Oper ist fuer mich eine absolut zeitgemaesse Ausdrucksform (was aber wiederum nicht heisst, dass man alles in die heutige Zeit transportieren muss

).
Hinein gehe ich, weil ich die Musik liebe, weil ich beruehrt werden will (passiert zugegebenerweise nicht immer

) und weil das eben ein Stueckweit den Alltag hinter sich lassen ist - genau wie andere Unterhaltungsformen. Ja, Oper ist fuer mich vorrangig Unterhaltung, was bei mir aber keinen negativen Unterton hat. Auch emotional Beruehrendes kann unterhalten (denn sonst wuerde man sich ja langweilen, und Langeweile ist das Gegenteil von Unterhaltung). Und beruehrt werden kann man auf vielfaeltige Weise, es muss nicht nur todernst und traurig sein ...
Der Sinn und Zweck eines Darstellers (so nenne ich es jetzt mal, denn Opernsaenger, Musicaldarsteller, Schauspieler sind alle darstellende Kuenstler, weil sie eben Rollen spielen und nicht als sie selbst auf der Buehne stehen)?
Alle der von Dir geannten. Ich sage ausdruecklich alle, weil es trotz allem auch ein Job ist, und gerade die innere Distanz dazu tut auch manchmal ganz gut, wenn sie auch nicht permanent da sein sollte. Ist aber hilfreich vor allem dort, wo einem das eigene Ego manchmal ein Bein zu stellen droht ...
Man braucht als Darsteller Freude am Spiel, Spass daran, in verschiedene Rollen zu schluepfen. Es ist gerade das Interessante, dass das Publikum ja in aller Regel nicht weiss, wieviel von einem selbst darin steckt. Und das macht auch den guten Darsteller aus: Dass er glaubhaft ist auch dort, wo die Rolle mit ihm NULL zu tun hat. Das erfordert in hohem Masse Abstraktionsvermoegen - wie ich schon mal anderswo sagte, die Faehigkeit, den Gattenmord innerlich eher zu einem Tritt in den Hintern einer nicht so geliebten Person werden zu lassen, OHNE die Emotion dabei nach aussen zu "verkleinern". Ich muss als Darsteller in der Lage sein, Gefuehle abrufen zu koennen und aus Kleinem Grosses oder Grossem Kleines zu machen. Dabei sind sowohl zuviel Naehe wie auch zuviel Distanz abtraeglich. Wobei im Zweifelsfall zuviel Naehe fuer das Publikum anruehrender, fuer den Darsteller auf Dauer aber aeusserst ungesund ist ...