sopranist hat geschrieben:
Es liegt aber (...) auch am Schubladendenken der Menschheit.
Moment mal: Das wurde denen so anerzogen... - die Typisierung fand auf diese Weise statt und die meisten Kompositionen greifen auf HOCH=HEHR, EDEL zurück;
sopranist hat geschrieben:
Wenn man an jemanden denkt, der gut im Herzen ist, treu und liebevoll und noch singen soll, dann wird es wohl die strahlende Kraft eines Tenors oder eines Sopranes sein, die den Menschen einfällt. Und bei intriganten Figuren denkt man an tiefe, düstere Geschehnisse, Dinge. Perfekt für eine tiefe dunkle Stimme.
... mittlerweile hat sich aber doch auch die Gesellschaft geändert und der Wunsch nach Innigkeit und Wärme sind wesentlich konkreter im Bedürfnis der heutigen Menschen verankert, haben jetzt quasi den Stellenwert des Ätherischen, Reinen, Vergeistigten von zuvor !?
Das Fleischliche Verlangen wird im heutigen Liebesbegriff nicht mehr ausgeklammert und somit sehe ich auch eine steigende Berechtigung, tiefere, voluminösere, "organischere", wärmere Stimmen für Liebespaare zu besetzen!
Mal abgesehen davon ist gerade im deutschen Sprachraum auffällig, dass die Sprechstimmen in der Öffentlichkeit immer tiefer angelegt sind/ausgewählt werden (siehe z.B. Nachrichten im Vergleich zu Britischen Nachrichten); das resultiert aus dem Empfinden, tiefere Stimmen (=erwachsener, =erfahrener?!) strahlten mehr Seriosität aus.
Übertragen auf moderne Oper muss man also fragen: Welche Stimme könnte wahre, aufrichtige, tief empfundene Liebe glaubwürdiger vermitteln als eine tiefe, erdige, ruhige!?
Auf Hörgewohnheiten (der Allgemeinheit) würde ich mich da nicht verlassen - bzw. mich davon nicht einschränken lassen. - Man muss die Figuren überzeugend musikalisch entwickeln, dann passt das schon.
Soviel zu meiner bescheidenen Meinung.
(Und nein - ich bin LEIDER keine solche herrlich warme, saftige, tiefe Stimme. Es handelte sich also nicht um ein eigennütziges Plädoyer!)