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BeitragVerfasst: 18.08.2006, 00:06 
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Was ist los im Land ?
Bestimmen Fernsehshows und Einschaltquoten das Niveau ?

Ein Bariton hat es schwer, er hat nicht die Sahnestücke, die Ohrwürmer.
Er agiert im Stück, im Kern des Geschehens, er ist nur aus der Szene heraus zu begreifen.
Wie geht man konzertant mit dieser Rolle, mit diesem Interpreten um ?
Warum ist er laut, missverständlich und unnahbar ?
Warum werden Stücke konzertant gestrichen, nur weil sie nicht publikumswirksam und effekthaschend sind ?
Sind wir nur der Füllstoff für dramarturgische Ereignisse ?
Ich erwarte Akzeptanz !
Gebt dem Bariton mal die Chance sich zu zeigen, er wartet drauf!

Nachdenkliche Grüße von

rugero

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Die Stimme, das für mich vollkommenste Instrument.


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BeitragVerfasst: 18.08.2006, 02:42 
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Lieber Rugero,
bei mir rennst Du offene Türen ein.
Ich fand von jehr die männlmiche Bariton-Stime viel angenehmer und natürlicher zu hören als einen Tenor.
Das Opern-Rollen-Schema ist leider aus einer jahrhundertelangen Tradition so entstanden und da geht es ja den weiblichen tiefen Stimmen niht viel besser.
Seriöse Liebhaber und Helden waren immer Sopran und Tenor, Bariton und Mezzo dürfen nur Bösewichte und Rivalen sein. Gottseidank gibt es Ausnahmen und als Papageno hast Du ja bereits eine solche aufgespürt: der Publikumsliebling par excellence!
Sei nicht traurig: ich kenne viele Hörer/innen, die so wie ich den Baritonen den Vorzug geben!
Lieben Gruss von der schlafwandelnden Canti :_schlaf:


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BeitragVerfasst: 18.08.2006, 10:35 
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Hallo

schwere Kost kann wunderbar sein, allerdings in einem Konzert, wenn das Publikum nicht weiß um was es geht, finde ich es nicht so toll.

Natürlich sind Baritöne kein Füllmittel, es gibt herrliche Partien die leichter anzuhören sind, man denke nur an Herrmann Prey.

Es kommt immer darauf an, vor welchem Publikum gesungen wird. Wir, die in diesem Jahr auf Mallorca waren, können das beurteilen. Es sind viele alte Herrschaften dort, Einheimische und Touristen. Ihnen schwere Kost vorzusetzen, halte ich nicht für besonders gut. Unbekannte Literatur ist für dieses Publikum nicht wirksam und ich sage es noch einmal, wenn niemand durch das Programm führt.

Eine Szene aus einer Oper herauszuziehen ist im "Normalfalle" kein Problem, wenn die Zuhörer wissen, um was es sich handelt.

Es gibt so wunderschöne Literatur für Bariton und sie sind garantiert kein Füllmittel. Was wäre die Oper "Barbier von Sevilla" ohne den Barbier mit seiner tollen Arie. Um mal einiges hier aufzuzählen:

Heiterkeit und Fröhlichkeit (Wildschütz)
Sonst spielt ich mit Zepter (Zar und Zimmermann)
Oh du mein holder Abendstern (Tannhäuser)
Auf in den Kampf (Carmen)
La ci darem la mano (Don Giovanni)


Auch in der Operette, selbst im Musicalbereich gibt es Literatur für Bariton:

Florenz hat schöne Frauen (Boccaccio)
Her die Hand es muss ja sein (Zigeunerbaron)
Ja das Schreiben und das Lesen (Zigeunerbaron)
Ach ich hab sie ja nur....(Bettelstudent)
So in love (Kiss me Kate)
On the street where you live (My fair Lady)

Sie alle hier aufzuführen, wäre zu viel.

Kein Stück wird konzertant gestrichen, wenn man dem Publikum den Inhalt dieser Arie erklärt, was eben nicht immer machbar ist.

Liebe Grüsse

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musika
belcanto-solisten







Freunde sind wie Engel, die uns auf die Füße helfen, wenn unsere Flügel vergessen haben, wie man fliegt.


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BeitragVerfasst: 18.08.2006, 14:06 
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rugero hat geschrieben:
Was ist los im Land ?
Bestimmen Fernsehshows und Einschaltquoten das Niveau ?

Ein Bariton hat es schwer, er hat nicht die Sahnestücke, die Ohrwürmer.
[...]...
Warum werden Stücke konzertant gestrichen, nur weil sie nicht publikumswirksam und effekthaschend sind ?
[...]
Gebt dem Bariton mal die Chance sich zu zeigen, er wartet drauf!


Hallo rugero,

möglicherweise verstehe ich Deine Frage nicht richtig...
Welches Niveau meinst Du, was haben Einschaltquoten und Baritonsänger damit zu tun?

Das Niveau der Konzerte in unserer Gegend ist recht gut, es gibt immer einmal wieder Ungewöhnliches zu hören, etwas, das nicht jeder kennt und singt.
In unseren eigenen Konzerten versuchen wir oft, allseits Bekanntes, welches "zieht", mit anderem sinnvoll zu kombinieren.

