So, nun möchte ich auch hier mal eure Meinungen zu einem Thema hören, dass mich derzeit beschäftigt. Womit wir quasi schon beim Knackpunkt wären - würde mich nicht so viel beschäftigen, wäre vieles einfacher
Je älter (und weiser?) ich werde, desto mehr reift in mir die Erkenntnis, dass ich beim Singen oft über viel zu viele Dinge nachdenke. Was war das früher doch einfach, als ich noch nichts von der Existenz von Foren wusste, in denen man über Gesangstechnik diskutiert ;) Von Stimmfächern hatte ich zwar gehört, bezog das aber nicht wirklich auf mich, sondern sang, was mir lag.
(Rückblickend kann man sich nun fragen, ob ich „schneller“ vorangekommen wäre, wenn ich nicht erst den Umweg über den Mezzo genommen hätte (wobei keiner meiner früheren Lehrer mich ausschließlich Mezzorepertoire hat singen lassen), aber wirklich beantworten wird man das eh nicht können und ich tendiere lieber dazu, die Sache positiv zu sehen und zu sagen, dass auch diese Arbeit mir definitiv was gebracht hat - z. B. eine brauchbare Mittellage. Und natürlich wäre es auch besser gewesen, wenn auch meine früheren Lehrer noch mehr auf technische Feinheiten geachtet hätten)
Dann aber traf ich auf gesang.de und das Drama nahm seinen Lauf. Gut, ich übertreibe ;) Plötzlich fing ich nämlich an, ernsthaft darüber nachzudenken, welches Stimmfach ich nun sein könnte (ihr wisst, dass ich bei diesem Thema gerne mitdiskutiere) und ob ich technisch beim Singen auch wirklich alles richtig mache.
Nun kann man das von zwei Seiten sehen. Natürlich muss man auch über seine Technik nachdenken, ist sie doch ein wichtiger Faktor dafür, dass einem die Stimme auch bei widrigen Umständen „gehorcht“. Ich möchte hier also keinesfalls ein Plädoyer für Singen ohne Technik halten! Aber irgendwann sollte doch die Technik so automatisiert sein, dass ich beim Singen eben nicht mehr darüber nachdenken muss.
Ein Beispiel:
Da wundere ich mich, dass meine Gräfin auf einer Aufnahme zu "gehemmt" klingt, obwohl ich beim Singen gar nicht das Gefühl hatte, eng zu werden. Aber wenn man (gar nicht mal immer bewusst) darüber nachdenkt:
Singe ich kopfig/randstimmig genug, oder benutz ich vielleicht doch zu viel Kraft?
Klinge ich lyrisch genug (=passt das zu Mozart) ?
Andererseits - verkleinere ich meine Stimme nun auch nicht künstlich?
Stütze ich genug/zu viel?
Was macht meine Zunge?
Ist das Vibrato angemessen?
Helle ich zu sehr auf/ dunkle ich ab?
Ach ja – die Haltung darf ich natürlich auch nicht vergessen... und interpretiert will die Arie ja auch irgendwo sein.
… kann das mit dem freien Singen ja nichts werden. Oder: auch meine Multitaskingfähigkeit hat ihre Grenzen.
Jetzt frage ich mich doch, ob es nicht doch besser ist, sich erstmal von all diesem theoretischen Ballast wieder frei zu machen (leichter gesagt als getan) und mich auf ein, zwei Eckpunkte zu konzentrieren (als da wären Haltung und Atem/Stütze). Denn ich habe das Gefühl, wenn diese Bereiche erstmal stimmen, reguliert sich vieles auch von selbst.
Ich freue mich auf eure Erfahrungen und Meinungen
LG
Octaviane
_________________
„Die Verpflegungslage ist für den Kulturmenschen eigentlich das Wichtigste.“
(T. Fontane)
"
Koloratursopran, der: Jemand, der den richtigen Ton nicht findet, aber eine Menge Spaß hat ihm hinterher zu jagen" (Anonym)
http://www.sopranodrama.de