier undenkbar!) mitfinanziert werden.
Dort finden viele Sänger in Deutschland ein Einkommen oder wenigstens ein Haupt-Betätigungsfeld, sich zu produzieren. Auch bei uns im Belcanto-Ensemble gibt es etliche davon.
All das gibt es in einem komplett sakularisierten Staat eben auch nicht. :schlaumeier:
Lieben Gruss
Cantilene :hearts:


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BeitragVerfasst: 28.09.2006, 08:34 
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Himmel! 70 Jungfrauen (aber erst!?) im Jenseits! Da ist dann ja aktuell ganz schön Jungfrauen-Konjunktur angesagt - doch, wo sollen die denn alle so schnell herkommen, bei dieser heutigen "Märtyrer"-Explosion?

Wie dem auch sei, ich bin mit meiner einzigen ehemaligen Jungfrau schon ausreichend versorgt.


Ciao ;-) Principe


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BeitragVerfasst: 28.09.2006, 08:58 
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Ich war übrigens gestern in der Deutschen Oper und habe mich nicht im geringsten bedroht gefühlt. War aber auch nicht Idomeneo, sondern "Das Mädchen aus dem Goldenen Westen" (mit einem wunderbaren Jose Cura).

Über die Auslegung von Religionsgrundsätzen kann man sich trefflich streiten, da hat Gioachino recht...
Fundamentalistische Tendenzen werden immer zu beobachten sein, es ist nur die Fragen, ob man sich diesen beugt. Übrigens bekämpfen viele islamische Länder den Fundamentalismus, um nicht den "Anschluss" an die übrige Welt zu verlieren.

Aber zurück zur Absetzung der Oper, die ich jetzt mal versuche fachlich zu bewerten.
Mittlerweile scheint klar zu sein, dass die "Gefährdungswarnung" eine der üblichen "Allgemeinen" war, sprich: Gefährdung nicht auszuschließen. Diese Gefährungsstufe haben sicherlich die meisten Veranstaltungen in Berlin und anderen großen Städten. Das Leben geht trotzdem weiter. Sträflich finde ich allerdings - sofern es tatsächlich so geschehen ist - die Oper mit solch einer Gefährdungsanalyse von Polizeiseite allein zu lassen. Bei nicht täglich mit polizeilichen Angelegenheiten konfrontierten Personen muss so etwas zu Überreaktionen führen.

LG
mezzo


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BeitragVerfasst: 28.09.2006, 09:15 
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Heute früh in der WELT zu lesen: Die Aufführung des Idomeneo soll nun doch wieder auf den Spielplan gesetzt werden und diesmal wollen alle Vertreter islamischer Gruppierungen zusammen mit Schäuble in die Aufführung gehen. Na bitte...auf einmal Friede Freude Eierkuchen !!


Gruß,

Silje


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BeitragVerfasst: 28.09.2006, 10:15 
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Silje hat geschrieben:
Heute früh in der WELT zu lesen: Die Aufführung des Idomeneo soll nun doch wieder auf den Spielplan gesetzt werden und diesmal wollen alle Vertreter islamischer Gruppierungen zusammen mit Schäuble in die Aufführung gehen.

Hallo,

hierzu kann ich nur zitieren, was ich in einem anderen Forum dazu gesagt habe:

"Aber wenn ich auf dem laufenden bin, ist ja alles eh überholt, und unsere Politiker werden einträchtig mit der Islamkonferenz die Aufführung besuchen. Im Dezember. Und nicht im November.
Man ist also einhellig der Meinung, daß es eine lobenswerte Inszenierung ist? Alle sind froh, daß sie jetzt endlich hinkönnen? Hatten vor drei Jahren leider keine Zeit, oder wie?
Das finde ich nun wieder arg übertrieben in die andere Richtung... Meine Forderung wäre Toleranz, aber doch nicht zwangsläufig Akzeptanz!

Wie dem auch sei: die Deutsche Oper ist in aller Munde, die Intendantin der alleinige Sündenbock, dafür kennt ihren Namen jetzt jeder, ebenso wie den des Regisseurs, die Politik konnte knallhart zeigen, daß bei ihr Terror keine Chance hat. Alle freuen sich.

