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 Betreff des Beitrags: Stress im Gesangsunterricht?
BeitragVerfasst: 13.04.2006, 11:24 
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Hallihallo,

ich hab mein "Problem" einmal in dieses Forum gestellt, wobei sich die werten Damen und Herren Gesangslehrer natürlich auch darüber auslassen können.

Die Situation ist folgende: Meine Gesangslehrerin möchte mit ihren Schülern Anfang Mai ein Konzert veranstalten. Ich soll da Cherubino (Non so più), die Gräfin im Briefduett und das "Erbarme Dich" aus der Matthäuspassion singen. Besonders Bach ist ja nun nicht gerade etwas, dass man locker flockig vom Blatt singt (ich tue es zumindest nicht *g*) Es klappt aber trotzdem schon ganz gut, ist aber nach 3 Gesangsstunden halt noch nicht perfekt.

Jetzt setzt mich meine Lehrerin aber schon so unter Druck (bzw. überträgt den Druck, den sie auf sich selbst ausübt, auf ihre Geangsschüler), dass es mir die Freude auf das Konzert schon fast verleidet hat. Ich kann ja verstehen, dass sie ein besonders schönes Konzert machen möchte und wir geben ja auch alle unser Bestes. Nur ist es meiner Meinung nicht hilfreich, wenn sie schon, bevor man den ersten Ton gesungen hat (etws übertrieben ausgedrückt), einem sagt, was man alles falsch macht. Ich habe eigentlich kein Problem, vor Publikum zu singen, bin aber im Gesangsunterricht vor solchen Konzerten immer tierisch nervös, weil ich erwarten muss, dass sie mir bei jedem kleinen Fehler wieder den Kof abreißt.. was nicht gerade zu einer gelösten Stimme führt.
Das Problem habe auch nicht nur ich, andere hat sie mit ihrer Art sogar schon zum Weinen gebracht.

Fachlich halte ich ja recht viel von ihr (sonst wäre ich nicht seit über 5 Jahren da) und sie hat mich stimmlich auch weiter gebracht. Aber so langsam bekomme ich wirklich gravierende Zweifel an ihren didaktischen Fähigkeiten. Es ist auch etwas schwierig, mit ihr zu reden, da sie sehr temperamentvoll ist .. jetzt überlege ich, ob es hilft, einmal "zurück zu schießen" ... vielleicht lasse ich mir einfach zuviel gefallen ..aber ich bin eben nicht der Typ, der gerne laut wird (außer beim Singen ;-))

Eure Meinungen dazu würden mich interessieren

LG

Octaviane


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BeitragVerfasst: 13.04.2006, 12:00 
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Liebe Octaviane,

heikles Thema ...

ich kenne das selbst noch zu gut und habe mich damals auch nicht gewehrt, aber Du kennst meine Story ja. Wenn es dazu führt, dass es einem deswegen mental schlecht geht oder sogar irgendwann die Stimme anfängt, zu leiden (was bei Dir ja gottseidank nicht der Fall ist), muss man dringend die Notbremse ziehen.

Ich würde es aus heutiger Sicht erst einmal diplomatisch versuchen, indem Du ihr genau erklärst, dass sie zuviel Druck aufbaut und warum Du damit Probleme hast. Das kann man ja in einem ruhigen und auch durchaus konstruktiven Gespräch versuchen.

Sollte das nichts bringen, MUSS man eindeutiger werden, so schwer es fällt. Dann würde ich ihr sagen, dass Du Deiner Ausbildung gegenüber bestimmt nicht gleichgültig, kritikfähig und auch leistungsbereit bist, dass Du aber einfach nicht bereit bist, Dich DESTRUKTIVER Kritik zu stellen. Letzten Endes hat das auch Auswirkungen auf Deine Leistungsfähigkeit, und das muss sie bitte akzeptieren.

Sollte das alles nichts nützen, würde ich aus heutiger Sicht ernsthaft über eine Trennung nachdenken.

LG, Epo

P.S.: Wie kannst Du das "Erbarme Dich" singen, ohne dabei in Tränen auszubrechen? Mir geth das immer so nah, da konnte ich noch nie genug innere Distanz zu aufbauen, ganz furchtbar. Und das, obwohl ich eigentlich kein großer Bach-Fan bin ...


