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BeitragVerfasst: 26.06.2008, 16:50 
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Hallo,
nachdem die Lieder von Mozart, recht gut angekommen sind, möchte ich ein neues Thema "Sängerinnen und Sänger im Umfeld von Mozart" starten. Es soll hier um Interpreten gehen, mit denen Mozart in irgendeinerweise zu tun hatte. Es geht mir auch darum, Sängerinnen und Sänger, die viele vielleicht nicht mehr kennen, ins Bewusstsein zurück zu rufen. Über die die Sänger dieser Epoche ist im allgemeinen mehr bekannt als über die Sängerinnen. Dabei ist mir klar, dass selbst wohl nicht alle kennen werde. Deshalb bitte ich jeden um seine Mitarbeit.
Bei den Recherchen ist mir ein interessante Tatsache, vor die Augen getreten. Die meisten Sängerinnen und Sänger, wurden für die damalige Zeit doch recht alt. Das ist erstaunlich und man darf sich fragen , woran das gelegen haben könnte?

-------

bevor ich den ersten Beitrag, zu „Sängerinnen und Sänger im Umfeld von Mozart“ starte, erlaube ich mir eine Vorbemerkung. Da die Artikel zum Teil sehr umfangreich sind, und langer Recherchen bedürfen, wird es gegegentlich erforderlich sein, den Beitrag in zwei Teilen darzustellen.
Ich bitte um euer Verständnis.
Heute möchte ich mit Anna Lucia de Amicis, ital. Sopranistin, 1733 (andere Quellen 1740)-1816 beginnen. Mozart sah die Sängerin 1770 während seiner Italienreise, als er die Oper „Armida abbandonato“ also „ die verlasse Armida“ besuchte. Er schrieb an seine Schwester:“....... Die opera dahier ist von Jomelli ( gemeint ist, Niccolo Jomelli, Opernkomponist und zu seiner Zeit der bedeutenste Vertreter der neapolitanischen Oper, 1714-1774),sie ist schön, aber viel zu gescheid, und zu altväterisch fürs theatro ( gemeint ist das Theatro San Carlo in Neapel), die De amicis singt unvergleichlich, wie auch der aprile ( gemeint ist Giuseppe Aprile), welcher zu Mailand gesungen hat.“
Mozart kannte die de Amicis aus London und war von ihrem stimmlichen Vermögen sehr angetan. Es ist deshalb nur logisch, dass er sie für die erste Giunia, in seiner Oper „Lucio Silla“ KV 135 auswählte. Lucio Silla war ein Auftragwerk für die Eröffnung der Mailänder Opernsaison 1772/ 73.
Wegen Streitigkeiten und Eifersüchteleien geriet die Fertigstellung der Oper unter starken Zeitdruck und der Vater schrieb.“.....Und die Prima donna assoluta, Anna de Amicis, erreichte wenige Tage später die Stadt: heut ( 28. November) wird die de Amisis in Venedig aufbrechen, folg:in ein paar tagen hier seyn, dann wird die Arbeit erst recht angehen, bis dato ist noch nicht viel geschehen. der Wolfg. hat den primo uomo ( gemeint ist Kastrat Rauzzini), noch nichts als die erste Arie gemacht, die ist aber unvergleichlich und er singt sie , wie ein Engl.
Bei der Erstaufführung war die Amicis nicht bei Stimme, weil sie auf den Kastraten Rauzzini eifersüchtig war. Die anwesende Erzherzogin, hatte den Beitrag des Kastraten beklatsch, ihren aber nicht.
So viel für heute.
Viele Grüße
Joachim


Zuletzt geändert von Joachim am 30.06.2008, 18:53, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 28.06.2008, 18:51 
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Leider konnte ich von Anna de Amecis kein Bild auftreiben. Vielleicht kann jemand von euch helfen.
Eine gute Zeit wünscht
Joachim
" Nur das Herz adelt den Menschen"


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BeitragVerfasst: 29.06.2008, 17:20 
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Anna Lucia de Amicis, soll in der Oper " Lucio Silla", KV 135 durch ihre stimmliche Agilität, ihrem sehr hohen Kompass und ihre mächtige Charakterisierung aufgefallen sein.
Mit Agilität und Charakterisierung kann ich etwas anfangen, mit Kompass jedoch nicht. Wer kann weiter helfen?
Viele Grüße
Joachim