Die Musiklehrer können den Zeigefinger heben, wenn sie 14-jährigen etwas von "Oper" erzählen müssen, und sagen: "Kinners, Oper ist brandaktuell." Keiner wird darüber lachen. Morgen und übermorgen.

Gruß v. Emmy"


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BeitragVerfasst: 28.09.2006, 10:27 
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cantilene hat geschrieben:
Ich habe nichts gegen den Islam an sich, habe nichtmal den Koran gelesen und kann von daher kaum mitreden.
Ich erlebe nur seine Auswirkungen in unserer derzeitigen Welt und auf die verzichte ich dankend.


Schade. Denn der Koran ist wirklich eine interessante Lektuere, und gerade als Christin ist es ungemein interessant zu lesen, wo die Gemeinsamkeiten (die uebrigens in der Ueberzahl sind) und die Unterscheide zu erkennen sind. Davon abgesehen traegt es auch zum kulturellen Verstaendnis bei. Ich finde es immer schwierig, etwas zu kritisieren, ueber dessen Hintergruende ich nur wenig weiss.
Die "Auswirkungen in unserer heutigen Welt" sind mehrheitlich das Werk von Verblendeten und Fundamentalisten. Und natuerlich sollten wir uns umgekehrt auch an die eigene Nase fassen. Vieles, was uns vielleicht respektlos oder frauenfeindlich vorkommt, hat doch auch etwas mit unserer eigenen Tradition, der Weise, wie wir erzogen wurden, zu tun. Man kann sich eben nur schwerlich in andere Kulturen eindenken, weil man die eigene Denkweise fuer die Richtige haelt.
Wohlgemerkt, ich rede jetzt natuerlich nicht von so Auswuechsen wie in Somalia, wo Frauen mehr oder weniger zugenaeht werden oder an ihren Beschneidungen sterben, das ist ganz klar. Beschneidung von Frauen wird aber im Koran NIRGENDS erwahnt. Hier mal ein kleines Zitat aus Wikipedia, dann wird es vielleicht klarer:
"In der Regel wird die Genitalbeschneidung unter Berufung auf einige Hadithe im Islam religiös legitimiert. Hadith bilden neben dem Koran die zweite Quelle islamischer Gesetze. (...) Mohammed hätte dann mit der vorislamischen Tradition nicht brechen wollen, bevorzugte selbst aber deren Unterlassung. (...) Zu diesen Deutungen kommt hinzu, dass der Islam das Recht der Frau auf sexuelle Befriedigung, wenn sie verheiratet ist, ausdrücklich anerkennt. Außerdem ist einer der höchsten Werte der Scharia die „Huma“, die körperliche Unversehrtheit. Daraus lässt sich folgern, dass die weibliche Beschneidung nicht ursprünglich auf den Islam zurückzuführen ist. Gleichwohl begründen einige ihr Vorgehen mit dem Koran, obwohl die Beschneidung von Frauen in diesem nicht erwähnt wird."

Und wie immer, und auch bei der Bibel: Vieles ist ein exegetisches Problem. Es gibt auch vom Koran zahlreiche Uebersetzungen, und je nachdem, wer sie verfasst hat bzw. welcher Stroemung angehoerend, wird auch diese zum Selbstzweck. Kleines Beispiel, gerade interessant in Bezug auf die Frauenfrage, die in einer der Suren sehr ausfuehrlich diskutiert wird. Drei verschiedene Uebersetzungen eines und des selben Koranverses ins Deutsche, eine Version davon sogar nochmal weiteruebersetzt aus dem Englischen:

"Männer sind die Leiter der Angelegenheiten der Frauen, weil Allah die einen den anderen überlegen gemacht hat." (Maududi).
"Die Männer stehen den Frauen in Verantwortung vor, weil Allah die einen vor den anderen ausgezeichnet hat." (Rassoul)
"Die Ehemänner tragen Verantwortung den Ehefrauen gegenüber wegen dem, womit Allah die einen vor den anderen ausgezeichnet hat." (Zaidan)

