Über wohl keinen Komponisten sind so viele Legenden im Umlauf wie über Gioachino Rossini. Die hatnäckigste ist gewiss die von seiner Kochkunst.
Hanseat brachte sie kürzlich hier im Forum ein und wusste sogar von Rezepten zu berichten, die vom Maestro persönlich erfunden worden seien.
Nun war Rossini tatsächlich ein ausgewiesener Feinschmecker und Schlemmer, der in Passy bei Paris als begehrter Gastgeber seiner Salons berühmt gewesen ist. Sein Weinkeller war gut sortiert. In der Küche allerdings sucht man ihn und seine Frau Olympe vergebens, denn er ließ sich alle Leckereien von ausgesuchten Zulieferern schicken, die sich gegenseitig an Qualität überboten, war der Meister doch als Gourmet bestens bekannt und gefürchtet.
Keines der Rezepte, die man heute Rossini zuschreibt, stammt von ihm.
Aber es macht sich gut, wenn man sie einem berühmten Mann zuordnet.
Also : Nix Bocuse !
Die zweite Legende, welche sich hartnäckig hält, ist die vom faulen Komponisten, der nach seinem Guillaume Tell ( 1829 ) fast vier Jahrzehnte , bis zu seinem Tod ( 1868 ), nichts mehr komponiert habe -
als wären das Stabat Mater, die Petite Messe Solennelle, unzählige Klavier- und Liedkompositionen nichts !
Die dritte Mär ist die des Meisters der komischen Oper, was natürlich stimmt, jedoch die genialen Werke der ernsten Gattung unterschlägt.
Dazu hat Beethoven unrühmlich beigetragen, der dem Kollegen, der ihn in Wien besuchte, dazu riet, ausschließlich komische Opern zu schreiben, weil nur das seine Berufung sei. Und Richard Wagner, dem er in Frankreich begegnete, sah dies wohl ähnlich, womit er sich wahrscheinlich den weltberühmten Italiener auf dem Gebiet der Seria vom Hals halten wollte, denn Meyerbeers Konkurrenz war schon schlimm genug für den ehrgeizigen Sachsen !
Ciao. Gioachino