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BeitragVerfasst: 30.06.2008, 17:09 
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Hallo
Ich möchte meinen Beitrag über Anna Lucia de Amicis, nicht über Gebühr in die Länge ziehen. Wie ich schon betont habe, sagt mir der Ausdruck: "Sie war bemerkenswert für ihren sehr hohen Kompass?, nichts.
Vielleicht ist damit nur, eine gute Orientierung, Nichtabweichung, Zielstrebigkeit oder ähnliches gemeint.
Damit würde ich Anna de Amicis abschließen und auf eine weitere interessante Dame der " La Bastardella" zu sprechen kommen.
Viele Grüße
Joachim


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BeitragVerfasst: 30.06.2008, 17:50 
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Hallo
Die beiden Bilder zeigen die italienische Sängerin, Lucrezia Agujari genannt " La Bastradella". Sie war eine außergewöhnliche Koloratursängerin. Aus den Briefen die der vierzehnjährige Mozart, 1770 von seiner ersten Italienreise nach Hause schrieb wissen wir, das er voll Erstaunen berichtet er hätte in Parma, die gefeierte Primadonna Lucrezia Agujari gehört, und die wegen ihrer Hässlichkeit " La Bastradella" genannt wird.
In diesem Fall irrte Mozart, die Agujari wurde nicht wegen ihrer angeblichen Hässlichkeit" La Bastradella", sondern wegen ihrer illegitimen Herkunft. Sie kam Unehelich zur Welt. Ihr Vater soll ein Adliger gewesen sein.
Was die Stimme anbelangt irrte Mozart allerdings nicht wenn er schreibt:die Stimme reiche vom "eingestrichenen d*bis zum viergestrichenen c ( siehe Abb.), und die Primadonna hätte nach dem dreigestrichenen f sogar noch getrillert."
Ich kann das selber nicht einschätzen, habe aber in diesem Zusammenhang gelesen,dass eine solche, gewaltige stimmliche Leistung, bis zum heutigen Tage, nur den wenigsten Koloratursopranistinnen gelungen ist.
Soweit ich weiß, hatte Maria Callas eine Drei-Oktaven-Stimme, die als Phänomen galt. Und die peruanische Nachtigall Yma Sumac soll eine Vier- Oktaven- Leistung vollbringen.
Mozart notierte sofort die Kadenzen und schrieb vom außergewöhnlichen Stimmumfang, nahtlose Register Übergänge.
Als " La Bastradella" 1783 starb, kursierte das Gerücht, eine Rivalin hätte sie vergiftet. Dies trifft jedoch nicht zu, denn sie starb an Tuberkulose.
Wenn ich mir die Bilder betrachte, kann ich nicht feststellen, dass diese Frau hässlich war!
Viele Grüße
Joachim
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BeitragVerfasst: 01.07.2008, 18:04 
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Zu Anna Lucia den Amicis möchte ich noch ergänzen, dass sie später durch die Heirat, korrekterweise Anna Lucia de Amicis- Buonsollazzi hies.
Viele Grüße
Joachim


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BeitragVerfasst: 02.07.2008, 07:57 
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Zitat von Joachim: "Was die Stimme anbelangt irrte Mozart allerdings nicht wenn er schreibt:die Stimme reiche vom "eingestrichenen d*bis zum viergestrichenen c ( siehe Abb.)..."

Hm, also so weit meine Notenkenntnisse reichen handelt es sich bei der ersten abgebildeten Note nicht um das eingestrichene d sondern um das kleine g, und das ist für einen Sopran eine ganz übliche Untergrenze.


