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BeitragVerfasst: 08.02.2008, 09:45 
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Alfredo,
du hast recht. 1769 reiste Leopold Mozart mit seinem Sohn nach Italien. Mozart war nicht nur ein musikalisches Genie, sondern lehrte auch sehr schnell Sprachen, Italienisch, Französisch, Englisch, Latein. Vielleicht nicht immer grammatikalisch richtig, aber doch so gut, dass er die Sprachen verstand und fast fehlerfrei schreiben konnte.
Er schreibt am 14.Dezember an die Mutter und Schwester in Salzburg:" Mein herz ist völlig entzücket, aus lauter vergnügen, weil mir auf dieser reise so lustig ist, weil es so warm ist in den wagen, und weil unser gutscher ein galanter kerl ist, welcher, wen es der weg ein bischen zuläst so geschwindt fahrt."
Ein Hauptgrund dieser Reise war, die italienische Sprache besser zu lernen. Vater Leopold verfolgt ganz gezielt einen pädagogischen Auftrag, bezüglich der Lehre und Bildung, seines Sohnes, und Wolfgang ist ein gelehriger Schüler.
Viele Grüße
Joachim


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BeitragVerfasst: 29.10.2008, 17:53 
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Das ist schon manchmal so eine Sache, mit den Übersetzungen:

Del Giordano le rive saluta,
di Sionne le torri atterrate.
O mia Patria, sì bella e perduta!
O membranza sì cara e fatal!

lautet in der üblichen deutschen Übersetzung:

Grüß die heilige Flut uns'res Niles,
grüße Memphis und seinen Sonnentempel!
Teure Heimat, wann seh ich dich wieder,
dich, nach der mich die Sehnsucht verzehrt?

Der Jordan wäre also der Nil und Sion gleich Memphis? Und wieso träumen die Häbräer vom SONNENtempel???

Fakt ist: Die meisten Übersetzungen sind lausig. Es sind ja auch in der Regel keine Übersetzungen im eigentlichen Sinne, sondern - da ja das Metrum zwingend erhalten bleiben muß und wenn möglich auch die Reime – allenfalls Nachdichtungen unter erschwerten Bedingungen. Daß dabei u.U. auch die technische Ausführbarkeit leidet (weil es z.B. nicht unerheblich ist, welche Vokale an welchen Stellen zu singen sind und welche Konsonanten dazwischen liegen) ist dabei nur ein Nebeneffekt.

Jetzt ist es natürlich legitim, zu fragen: „was interessiert mich ein qualitativ noch so guter Originaltext, wenn ich ihn nicht verstehe?“

Auf der anderen Seite ist Oper (gerade Oper!) ein Gesamtkunstwerk, und das nicht erst seit Wagner. Die Basis der Komposition ist das Libretto. Wenn man singt, transportiert man damit einen Text, macht ihn damit verständlicher. Ursprüngliche Formen des Singens überhöhen dazu einfach nur die sowieso schon vorhandene Sprachmelodie (Beispiel: beim Psalmodieren) und den Rhythmus. Genau das machen aber auch alle Komponisten, wenn sie einen Text in eine gut singbare Melodie giessen! Die Sprachmelodie und der Sprachrhythmus wird aber eine andere, wenn ein Text übersetzt wird. Mit anderen Worten: Es geht was verloren, was der Komponist mühsam umgesetzt hat. Und er hat ja eine bestimmte Sprache gewählt! Er hätte ja auch eine andere wählen können!

Beispiel: Die Salomé von Strauss. Als er erfahren hat, daß sein Buch nur eine schlechte deutsche Übersetzung einer noch schlechteren englischen Übersetzung des französischen Originals war, hat er sie noch einmal auf den französischen Text vertont, was für ihn erhebliche Änderungen und Neukompositionsarbeit erforderlich machte. (Diese zweite Fassung hat sich aber nicht mehr durchgesetzt, weil u.a. die erste schon ein „Schlager“ war) Also: wir haben hier einen Komponisten, der sein Werk erheblich ändert, weil er das Buch in einer anderen Sprache verwendet. Aber Mozart, Verdi, Händel et alias wären einfach nur so mit neuem Text zu unterlegen?