Letztere wird uebrigens auch von "Unbefangenen" (Sprachwissenschaftlern ohne muslimischen Hintergrund) als richtig angesehen, trotzdem ist es nicht zwangslaeufig die, die sich ueberall durchgesetzt hat (wobei Maududi mittlerweile von den meisten aufgeklaerten Moslems mehr als kritisch betrachtet wird).
Das ist aber ein kulturelles oder traditionelles Problem, nicht ein Problem des Islam. Ich weiss, dass man das nicht Schoenreden kann, die von Dir beschriebenen Auswirkungen sind ja nunmal nicht wegzudiskutieren, aber im Christentum sah es leider leider lange nicht besser aus, wie Du ja selbst bemerkst. Sowas ist einfach eine Entwicklungsfrage. Da der Islam im Vergleich zum Christentum noch eine recht junge Religion ist, wird auch dort wahrscheinlich noch Zeit benoetigt, um zu "reifen". Das Problem ist nur, dass all die verblendeten Idioten leider die Mittel von heute zur Verfuegung haben :roll:

Man sehe sich nur mal die Unterschiede in der Auslegung an, und in der ersten und zweiten Version sogar die Verallgemeinerung zu "Maennern und Frauen", gemeint ist aber wohl eher "Ehemaenner und Ehefrauen". Und jetzt bitte nicht an dem Wort "Auszeichnung" festhalten - es gibt mehrere Stellen im Koran, wo von "Auszeichnung " von Maennern und Frauen geredet wird, und es bedeutet nur, dass Maenner andere Staerken und Schwaechen haben als Frauen, nicht aber, dass sie besser sind. Genau dieses Rausgreifen von Einzelversen, ohne den Koran im Gesamtzusammenhang zu sehen, die vielen Querverweise, die es gibt, fuehren aber auf allen Seiten zu Eigeninterpretationen und Fehldeutungen ...
Das nur als kleines Beispiel, es liesse sich beliebig fortsetzen.

Du hast Recht, ueber Religion kann man nicht wirklich streiten, aber mir lag auch noch mal daran, an dem falschen Bild, was in westlichen Koepfen teilweise herrscht, mal was zurechtzuruecken (wahrscheinlich zwecklos ;-) )

Sorry fuer's Threadzerlabern, aber Religion und Philosophie ist schon seit meinen Teenagerzeiten mein Steckenpferd :oops:


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BeitragVerfasst: 28.09.2006, 11:00 
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Danke Epo für deinen Beitrag.
Noch ein Tipp für alle, die sich mit dem Thema "Islam" nicht nur theoretisch beschäftigen möchten :
Am 3. Oktober ist wie jedes Jahr nicht nur unser Nationalfeiertag, sondern auch der "Tag der offenen Moscheen".
Dort kann man sich sehr gut über den muslimischen Glauben informieren und viele Dinge kennenlernen. Wir haben schon einige Moscheen besucht und immer wieder etwas interessantes neues gefunden. Gerade das Gespräch mit den Imamen hat bei mir vieles gerade gerückt, was ich nicht verstanden hatte.

Liebe Grüße
Uralt


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BeitragVerfasst: 28.09.2006, 18:52 
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Grundsätzlich finde ich es gut, offen für andere Kulturen , Religionen und Weltanschauungen zu sein. Gerade der Buddhismus hat für mich als gläubige Christin viele Glaubenselemente, die mich ansprechen.
Aber ich bin auch der Meinung, bevor man sich nun bemüht , den Koran zu verstehen und die vielfältigen Interpretationen diskutiert, sollte man sich erst mal mit der eigenen Religion auseinandersetzen. Wieviel Halbwissen über Kirche und Glauben trägt jeder von uns mit sich rum ??
Wer von uns kann behaupten, die Bibel /altes und neues Testament , von vorne bis hinten gelesen und verstanden zu haben ??
Wo finden sich evtl. Gemeinsamkeiten der großen Weltreligionen, wo sind sie extrem gegensätzlich ??
Klar...die Glaubensfrage muß jeder mit sich selbst ausmachen und ich weiß von vielen Gesprächen mit Freunden und Menschen, die mir im Beruf begegneten, wieviele offene Fragen es gibt und daß viele nur Negatives mit der christlichen Kirche verbinden.