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BeitragVerfasst: 02.07.2008, 09:15 
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Seh ich auch so... :n110:

Gruß,

Silje (Sopran)

_________________
...Letztlich ist Gesang ein in Klang gegossenes Gebet -


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BeitragVerfasst: 02.07.2008, 09:43 
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Hallo AK-Kontraalt, hallo Silje
Vielen Dank für eure Anmerkung. Ich muss das noch mal über prüfen. Es kann ein Übersetzungsfehler vorliegen.
Bei der abgebildeten Note heißt es:"Stimme der Extension " Bastradella". Wie ich schon mehrfach erwähnte, habt ihr hiervon mehr Ahnung als ich. Mozart schrieb über die Stimme:"sie reiche vom eingestrichenen d*, bis zum viergestrichenen c. Vielleicht hat man hier, eine nicht dazu passende Note abgebildet. Dann wäre es schön, wenn ihr die richtige Note her einstellen könntet.
Deshalb noch mal Dank.
Viele Grüße
Joachim


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BeitragVerfasst: 02.07.2008, 14:44 
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Hallo AK- Kontraalt, hallo Silje
Habe mich noch mal um die Noten gekümmert.
Bei Wikipedia ist bei dem Notenblatt von Stimme der Extension " Bastardella die Rede. Im Brief steht es so, wie ich es zitiert habe. Möglicherweise stimmt das abgebildete Notenblatt, nicht mit der Beschreibung von Mozart überein. Dann wäre bei Wikipedia ein Fehler.
Ich habe nun im Originalbrief vom 24. März 1770, aus Bologna ( Quelle:Ludwig Nohl, Mozartbriefe)nachgeschaut. Da steht folgendes:" Zu Parma lernten wie eine Sängerin kennen, und hörten sie auch recht schön in ihrem eigenen Hause, nämlich die berühmte Bastardella, welche 1. eine schöne Stimme, 2. eine galante Gurgel, 3. eine unglaubliche Höhe hat. Folgende Töne und Passagen hat sie in meiner Gegenwart gesungen."
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BeitragVerfasst: 02.07.2008, 17:41 
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Hallo,
Ich denke mal nun dürfte klar sein, was Mozart mit der galanten Gurgel meinte( siehe oben)
Über " La Bastardella" ist natürlich noch viel mehr geschrieben worden, u.a. dass sie die Geliebte des tschechischen Komponisten Josef Myslivecek gewesen sei. Auch existieren einige frivole Bilder. Dies alles, ist aber nicht mein Bier. Mir geht es immer um den Bezug zu Mozart. Zwar hat m.W. ,Mozart für Lucrezia Agujari keine Arie geschrieben. Er und sein Vater waren aber in ihrem Haus eingeladen. Die "La Bastardella" hatte bereits so große Erfolge, um sich ein eigenes Haus leisten zu können.
Das hat der liebe Wolfgang nie geschafft :n110:
Viele Grüße und weiterhin viel Spaß
Joachim


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BeitragVerfasst: 02.07.2008, 19:45 
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Nachname: K.
Liebster Joachim,

das ist aber nicht nett von Dir, Du kannst mir doch nicht den Mund wässrig machen und frivole Bilder erwähnen - und dann darf ich die nicht sehen ? Immer her damit - oder sag mir, wo ich danach suchen kann....

Mit einem clin d'oeil grüsst
Casta

_________________
La chance d'avoir du talent ne suffit pas ; il faut encore le talent d'avoir de la chance.
Hector Berlioz


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BeitragVerfasst: 03.07.2008, 08:03 
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Hallo Casta ,
sehr interessant. Dann werde meine Beiträge ja doch gelesen. Bild folgt später.
Viele Grüße

musste die Fotos entfernen, sie waren nicht jugendtauglich.


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BeitragVerfasst: 03.07.2008, 08:50 
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Hallo Casta
Das Schwarz-weiß-Bild, zeigt eine Karikatur zwischen Giuseppe Colla, ital. Komponist und Musiker, 1731-1806 in Parma, mit Lucrezia Agujari.
Colla war mit Lucrezia Agujari verheiratet und verdankt ihr eigentlich seine damalige Popularität, den " La Bastardella", sang viele seiner Stücke.
Es gibt aus dieser Zeit eine ganze Reihe ähnlicher Bilder, etwa wie das Farbige. Es zeigt eine Zielscheibe die beim Bölzelschießen der Mozarts, mit einem Zimmergewehr verwendet wurde.
Viele Grüße
Joachim


