hallo,
als ich (sehr spät) mit dem singen angefangen habe, war ich erst auch in verschiedenen chören. in sehr vielen sogar, da ich es in den meisten nur 1 abend ausgehalten habe. da ich die stücke ja alle nicht kannte (ich hatte vorher nie gesungen, auch allein zuhause nicht), habe ich mich immer mitten in den alt reingesetzt und dachte, wenn ich dann von allen seiten was höre, kann ich eben gleich mitsingen. in vielen chören hab ich von allen seiten etwas anderes gehört, nur von keiner das, was in den noten stand.
ausnahmen waren die guten kirchen- und konzertchöre, da sangen nur wenige schief. meist gab es da auch so etwas wie eine aufnahmeprüfung (allerdings sehr einfach) und es wurde auch nicht vorausgesetzt, daß man die stücke alleine zuhause übt. aber da die bereits im repertoire befindlichen lieder, oratorien, kantaten usw. vor konzerten nicht so lange geprobt wurden wie neue, mußte man es doch zuhause üben, wenn man beim konzert mitmachen wollte.
es wurde bei dem (ziemlich guten) kirchenchor, in dem ich dann längere zeit war, vorher bei den proben, wo nur der alt bzw. sopran etc. probte, auch verlangt, daß man einzelne stellen (immer die schwierigen, vor allem auch die mit hohen tönen im forte oder im piano) allein vorsingt und wer das nicht konnte oder es stimmlich nicht gut klang, durfte bei konzerten oft nicht mitmachen (offiziell war er/sei dann "erkältet").
bei einem kammerchor, bei dem ich nur die aufnahmeprüfung machen wollte, um zu sehen, was ich bei streß (und so eine prüfung war damals für mich enormer streß) schon leisten kann, wurde gleich in der prüfung darauf hingewiesen, daß man 1. vom blatt singen können muß 2. die stücke alle alleine zuhause erarbeiten muß usw. usw. (lauter sachen, die ich damals eigentlich noch nicht konnte, wirklich gut vom blatt singen kann ich heute noch nicht, da ich von anfang an gute reps hatte und es wichtiger fand, alles über stimme, gute stimmtechniken, korrektur von stimmstörungen etc. zu wissen, als musikalische dinge 100 % perfekt zu können -dafür hab ich ja meine reps

: auch für meine schüler).
ich hab die prüfung zwar trotzdem bestanden (hat mich sehr gewundert), bin aber nicht in den chor, weil mir das repertoire nicht so gefallen hat und ich mich auch nicht vor den anderen blamieren wollte (meine leistungen waren damals sehr wackelig, mal gings gut, mal weniger).
statt dessen blieb ich in dem kirchenchor und einem semi-prof. chor mit gemischtem programm (swing, jazz, bißl klassik usw.), der in erster linie musiktheatermäßig auftrat, d.h. es wurden theaterstücke geschrieben, in die die lieder eingebunden waren. da wir viele auftritte hatten und damit gut verdienten, konnten wir uns auch profis leisten, die uns noch was beibrachten. nicht nur einen guten chorleiter, sondern auch schauspieltrainer und für die auftritte profi-musiker, techniker für licht und ton (manche stücke waren mit playback und die soli wurden meist mit mikro gesungen, da die wenigsten gesangsunterricht hatten), choreographen, maskenbildner etc. es hat deutlich mehr spaß gemacht als im kirchenchor und für bühnenpräsenz und schauspiel hab ich auch noch was dazugelernt (hatte vorher schon längere zeit schauspielunterricht gehabt und nach der chorzeit auch noch).
in diesem (sehr kleinen) chor war es schon wichtig, die stücke zuhause zu üben (aber nicht unbedingt erforderlich). allerdings vor allem wegen der menge dessen, was (in teilweise sehr kurzer zeit) auswendig zu lernen war (und das in 8 verschiedenen sprachen). die lieder an sich waren meist rel. einfach (mein eindruck, andere anfänger hatten teils eine andere meinung). wer allerdings soli oder "kleingruppenstücke" (quartett, die lieder waren fast alle im vierstimmigem satz) singen wollte, mußte schon zuhause üben. und es haben sich auch immer mal einige chormitglieder privat getroffen, um zu üben.
meine schüler lernen von anfang an die lieder und arien (zuerst natürlich ganz einfache) alleine zuhause (bis auf die ganz unmusikalischen, denen bringe ich das lernen von liedern erst mal im unterricht bei) und wenn beim klassensingen mal was zu mehreren gesungen wird (rel. einfache 2-3 stimmige lieder), reicht es, das bei der probe mal kurz durchzusingen. schwierige 4 stimmige stücke werden beim klassensingen eigentlich nicht gesungen, dafür gab es für die interessierten schüler mal einen extra workshop, für den ich einen guten chorleiter engagiert hatte und ich hab den stimmbildnerischen teil gemacht und beim chorteil aufgepaßt, daß keiner plötzlich stimmlich danebensäbelt, nur weil er sich wegen der lauten nachbarn nicht mehr so richtig hört (bei anfängern ist das körpergefühl oft noch nicht so gut, daß sie allein damit die stimme steuern können).
wie es heute hier in den chören ist, weiß ich nicht. kurz nach beginn meiner gesangsausbildung hatte ich keine lust mehr, im chor zu singen. ich fühlte mich da zu sehr eingeengt und bevormundet. ich wollte die stücke singen, die mir gefallen und so, wie ich sie singen wollte und auch mit voller stimme usw. und nicht mit angepaßter "chorstimme".

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liebe grüße
kaja