Ich will hier nicht missionieren, denn auch ich bin manchmal eine große Zweiflerin , aber nun spricht man in den Medien von großer Verständigung mit den Moslems und bemüht sich, die Auslegungen des Korans zu verstehen und dabei hat man sich vielleicht selbst jahrelang nicht mehr mit dem eigenen Glauben auseinandergesetzt...


Einen Tag der offenen Moschee finde ich gut; das sollten sich die evangelische und katholische Kirche abgucken. In den Gemeinden, in denen ich bisher gelebt habe, gabs so was nie.


Gruß,

silje


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BeitragVerfasst: 28.09.2006, 21:35 
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Silje hat geschrieben:
Aber ich bin auch der Meinung, bevor man sich nun bemüht , den Koran zu verstehen und die vielfältigen Interpretationen diskutiert, sollte man sich erst mal mit der eigenen Religion auseinandersetzen.


Stimme ich absolut überein und würde es vielleicht noch ergänzen mit (Herkunfts-) Identität.

Wenn ich weiß, wer ich bin, kann ich in aller Zugewandtheit Menschen anderer kultureller/religiöser Herkunft und ohne Befangenheit fragen: Wie handhabt ihr das und warum bzw. aus welcher Entwicklung heraus? Meine Erfahrung ist, dass die Anworten mit viel Freude darüber, dass man sich für die Kultur z. B. einer Migrantengruppe interessiert, kommen.

Zur Zeit hört man nur noch, dass sich angeblich unbetretbare Parallelgesellschaften gebildet haben. In der Tat, in bestimmten Vierteln oder in Asylheimen erhebt sich die Frage, ob das jetzt wirklich mitten in Deutschland und es ist spürbar, dass Strukturen ablaufen, deren Funktionieren rätselhaft erscheint, aber wenn man hingeht mit der Absicht, sich anzuhören, was diese Leute zu sagen haben, dann ist man dort willkommen.

Man könnte ein Buch schreiben über das, was Musliminnen mit und ohne Kopftuch, mit religiösem oder säkulärem Hintergrund, kosovarische Frauen mit Studium und Familie, türkische Friseur - Azubis, bosnisch - muslimische Großeltern, die vor dem Krieg flüchten mussten, ein 19 jähriger Sohn der türkischen Familie, die bei uns im Amt putzt, und türkische und tunesische Frauen im Frauenhaus (die gehen jedenfalls nicht mehr zu ihren Prügelmännern zurück, egal, ob mit oder ohne Kopftuch) und viele mehr so umtreibt, beschäftigt und bewegt.

Diese Art der Begegnungen im Kleinen von Büger/in zu Bürger/in geschieht öfter als man vielleicht meinen mag, nutr erhält das kaum Unterstützung durch Staat und Gesellschaft. Es ist, denke ich, unser aller Wunsch, dass z. B. die muslimischen Frauen und Mädchen ihre Rechte auch wahrnehmen können und das mit allem Freiraum in Familie, Beruf und Religion, dass die Kinder von MigrantInnen auch in der Realität Fortkommenschancen haben und auch unsere Wertschätzung.

Das hat nichts mit "Mulitkulti - Schönreden" zu tun, es sind Hausufgaben, die alle europäischen Gesellschaften, incl. der Einwanderer selbst, zu erfüllen haben, damit der Einfluss von Haßpredigern islamistischer ( und auch rechtsextremer ) Sorte zurückgedrängt werden kann.
Grüße,
dola


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BeitragVerfasst: 29.09.2006, 08:51 
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dola hat geschrieben:

Wenn ich weiß, wer ich bin, kann ich in aller Zugewandtheit Menschen anderer kultureller/religiöser Herkunft und ohne Befangenheit fragen: Wie handhabt ihr das und warum bzw. aus welcher Entwicklung heraus?