Zuletzt geändert von Joachim am 10.07.2008, 08:20, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: 04.07.2008, 10:12 
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Hallo Casta,
wie gefallen dir die Bilder, was sagst du dazu?
Viele Grüße
Joachim


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BeitragVerfasst: 04.07.2008, 16:22 
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Hallo,
heute möchte ich euch, Henriette Rahel Baranius, 1768-1853, deutsche Sängerin und Schauspielerin vorstellen. Sie war am Berliner Hoftheater engagiert und die erste, deutsche "Blonde/ Blondchen" in "Die Entführung aus dem Serail", KV 384.
Die Entführung aus den Serail, wurde zwar bereits am 1. Mai 1786 im Wiener Burgtheater aufgeführt, aber als Mozart, zusammen mit Fürst Karl Lichnowsky,1789 nach Preußen reiste, wurde " Die Entführung aus dem Serail", zum erstenmal aufgeführt und Mozart war inkognito dabei.
Die Rolle des Blondchen sang Henriette Barnius, die später den Geheimen Kämmerer Johann Friedrich Ritz heiratete. Für sie, wurde eigens die Villa Ritz gebaut.
Natürlich, wie könnte es anders sein, gibt es hier auch wieder eine Liebesgeschichte. Mozart wurde immer wieder, ein besonderer Hang, so will ich es mal ausdrücken, zu "seinen" Sängerinnen nachgesagt. Sei es nun Josepha Duschek, Nancy Storace, Barbara Gerl oder Anna Gottlieb- auf die ich alle noch zu sprechen komme, und vieles daran, ist falsch, darauf komme ich noch zu sprechen.
Das Gerede, um die Baranius kam wohl daher, dass sie in der Nähe des Theaters, "am Gens d'Armes- Markt, dem heutigen Gendarmen- Markt wohnte.
Es gab in Tat, verschiedene Liebesbeziehungen Mozarts, die hier aber für mich nicht weiter von Bedeutung sind.
Viele Grüße
Joachim Bild


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BeitragVerfasst: 05.07.2008, 09:31 
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Hallo,
ich möchte zu Henriette Baranius noch drei abschließende Bemerkungen machen.
1. Am Verhältnis mit Mozart, daran kann m.E., schon deswegen nichts dran sein, weil Mozart einen dichtgespickten Terminkalender hatte und andauert auf " Visiten" war, so blieb für ein amouröses Abenteuer gar keine Zeit.
Es hätte schon gleich in der Garderobe geschehen müssen. Was aber in Garberoben geschieht, weiß ich nicht, da müsstet ihr mehr Ahnung haben.
2. Die Villa Ritz existiert heute noch und beherbergt einen Luxuskindergarten. Und
3. Viele Sänger und Sängerinnen, wurden für die damalige Zeit,- wir noch näher sehen werden,- sehr alt! :n110:
Vielleicht dürfen wir daraus die Hoffnung, auf ein langes Leben schöpfen. :n110:
Ein schönes Wochenende wünscht
Joachim