Nur - was hat der Bariton damit zu tun???
Bari-töne sind doch durchaus angesagt, oder nicht?
Quasthoff, Goerne, Fischer-Dieskau, die hört "man" sich doch an?

Ich hab' noch nichts davon gehört, daß viele Leute keine Baritonsänger hören mögen.

Gruß v. Emmy


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BeitragVerfasst: 18.08.2006, 16:04 
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Hallo, rugero,

also: So schlecht steht ihr Baritone mit unterhaltsamem Repertoire auch wieder nicht da. Was soll ich für mein Fach da sagen? ich finde in der Oper schon überhaupt mal nicht massig viel, auch wenn man die 95% "schwere Kost" dazunimmt. Das ist ja wirklich wie archäologisches Graben; wenn auch dieser Berufszweig hin und wieder auf Sensationelles stößt und genauso ging es dir ja auch mit deinem speziellen Fund, dem Flotow - Duett. Das ist zwar nicht übermäßig bekannt, aber es lohnt sich allemal, es bekannter zu machen, denn sowas kommt mindestens genauso an wie alle Sopran/Tenor - Duette rauf und runter!!

Aber die Tendenz ist schon so, wie du sagst, je tiefer, desto ernster, sperriger, unbekannter, aber keineswegs uninteressanter!

:dafür:

Also, mach dir da keine Gedanken, die so trübe sind wie manches Repertoire: Ich wüßte nicht, dass ein Potpurri - Programm, wie wir im Ensemble es meist machen, je unter den exotischen Einsprengseln gelitten hätte.

Liebe Grüße,
dola


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BeitragVerfasst: 18.08.2006, 16:24 
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EmmyNoether hat geschrieben:
Bari-töne sind doch durchaus angesagt, oder nicht?
Quasthoff, Goerne, Fischer-Dieskau, die hört "man" sich doch an?

Ich hab' noch nichts davon gehört, daß viele Leute keine Baritonsänger hören mögen.


Hallo Emmy,
die hier genannten Baritone sind mir ja bekannt.
Es werden halt nicht die wirklichen aktuellen Bariton-Größen der Oper im Fernsehen publik gemacht, sondern immer wieder die gleichen, abgesungenen und hochstilisierten Bässe vorgeführt oder publikumswirksame Tenöre und Soprane. Das Trinklied aus Traviata kann ich schon nicht mehr hören und Gottschalk als Papageno ist eher fraglich. :d_neinnein:

Liebe Grüße rugero

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BeitragVerfasst: 18.08.2006, 17:09 
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Lieber Stimmfachkollege,

das waren halt noch Zeiten, als im TV keine Musiksendung ausgestrahlt wurde ohne Hermann Prey, der immer gekonnt auf der Klaviatur der Medienwirksamkeit zu spielen vermochte. Tempi passati !
Und doch : Ein Thomas Quasthoff oder Thomas Hampson wissen sich optimal in Szene zu setzen. :bravo:
Wenn sich TQ etwas mehr im Hintergrund aufhielte, wäre ich deshalb nicht unglücklich, so sehr stört mich inzwischen seine permanente TV - Präsenz.
Allerdings produzieren Baritone grundsätzlich keinen Kitsch.
UND DAS IST GUT SO ! :bravo:
Ciao. Gioachino


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BeitragVerfasst: 18.08.2006, 17:18 
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cantilene hat geschrieben:
Ich fand von jehr die männlmiche Bariton-Stime viel angenehmer und natürlicher zu hören als einen Tenor.


Hallo Cantilene,
da kann ich Dir bepflichten - auch mich zieht es mehr zu den tieferen Männerstimmen hin, obwohl es ganz wunderbare Sopran-/Tenorduette gibt (Butterfly, La Boheme,..). Ich habe Bekannte, die lassen sich kaum einen Liederabend oder eine Opernauführung entgehen, wenn nur einer der bekannten (und gut aussehenden :roll: ) Baritone singt. Tenöre haben bei ihnen leider keine Chance!!! :d_neinnein:

Liebe Grüße leonora


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BeitragVerfasst: 18.08.2006, 17:39 
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gioachino hat geschrieben:
Allerdings produzieren Baritone grundsätzlich keinen Kitsch.
UND DAS IST GUT SO !


Hallo Gioachino,
da pflichte ich Dir hundertprozentig bei. Trotzdem empfinde ich die heutige Fernsehlandschaft etwas anders. Ich erinnere mich noch gut an die Samstagabendsendungen, in denen man Hermann Prey - meist als Figaro im Barbier von Sevilla - bewundern durfte. Wenn man heute am Samstagabend den Fernseher (ARD und ZDF) anstellt, bekommt man nahezu ausschließlich Stefanie Hertel und Co. angeboten, im Höchstfalle mal Anna Netrebko oder Cecilia Bartoli und einen der bekannten Tenöre. Klar kann ich Thomas Hampson und andere Baritone hören und sehen, aber - so empfinde ich das - meist nur auf 3SAT oder auf ARTE. Was ich meine ist: dem breiten Samstagabendpublikum kann man heutzutage anscheinend solche Gesangsgrößen nicht mehr präsentieren - SEHR SCHADE! :sad:

Liebe Grüße
leonora


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BeitragVerfasst: 18.08.2006, 17:51 
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Mal meine Vorliebe für tiefe mânnliche Stimmen beiseite gelassen:
ist es besser Liebesleid, Verzweiflung und Tod zu produzieren??????
Das können Baritone nâmlich anscheinend am Allerbesten(von Jago bis Don Giovanni gibt es Beispiele ohne Zahl)
Und Kitsch kann manchmal SOOOO schön sein.......