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BeitragVerfasst: 13.04.2006, 12:26 
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Hallo oktaviane,

ein Gesangslehrer, der bei Fehlern gleich ungehalten wird, hat meines Erachtens seinen Beruf verfehlt (außer es ist offensichtlich, dass der Schüler einfach nicht übt- da hätte ich dann auch kein Verständnis für).
Fehler sind im Lernprozess normal und der Lehrer sollte einem HELFEN, diese auszubügeln. Kein Schüler ist perfekt - sonst bräucht man ja keine Lehrer :mrgreen: .
Gerade "Erbarme Dich" ist richtig schwer, hat so viele "Stolperstellen" und ist aus meiner Sicht ein echter Prüfstein für jede Sängerin.
Bei dem was Du schilderst, würde ich mit einem furchtbar unguten Gefühl in den Schülerabend gehen - und das kann nicht Sinn der Sache sein. :d_neinnein: Nur wer sich wohlfühlt, kann auch entsprechende Leistung bringen - ist ja nicht anders als im Sport.
Da ist ein klärendes Gespräch wohl dringend notwendig und wenn Deine GL dazu nicht in der Lage ist, frage ich mich, ob Sie einfühlsam genug ist, überhaupt mit Schülern zu arbeiten.
Das mag jetzt ein hartes Urteil sein, aber Singen sollte doch bei allem Anspruch an sich und andere immer noch Spaß machen.

LG
mezzo


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BeitragVerfasst: 13.04.2006, 12:56 
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Liebe Octaviane, ich habe auch einmal ein ähnlichesProblem mit einer Lehrerin gehabt, von der ich mich sehr unter Druck gesetzt fühlte. allerdings in einem anderen sinne als Du, aber die Situation ist durchaus vergleichbar.
In einem Kurs letzten Sommer war es dann so schlimm, dass ich mehr geweint habe als sonst was und am ende des Kurses sollte ein grosses Konzert stattfinden, bei dem die im Kurs gearbeiteten Stücke gesungen werden sollten
Leider war ich dazu psychisch nicht in der Lage, da ich jedes SElbstvertrauen verloren hatte während der woche und habe statt dessen Sachen gesungen, die ich vorher konnte und die nichts mit dem Kurs zu tun hatten. traurig, aber eine gute Lösung.
Leider hatte ich nicht den Mut klar mit ihr zu reden und habe mich einfach dann getrennt. Da sie meine Zweit-Lehrerin war und ich sie nur alle vier Wochen in Paris aufgesucht habe, war es nicht ganz so tragisch, aber in Sachen Atemarbeit war sie absolut genial und das fehlt mir sehr. :sad:
Ich habe ihr einen langen Brief geschrieben und sie hat wunderbar geantwortet, dennoch ist die Trennung im Moment weiter nötig für mich,denn
sie wollte etwas aus mir machen, das ich nicht bin und nicht sein will.
Aber der Briefwechsel mit ihr hat mir sehr viel gegeben und ich werdesicher eines Tages wieder bei ihr vorsingen.Sie ist eine sehr besondere und renommierte Frau. Aber erst wenn sich meinsängerisches Selbst-vertrauen konsolidiert hat und ich weiss, was mein Weg ist.
Manchmal trifft man die richtigen Leute zu früh oder zu spät.
Ich kann und will Dir nichts konkret raten, dazu kenne ich Dich zu wenig und finde das immer sehr verantwortlich.
Aber die Erfahrung, die Andere machen, hilft manchmal auch weiter.
Alles Gute und ganz lieben Gruss! :kuss:
Cantilene :hearts:


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BeitragVerfasst: 14.04.2006, 11:05 
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Hallo ihr,

vielen Dank für eure Ratschläge. Ich werde einmal abwarten, wie die nächsten Stunden laufen (jetzt sind ja erst einmal ohnehin Osterferien) und wenn es wieder so wird wie in den letzten Stunden, werde ich doch einmal versuchen, mit ihr zu reden.

@Epo: Tja, eigentlich kann ich das Erbarme Dich auch nicht ohne zumindest einen Kloß im Hals singen - zumindest, wenn ich es im Stillen Kämmerlein übe- aber dummerweise stresst mich meine GL im Unterricht ja so, dass mein Gefühl eigentlich eher mit entnervtem Frust gleichzusetzen ist.... und dann meint sie noch "Lass dich mehr auf die Musik ein" :roll:

LG

Octaviane


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BeitragVerfasst: 14.04.2006, 11:38 
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Die ergreifendste Variante die ich je gehört habe, ist mit Kathleen Ferrier. Vielleicht nicht ganz perfekt in der Technik, aber das ist da gerademal sch...egal! :d_neinnein: Werde sie heute abend nochmal hören, auch wenn es hier ja keinen Karfreitag gibt. :sad:
Ich hoffe, liebe Octaviane, Du singst uns das mal :dafür: und wir stressen dich ganz sicher nicht! :schlaumeier:
Alles Liebe
Cantilene :hearts:


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