Genau so sehe ich es auch. Ich setze mich ja auch nicht mit anderen Religionen auseinander, weil ich in der eigenen instabil bin (die Zeiten habe ich allerdings auch hinter mir, halte das aber eher fuer bereichernd, weil man in der Zeit naemlich genau die richtigen Fragen stellt).
Ganz im Gegenteil: Verstaendnis und Toleranz Anders- oder Nichtglaeubigen gegenueber betrachte ich als ganz elemanteren Teil meiner eigenen Religion, nur setzt das halt voraus, dasss man auch verstehen will und sich intensiv damit auseinandersetzt. Ich halte ueberhaupt nichts davon, missionarisch das Christentum zu verteidigen und auf den Islam zu schimpfen, wenn ich nicht mal weiss, worum es ueberhaupt geht. Und vielleicht sogar noch, wenn ich ueber die Wurzeln meines eigenen Glaubens im Grunde auch nicht so richtig viel weiss. Manche meinen ja, nur weil sie sonntags in die Kirche rennen und ein paar Kirchenlieder auswendig koennen, sind sie die besseren Christen (echt kein Witz). Hier in GB mache ich gerade die Erfahrung, dass selbst die Spaltung der christlichen Kirchen erschreckende Dimensionen hat, man hat hier als Katholik immer noch einen sehr schweren Stand und wird teilweise sogar oeffentlich angefeindet. Die Protestanten leben ihre Religion hier mit einer unglaublichen Arroganz, mit teilweise wirklich erschreckenden Ausmassen ...

Ich habe mich z.B. erst sehr intensiv mit dem eigenen Glauben auseinandergesetzt (schon in jungen Jahren, da war ich vielleicht gerade 14 oder 15, und im Gegensatz zu den meisten Menschen meines Umfelds hatte ich in dem Alter tatsaechlich schon die Bibel gelesen und GLAUBTE zumindest, sie auch verstanden zu haben). Das hat sich dann mit 18/19 etwas geaendert, vielleicht auch beeinflusst durch den Philosophie-Unterricht. Da schien mir das alles gar nicht konsistent und ich habe sehr gezweifelt.

Die intensive Auseinandersetzung mit anderen Religionen fand aber bei mir erst statt, nachdem ich zu meinen eigenen Wurzeln zurueckgefunden hatte. Ich habe nie nach einer "Ersatzreligion" gesucht, in der Zeit, in der ich noch instabil war. Komischerweise habe ich mal zur Konvertierung zum Buddhismus nachgedacht, als ich gerade an sich sehr stabil im eigenen Glauben war. Das mag sich sehr paradox anhoeren, war aber an einen Auslandsaufenthalt und an die Feststellung gebunden, dass die meisten Menschen sich dort, obwohl sie Buddhisten waren, fuer meinen Begriff wesentlich christlicher verhalten haben als die meisten angeblichen Christen, die ich so kannte, und zwar deutlich wahrnehmbar im Alltag und nicht nur an Weihnachten und Ostern.
Es gab dann aber doch einiges, was mich davon abgehalten hat - nicht zuletzt das Zugehoerigkeitsgefuehl zu meinem eigenen Kulturkreis und das Wissen darum, dass es gar nicht noetig ist, irgendwas zu aendern, da die Glaubengrundsaetze eigentlich in allen Religionen gleich sind, nur sind leider viel zu viele davon abgekommen, wissen zu wenig darueber oder haben sich letztlich anderen "Werten" zugewandt.

Es gilt aber, diese Grundwerte aller Religionen in das taegliche Leben zu integrieren, und das geht nicht, wenn man einen beschraenkten Horizont hat (und das hat nichts mit Intelligenz zu tun!), und es geht auch nicht, wenn man im Glauben aengstlich ist, denn es erfordert Stabilitaet im eigenen Denken und Tun. Und genau darum regt es mich auch auf, wenn ich hoere und sehe, wie Menschen, die diese Grundwerte mit Fuessen treten, auch noch alle Tueren geoeffnet werden.

Womit wir wieder beim Ausgangsthema waeren ...