Aber ansonsten habt ihr natürlich Recht! :dafür:
:hearts: Canti


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BeitragVerfasst: 18.08.2006, 20:46 
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Hallo,
ich werde ja bald :oops: vor soviel Baritonapplaus.

Danke für die netten Antworten
rugero

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BeitragVerfasst: 18.08.2006, 23:27 
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Gerade die Escamillo-Arie "Torreador en garde" ist doch ein glänzendes Bravourstück der Baritöner. Auch die anderen von Musika genannten Arien sind doch alle Spitze.

Also, jeder stehe zu sich selbst und zu seiner Stimme/Stimmlage. Für jede Lage gibt es Stücke, die anderen den Neid oder Schweissperlen auf die Stirne treiben. Aber man kann halt nicht alles im Leben haben, sonst wollte doch vielleicht der eine oder andere den Stimmumfang von Ghiaurov über Quasthoff, DiFiDi, Domingo, Caruso, Kraus, Kowalski bis Farinelli besitzen. Gott sei Dank gibt's das nicht - das wäre ja grausam. Man sieht ja, wohin das bei einigen eingebildeten "Stimmwundern" führt (z. B. Rebroff).


Ciao ;-) Principe


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BeitragVerfasst: 19.08.2006, 01:04 
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Hallo principe,
danke für Deine Einschätzung.
Wie wär es mal mit Duetten ?
z.B.: Solenne in quest'ora - La forza del destino (Verdi)
oder: Duett aus La Bohème (Rudolfo/Marcello) ?

Liebe Grüße rugero

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BeitragVerfasst: 19.08.2006, 06:04 
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Ein besonders schönes Mânner-Duett ist auch "Dio nell 'alma infondere" Carlo/Posa aus Don Carlos von Verdi. :dafür: Diese Oper habe ich gerade erst entdeckt und bin total begeistert von dem Libretto, was bei mir eher selten ist.Leider ist für meine derzeitige stimme da rein gar nichts Eigenständiges zu Singen drin :sad:
Gibts einen hohen Mezzo oder jugendlich -dramatischen Sopran, der dieses tolle spanische Schleierlied der Eboli singen kann? Würde zu gerne die lalalas des Pagen dazu machen...... :dafür:
Oder einen Bass-Bariton, der mich zum Weinen bringt mit "Ella giammai m'amo"? Wunderbare Musik ist das!
:hearts: Canti


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BeitragVerfasst: 19.08.2006, 09:15 
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@rugero: und da wären noch die Registerarie und die Champagner-Arie aus Don Giovanni. Keine "leichte Kost" (vor allem nicht für den Sänger) aber sehr bekannt. Und im Don Carlos stirbt Posa mit den schönsten Tönen.....
PS: Ich höre im Zweifelsfall auch lieber einen Bariton als einen Tenor :hearts:

@canti: Don Carlos ist meine absolute Lieblingsoper. Liegt nicht nur an der Musik, sondern auch daran, dass es das einzige Drama von Schiller ist, das ich gerne gelesen habe.
Vielleicht schaffen wir das Schleierlied ja mal zusammen..... :tanzen

LG
mezzo


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BeitragVerfasst: 19.08.2006, 11:09 
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Ja, das geht dann wirklich nach dem Motto : du hast die Arbei und ich das Vergnügen.....lalalalalala :dafür: :tanzen

Ich fand Schiller im Gegensatz zum lebensklugen und toleranteren Goethe immer unerträglich moralinsauer und missionarisch. Soviel hehre Moral und Freundschaft, Entsagung und Opfer war mir nie geheuer. :schlaumeier:
Aber im Don Carlos von Verdi finde ich die Personen so menschlich , dass ich selbst für den König Filippo Mitleid und Sympathie empfinde und seine grosse Arie mich sehr anrührt.
Die Frauen, Elisabetta und Eboli sind ganz starke Figuren und selbst die Intrigen der Eboli kann man noch lieben, denn die Arme ist ja auch einfach nur unglûcklich in Carlo verliebt und dazu als Mâtresse des Königs missbraucht worden.Nicht einer in dieser ganzen Oper ist glûcklich und erfährt erwiderte oder erfüllte Liebe und Verdi hat diese Seelendramen mit der politischen/religiösen Situation aufs Herrlichste verwoben und dass da die Zensur zugeschlagen hat, wundert mich nicht!
Soviel Authentisches und allzeit Aktuelles konnten die Herren nicht zulassen! :d_neinnein:
:hearts: Canti


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