Und ist die Nichtverständlichkeit des Textes nicht manchmal auch ein Segen? Ist der Plot der meisten Opern nicht unsäglich doof und an den Haaren herbeigezogen? ,Sind viele musikalische Juwelen unter den Opern nicht einfach nur deswegen völlig unverdient der Vergessenheit anheimgefallen, weil das Buch so schwach war und es jeder verstanden hat? Und ist es nicht ein phantastisches Erlebnis, wenn man in Asien, Südamerika, Norwegen „Va’ pensiero“ mitgrölen kann, und jeder kennt den Text? Könnt Ihr das auf japanisch? Wollt ihr wirklich jedesmal den Text neu einstudieren, wenn ihr in St. Petersburg, Helsinki, Oslo, London, Amsterdam, Berlin, Paris, Madrid, Lissabon, Mailand, Athen, Kairo oder Tokyo singt?

Also ich bin für Originalsprache. :dafür:

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Der Sänger singt am Weiher leise, doch singt er etwas leierweise.


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BeitragVerfasst: 30.10.2008, 00:14 
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Hallo,
ich bezweifle, dass hier „Va’ pensiero“ textgetreu gegrölt wird.
Ich kenne "Songs" aus dem kölschen Karneval und weiß, wie viele Text zu einem Basistext spontan neu getextet und umgesetzt werden, nur um der Melodie gerecht zu werden. Hier ist es der Melodiefluß der die Massen anzieht.
Man kann auch eine "Büchse voll Würmern" singen. Der Text ist schnurzpiepe, also darf er auch deutsch sein ?

Ich vertrete auch die Basisforderung, die Originalsprache als Interpret anzustreben.

Was spricht aber dagegen, wenn ich bestrebt bin, dem Zuhörer die Chance zu geben, über seine eigene Sprache und deren Reflektion durchs Hören, eine Möglichkeit zu schaffen, sich dem oft unbekanntem Werk zu nähern.

In den nächsten Schritten kann ja der Weg zur Orginalsprache geöffnet werden.

Aber, was ist, wenn der Zuhörer den Sprachbezug sucht, gerne eine Verdi-Oper verstehen möchte aber leider kein italienisch versteht nur weil er die Musik so toll findet. Darf er dann den Rigoletto nicht in deutscher Fassung hören. Erhält er dadurch wirklich eine falsche Wahrnehmung des Narren ?

LG rugero

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Die Stimme, das für mich vollkommenste Instrument.


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BeitragVerfasst: 30.10.2008, 11:28 
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Nun ja: wie sieht es denn in der Verallgemeinerung aus? Auch Monteverdimadrigale oder Schubertlieder (ok: das trifft uns Deutschsprachige nicht. Aber alle anderen! Und die Umkehrung gilt doch auch?) sind textbasiert. Sollten die dann auch übersetzt werden, um dem Publikum den Zugang zu erleichtern? Lateinische Kirchenmusik? Ganz ehrlich: mir würde das zu weit gehen!

Oder sollten doch nur Operntexte übertragen werden? Wenn es nur die Operntexte sein sollten: warum nur die? Gibt es beim Lied, Madrigal, Motette (von franz. le mot, das Wort!) nicht einen mindestens ebenso großen, wenn nicht gar höheren Textbezug als bei der Oper? Und ist es tatsächlich so, daß der landessprachliche Text den Einstieg in die Welt der Oper erleichtert? Stört sich irgend jemand im Bereich der Rock- und Popmusik an der Verwendung englischer Texte?

Sogar wenn es tatsächlich so ist, daß ein landessprachlicher Text den Zugang erleichtert (als Arbeitshypothese absolut legitim und zulässig!): Gibt es dann nicht vom Barock (Reinhard Keiser!) über Ditterdorf, Mozart, Beethoven, Weber, Wagner (um nur bei den bedeutensten zu bleiben) bis hinein in die Gegenwartsmusik nicht unendlich viel Literatur, bei der Deutsch von Haus aus die Originalsprache ist? Braucht es da wirklich übersetzen Verdi und Puccini? Wie gesagt: das Argument lautet: Zugang schaffen. Kann man den nicht auch über das „eigene“ Repertoire erzeugen?

Ich stell’ nur Fragen!

Viele Grüße
TM Pestoso

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BeitragVerfasst: 30.10.2008, 12:30 
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Hallo TM Pestoso,

ich finde Deine Argumentation schlüssig und unterstelle auch einfach mal, dass derjenige, der sich als "Neuling" für die Oper und - sagen wir - hier speziell die Musik von Verdi oder Puccini, also italienische Oper - wirklich interessiert, auch Zugang über die Originalsprache finden wird (Ausnahmen bestätigen die Regel, jegliche Pauschalisierung sei mir fern), immerhin besteht ja auch die Möglichkeit, sich im Vorfeld über die Handlung zu informieren oder das Libretto zu lesen. Was natürlich eine etwas umfangreichere Auseinandersetzung mit der Materie voraussetzt, ich würde einen Opernanfänger, der "einfach mal hören will, wie so ne ganze Oper klingt", nun auch nicht gerade in Pique Dame im russischen Original (als Beispiel) mitnehmen, sondern in der Tat vielleicht eher zu original deutschsprachigen Opern (hier seien die gute alte Zauberflöte, der Freischütz als Beispiele genannt).