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BeitragVerfasst: 29.09.2006, 12:11 
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Silje hat geschrieben:
Aber ich bin auch der Meinung, bevor man sich nun bemüht , den Koran zu verstehen und die vielfältigen Interpretationen diskutiert, sollte man sich erst mal mit der eigenen Religion auseinandersetzen.
Gruß,
silje


Ich bin als Kind in einem tätig-christlichen Elternhaus aufgewachsen ( evangelisch). Als Jugendliche hatte ich sehr große Zweifel und habe erst viel später wieder zu meiner Religion gefunden : In einer Partnerschaft mit einem Muslim. In der Auseinandersetzung über die beiden Religionen bin ich mir meiner Wurzeln bewußt geworden und habe nun lange Zeit in einer ökumenischen Basisgruppe neu gelernt. Ich behaupte von mir, dass ich über die christliche Relgion mehr weiß als "in die Kirche gehen" und "Lieder singen". Aber erst durch die Festigung in meiner eigenen Religion konnte ich den Blick über den Tellerrand werfen und mich wirklich positiv auseinandersetzen.
Und - die Beziehung ist nicht gescheitert an der unterschiedlichen Religion, sondern an der unterschiedlichen Lebensweise und den mitgebrachten Traditionen von beiden Partnern.

Liebe Grüße
Uralt


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BeitragVerfasst: 29.09.2006, 15:51 
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Ich habe in einem Fernsehbericht Aufnahmen der umstrittenen Szene gesehen und ich ganz persönlich fand sie abstossend.

Ich halte mich für sehr tolerant und man darf viel gegen meinen Glauben einwenden. Aber ich möchte keinen guillotinierten Christuskopf sehen! Und auch die Häupter der anderen Religionsstifter müssen nicht auf einem Stuhl ausgestellt werden.

Das bedeutet, dass ich diese Inszenierung nicht gut fände, wenn ich die Oper besuchen würde. ABER es grenzt in der Tat an die Schere der Zensur, wenn einige Gruppierungen solchen Druck ausüben, dass Inszenierungen abgesetzt werden.

Was kann man aber dagegen tun? Liegt es nicht vielleicht auch an uns, dass wir so tolerant sind? Anmerkung: Ich finde das durchaus wichtig und würde mir das überall auf der Welt so wünschen, aber wollen wir alle Früchte unserer Toleranz ernten?

Ich habe jedenfalls begonnen, auch deutlich zu sagen, wo meine religiösen Gefühle verletzt werden.

Bei allen Auseinandersetzungen mit anderen Religionen und Ideologien ist mir jedenfalls eine Sache klar geworden. Ich lebe in einem Land, das unglaublich stark geprägt ist vom Christentum. Das kann man nicht leugnen und gerade wer sich mit Kunst beschäftigt, kommt um eine Auseinandersetzung mit dem Christentum nicht herum.

Wunderbare Kunstwerke wurden von Menschen erschaffen, weil sie für den Gott, an den sie persönlich glaubten, unvergängliche Werke schaffen wollten. Viele Kunstwerke wurden von der Kirche in Auftrag gegeben. Aber viele Künstler hatten auch gar keine andere Wahl als für kirchliche Auftraggeber tätig zu sein.

Michelangelo hätte liebend gerne auf die Ausmalung der Sixtina verzichtet - aber gegen einen Papst hatte er keine Chance. Im nachhinein sollte man Julius II. dankbar sein, aber auf der anderen Seite war er ein menschenverachtender Despot.

Alles Ding hat also zwei Seiten. So auch die Geschichte mit der Inszenierung. Mir gefällt der Ansatz nicht - aber mein Kampfgeist ist geweckt und ich finde es unglaublich, dass aus vorauseilendem Gehorsam oder vielleicht eher vorauseilender Panik eine Oper vom Spielplan genommen wird!

Leider können wir Mozart nicht fragen, was er dazu sagen würde. Das wäre für mich ein echtes Kriterium. Wenn er sagen würde: "So nicht!", dann wäre es ein triftiger Grund. Aber dieses Politikum ist kein triftiger Grund.

Ich bin gespannt wie es ausgeht....


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