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BeitragVerfasst: 06.07.2008, 10:24 
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Hallo,
heute möchte ich mit Antonia Bernasconi- eigentlich Antonia Wagele ( gelegentlich wird daraus auch Wägele gemacht, offensichtlich weil sie in Stuttgart geboren ist),1741-1803. Sie war die Tochter des Kammerdieners Wagele und nahm später den Namen ihres Stiefvaters Andres Bernasconi an.
Sie war Sopranistin und feierte als "Aspasia", in Mozarts Oper " Mitridate, Re di Ponto" (Mitridates, König von Pontos), KV 87, außerordentliche Erfolge.
Ich finde es sehr bemerkenswert und Anerkennungwürdig, was diese Sopranistinnen, Mitte und Ende des 18. Jahrhundert schon geleistet haben(keine Angst, die Männer kommen auch noch dran).
Und so schreibt am 17. November Leopold Mozart, aus Mailand an seine Frau in Salzburg unteranderen, dass die Bernasconi:" mit ihren Arien unendlich zu frieden ist."
Das war auch kein Wunder, denn die Einstudierung zu Mitridate gestaltete sich äußerst schwierig, weil die meisten Mitwirkenden mit der ersten Fassung ihrer Arien nicht einverstanden waren.
Für die Bernasconi, musste die Arie zweimal umkomponiert werden. Für den Berühmten Tenor Guglielmo d'Ettore( Mitridate), gleich viermal und für den Kastrat Benedetti , dreimal.
Und später berichtete Mozart an den Vater:" die Bernasconi ist hier und hat 500 duckaten besoldung weil sie alle Arien um ein halbes Coma( gemeint hat er nicht das "Koma"-die tiefe Bewusstlosigkeit, sondern?), höher singt; das ist aber wirklich eine Kunst, denn sie bleibt richtig im tone. sie hat izt versprochen um 1/4 ton höher zu singen, da will sie aber noch so vil haben."
Wenn ich dies richtig deute, bescheinigt er ihr zunächst eine wirkliche Kunst, ist aber skeptisch, ob sie einen 1/4 Ton höher singen kann. Nun gut, Mozart wird es schon richtig beurteilt haben.
Zum Schluss noch eine kleine Geschichte die sich tatsächlich zugetragen hat.
Irgendein ein Scherzbold oder wohl eher jemand, der Mozart schaden wollte, hatte die Idee, einen unbekannten Boten zur Bernasconi zu schicken und ihr angeblich für sie zugeschnittene, persönliche Arien, des jungen Mozart zu überreichen. Dabei überredete der Überbringer die Primadonno, keine Arien davon singen zu wollen, da sie sehr schlecht seien.
Der Clou darin ist, dass Mozart die Stücke gar nicht komponiert hatte:" wir haben sie alle gesehen. sie sind alle neue Arien, weder sie noch wir wissen, aber, wer sie Componiert hat."
Man darf wohl eher annehmen, dass Mozart hiermit geschadet werden sollte, denn der Neid war doch sehr groß.
Viele Grüße :n110:
Joachim
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BeitragVerfasst: 09.07.2008, 13:41 
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Hallo
Zu den beiden Bildern erfolgt noch ein ausführlicher Beitrag. Beim Bild links handelt es sich um eine Mozart-Karikatur aus dem Mozartjahr 2006. Rechts die Dame ist die ital. Sängerin Adriane del Bene, die ich aus Zeitgründen erst morgen genauer vorstellen werde.
Viele Grüße
Joachim


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BeitragVerfasst: 10.07.2008, 18:11 
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Hallo ,
ich mache dann mal mit Adriana del Bene, 1755-1804, Italienische Sängerin aus Ferrara weiter. Wenn man del Bene erwähnt, muss man im gleichem Atemzug auch ihre Schwester, Luise Villeneuve, ebenfalls Italienische Sängerin nennen.
Beide verkörperten, bei der Uraufführung von " Cosi fan tutte" am 26. Januar 1790 ( einen Tag vor Mozarts 34. Geburtstag), die Rollen der Fiordiligi und der Dorabella. Adriana del Bene die Fiordiligi und Villeneuve die Dorabella.
Mozart schneiderte, die Rollen der beiden Sängerinnen, quasi auf ihre Stimmbänder.
Das " büchl", wie Mozart die Libretti nannte, stammte von Lorenzo da Ponte, und es ist noch ohne Reiz zu erwähnen, dass Adriana del Bene seine Geliebte war. Sie hatte sich mit da Ponte eingelassen, obwohl sie mit Luigi del Bene verheiratet war.
Als da Ponto, nach dem Tod seines Gönners Joseph II., in Ungnade fiel, und aus den kaiserlichen Diensten entlassen wurde, folgte ihm Adriane. Es ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass da Ponte, eine Oper, "die musikalische Biene" , eigens für Adriana del Bene schrieb.( Welch ein Liebesbeweis!)
Beide Damen stammten aus Ferrara. Das könnte ein Grund dafür gewesen sein, das sich Adriana del Bene später Ferrarese del Bene nannte.
Mozart kannte die Künstlerinnen, vom Burgtheater her und aus der Zusammenarbeit bei " Die Hochzeit des Figaro" und " Don Giovanni".
Beide verließen, nachdem da Ponte seine Ämter verloren hatte Wien und gingen nach Italien.
Viele Grüße
Joachim


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