Ich würde dem Publikum aber durchaus auch bei einem Liederabend fremdsprachige Lieder "zumuten", ihm aber nach Möglichkeit eine Orientierungshilfe an die Hand geben, sei es in Form einer kleinen erklärenden Moderation oder einer kurzen Erklärung oder gar Übersetzung im Programmheft. Ich finde es als Zuhörer immer ganz nett, wenn man zwischendurch mal was Nachlesen kann.

Generell bin ich also auch für die Originalsprache, wobei ich da durchaus tolerant bin. Aber meine Einstellung rührt gewiss auch daher, dass ich einfach damit aufgewachsen bin, dass Oper im Original (mit Untertiteln, über deren Nutzen man sicher auch diskutieren kann, mir helfen sie) gespielt wird und als Übersetzerin sicher auch eine Affinität zu Fremdsprachen habe.

(Wobei mir die armen Interpreten, die sich in eine ihnen vollkommen fremde Sprache wie z.b. Ungarisch reinfinden müssen, schon manchmal leid tun)

Letztendlich wird man aber immer Gegner und Befürworter seiner "Methode" finden - der eine im Publikum findet es toll, auch mal was im finnischen Original zu hören (italienisch und französisch werden ja meistens als gängige Opernsprachen von dem zumeist aus interessierten Laien bestehenden Publikum eh toleriert), der andere findet das ganz furchtbar. Ist wohl so wie mit der Frage: Dürfen Frauen Männerlieder und Männer Frauenlieder singen. Letztendlich entscheidet doch wieder der persönliche Geschmack und man muss einfach Glück haben, den Geschmack möglichst vieler zu treffen.

Eine Frage in diesem Zusammenhang: Hat Tschaikovsky das Lied der Mignon eigentlich original russisch komponiert oder ist der deutsche Goethe-Text das eigentliche Original. Ist es hier also angemessener, das Lied auf russisch oder auf deutsch zu singen? Ich denke, beides hat seine Legitimation.

Beste Grüße

Octaviane

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„Die Verpflegungslage ist für den Kulturmenschen eigentlich das Wichtigste.“
(T. Fontane)

"Koloratursopran, der: Jemand, der den richtigen Ton nicht findet, aber eine Menge Spaß hat ihm hinterher zu jagen" (Anonym)

http://www.sopranodrama.de


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BeitragVerfasst: 30.10.2008, 13:02 
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Tolle Beiträge mit hohem Niveau :n110:
Nur eine Frage an TM Pestoso. Du schreibst u.a....."da ja das Metrum zwingend erhalten werden muss und wenn möglich auch die Reime". Ist das wirklich so? Metrum:Vermaß bei gebundener Rede. Also die Anzahl der Takte mit bestimmten Versfüßen in einer Verszeile. Wurden Librettos, früher in einem bestimmten Vermaß geschrieben?
Viele Grüße
Joachim


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BeitragVerfasst: 30.10.2008, 14:05 
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Hallo, Joachim,

die Reime bleiben dabei meist auf der Strecke...
(s. obiges Beispiel aus Nabucco!)

Die Hebungen und Senkungen sollten allerdings weitestgehend denen des Originales entsprechen, denn dem folgt ja auch das Metrum der Komposition. Auch unter der Prämisse prima la musica e poi le parole klingt es auf die Dauer ziemlich dillettantisch, wenn die Hebungen des Textes permanent auf unbetonte Taktteile fallen...

Die Konsequenz ist dann meist auch, daß eine Silbe der Vorlage einer Silbe der Nachdichtung entspricht. (Du kannst ja mal hier ein bisschen stöbern, die Ausgaben sind eigentlich alle zweisprachig original/englisch: http://www.dlib.indiana.edu/variations/scores/scores.html)

in einem gewissen Umfang lassen sich Abweichungen noch ausgleichen. Aber irgendwann holpert es halt. Der Nachdichter ist anders als bei der Übetragung von Theaterstücken, Poesie oder gar Prosa nicht mehr ganz frei, in dem, was er tut. Das hat sicher jeder schon einmal festgestellt, der ein gegebenes Musikstück mit einem (neuen) Text unterlegt hat....

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