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 Betreff des Beitrags: Oktav-Bezeichnungen
BeitragVerfasst: 19.05.2009, 14:24 
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Registriert: 04.06.2008, 17:25
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Hallo allerseits,

wir kennen ja alle das Notensystem und wissen daher dass jeder Ton einen Namen hat. Weiterhin wissen wir dass sich diese Ton-Namen in gewissen Abständen immer wiederholen. Und da fängt nun eine gewisse Uneinigkeit an.

In einem anderen Forum wollte jemand wissen welche Töne er singe, und stellte u. a. ein "C5" zur Diskussion. C5 wäre allerdings ein Ton den wirklich überhaupt kein Mensch mehr singen kann, nämlich zwei Oktaven über dem hohen C einer Sopranistin. Der Fragesteller war allerdings ein Mann...

Falls jemand das Buch "Singen für Dummies" kennen sollte: Auch da geistern Fünfer-Tonbezeichnungen umher. Die Autorin dieses Buches ist allerdings Amerikanerin und klärt netterweise darüber auf dass das C5 deshalb so heißt weil es auf dem Klavier die fünfte C-Taste ist.

Da dieses C5 bei uns aber C2 bzw. "zweigestrichenes c" genannt wird frage ich mich nun: Nach welchem Kriterium kamen die bei uns gebräuchlichen Oktavbezeichnungen zu Stande? Was macht z. B. das kleine c "klein" und das große c "groß"? Warum ist z. B. das mittlere c auf dem Klavier nicht das "Grund-c"? Ich würde gerne die Logik hinter diesem System verstehen, denn es gibt sie sicherlich. big_book

Viele Grüße
AK-Kontraalt


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 Betreff des Beitrags: Re: Oktav-Bezeichnungen
BeitragVerfasst: 19.05.2009, 17:48 
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Registriert: 17.10.2008, 16:24
Beiträge: 316
Hi, AK-Kontraalt!

Also es gibt verschiedene Systeme für die Oktavbenennung. Wie du ja richtig erkannt hast! Und der von Dir erwähnte Mann hat schon das richtige gemeint! :-)

Da ist zunächst einmal die sog. wissenschaftliche Notation, die auch den nordamerikanischen Standard darstellt. Die fängt mit dem tiefsten C auf dem Klavier an mit C1 und numeriert die Oktaven von da aus einfach durch: C1..B1 (B in den angelsächsischen Ländern satt H!), C2..B2, C3..B3, usw. Alternativ wird auch C(1) oder C[1] geschrieben oder die Ziffer wird bei C1 als Index tiefgestellt. Alterationen werden durch ein dem Buchstaben nachgestelltes Alterationszeichen gekennzeichnet. Also Cb4 = B3.
Im französischen Sprachraum gibt es eine ähnliche Schreibweise, nur mit den Solminationssilben statt der Buchstaben, also Do1 (Ziffer meist als Index tiefgestellt) = C1, La4=A4 etc.

dann gibt es die Helmholtz-Notation (benannt nach dem Physiker): Das ist die hierzulande übliche Bezeichnung, die ebenfalls immer mit einem C beginnt:
C..H (große Oktave), c ..h (kleine Oktave), c'..h' (eingestrichene Oktave), c"..h" (zweigestrichene) usw.
Unter der großen Oktave liegen (absteigend) noch die Kontraoktave (großer Buchstabe mit einem tiefgestellten Strich danach) und die Subkontraoktave (großer Buchstabe mit zwei tiefgestellten Strichen danach). letztere lassen sich hier nur nicht darstellen. Manchmal wird statt dessen auch CC..HH bzw. CCC...HHH für Kontra- und Subkontraoktave geschrieben. Die Helmoltz-Notation hat gegenüber der "wissenschaftlichen" den Vorteil, daß letztere für die Subkontraoktave mit einer "0" erweitern muß, und darunter dann nichts mehr geht. Bei Helmholtz geht es von Haus aus bis zur Subkontraoktave, und eine SubSubkontraoktave (aber da sind wir dann schon jenseits der Hörbarkeitsschwelle bei 64'-Orgelregistern) kann man nach dem gleichen System mit einem 3. tiefgestellten Strich (bzw. vier Buchstaben) bezeichnen
Das c' entspricht dabei dem C4 der wissenschaftlichen Notation.

Als Gegenüberstellung wissenschaftlich - Helmholtz:

C0 = Subkontra-C (C mit zwei tiefgestellten Strichen danach), CCC
C1 = Kontra-C (C mit einem tiefgestellten Strich danach), CC
C2 = C
C3 = c
C4 = c'
C5 = c"
C6 = c'''
...

"unser" c" ist daher mitnichten ein "C2". Das würde zwei verschieden Konventionen durcheinanderwerfen!

Als Variante zur Helmholtz-Notation existiert die heute unübliche deutsche Notation. Die entspricht der Helmholtz-Notation, nur daß die Striche horizontal über bzw. unter den Buchstaben liegen. Das c" (= C5) ist somit ein c mit zwei horizontalen Strichen darüber. Die Striche sind dabei übereinander angeordnet.
Versuch der Darstellung:
=
c entsprechend c"

(so ungefähr...)



Zur Verwirrung gibt es noch eine englische Orgel-Schreibweise, bei der CC (üblicherweise tiefster Ton auf dem Manual. Das ist auch der tiefste Ton, der einem mönnlichen Sänger abverlangt wird. Daher diese historisch gewachsene Beschränkung) dem großen C (=C2 = 8 Fuß) entspricht. CCC ist dann Kontra-C (C1, 16') und CCCC das Subkontra-C (C0, 32'). 64'-Register (Subsubkontraoktave) gibt es nur an zwei Orgeln weltweit, CCCCC ist damit also nicht mehr relevant.

Das "mittlere c" (=c'=C4=Do4) heißt einfach nur deswegen so, weil es am Klavier in der Mitte liegt, dort wo das Schloß ist - für die Anfänger. Einen Grund, es "Grund-c" zu nennen, gibt es nicht. Wofür wäre es denn der "Grund"? Dann käme der Bass und fragt, warum denn nicht das C (großes C, C2) das Grund-c wäre, und der Kontarbassist stellte die gleiche Frage für das Kontra-C (C1), und dann käme die Piccolo-Flöte...

_________________
Der Sänger singt am Weiher leise, doch singt er etwas leierweise.


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