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Neuer BeitragVerfasst: 06.02.2006, 17:37 
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Natürlich braucht man in der Klassik auch eine Verbindung zum Körper, alles andere wäre ja Murks, da gebe ich euch völlig recht.
Allerdings ist nach meinem Empfinden die Anforderung an die Verankerung im Rücken bei echtem Belten eine ungleich höhere als bei klassischer Technik - was jetzt NICHT heißt, das Klassik ungestützt ist, um Gottes Willen ;-)
Aber versucht mal ein d2 laut und tönend randstimmig anzusetzen und das gleiche im Belt gemixt - spätestens da dürfte euch der Unterschied klar werden, und das ist nicht mal hoch.

Ach so, um da einem weiteren Missverständis vorzubeugen: Belting IST eine Mischtechnik, wenn man es richtig macht, wenn auch mit geringerem Randstimmanteil. Aber ich sagte es ja schon im letzten Post: Einsatz isolierter Bruststimme sollte absolut verpönt sein außer Mal als Stilmittel.

Hmm, ob das was mit der Stimmlage zu tun hat, wie gut man Belten kann? Interessante Frage. Glaube ich aber eher nicht. Ich denke eher, dass es was damit zu tun hat, ob man eine eher lyrische oder expressive Veranlagung hat.

Meine Stimme z.B. ist mittelhoch bis tief (eher Altmezzo denn Mezzosopran, eher Orfeo denn Cherubino ;-) ), ich kann aber nicht sagen, dass mir das Belten deshalb besonders leicht fällt. Meine Stimme ist eher weich, zwar nicht ganz klein, aber auch sicher nicht unbedingt dramatisch nach klassischen Maßstäben. War ja immer das Problem bei mir, ich musste immer zwischen allen Stimmfächern hüpfen, weil ich weder das lyrische noch das dramatische Mezzorepertoire voll abdecken konnte, und dazwischen gibt's nun mal (zumindest "offiziell") nüscht :roll:

Und ich glaube, dass Belten eher den Leuten leicht fällt, die von Natur aus oft und gerne ihre Vollstimme einsetzen - egal, ob Mezzo, Alt oder Sopran. Viele der besten Belterinnen sind Soprane, ebensoviele Mezzi. Die unterscheiden sich eigentlich nur darin, dass die Mezzo bis ca. d2 belten, die Soprane mindestens bis f2 (keine Regel ohne Ausnahme, gibt auch Mezzo mit extrem hohem Belt, ist aber nicht unbedingt die Regel).
Mag aber sein, dass tiefere Stimmen erst Mal weniger Scheu haben, sich auch länger in den tieferen Registern aufzuhalten, weil sie es ja gewöhnt sind ...

LG, Epo

P.S.: Kann man hier überhaupt Dateien (außer Bilder) uploaden???


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Neuer BeitragVerfasst: 07.02.2006, 02:44 
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Eponine hat geschrieben:
Allerdings ist nach meinem Empfinden die Anforderung an die Verankerung im Rücken bei echtem Belten eine ungleich höhere als bei klassischer Technik
Aber versucht mal ein d2 laut und tönend randstimmig anzusetzen und das gleiche im Belt gemixt - spätestens da dürfte euch der Unterschied klar werden



also, ich finde, wenn man dramatische opernarien mit langen phrasen und hohen tönen im forte singt, sind die anforderungen an die rückenmuskeln mind. so hoch wie beim belten. :n30:


daß belten eher den leuten leicht fällt, die von natur aus oft und gern ihre vollstimme einsetzen, glaube ich auch, habe es auch bei meinen schülerInnen und mir selbst erfahren. :n2:


liebe grüße
kaja


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Neuer BeitragVerfasst: 07.02.2006, 07:14 
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kaja hat geschrieben:

also, ich finde, wenn man dramatische opernarien mit langen phrasen und hohen tönen im forte singt, sind die anforderungen an die rückenmuskeln mind. so hoch wie beim belten. :n30:


Aber ich finde, im Belt muss man damit schon viel eher anfangen (also schon in tieferer Lage). Na ja gut, dafür hört man auch eher wieder auf *g*

Ich jedenfalls finde Belten körperlich wesentlich anstrengender als Klassik, aber das mag an meiner stimmlichen Veranlagung liegen. Andererseits ist es für mich mental wesentlich entspannender, weil ich mich da trotz allem freier und näher an mir selbst fühle.

Kann mir einer folgen? *kratz*

Schwätz ;-)

LG, Epo


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Neuer BeitragVerfasst: 16.04.2006, 16:18 
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Hallo Epo und alle anderen hier,

das was du da schreibst kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich empfinde auch die Verankerung, gerade in den unteren Rückenmuskeln (meine Schwachstelle, seufz) als SEHR (!) enorm beim Belt. Die muss da sein, denn sonst täte man sich schnell weh und es hätte nicht diese Durchschlagkraft. Wenn es gelingt ist es sehr voluminös und laut und alles andere als flach. Ich habe eher den Eindruck, daß meine Stimme im Belt sehr rund und farbenreich klingt, beinahe mehr noch als im "halbklassischen" Ansatz, den ich im Pop oft verwende. Es braucht dafür sehr viel Energie. Allerdings habe ich ebenso wie du festgestellt, daß es mich emotional stärker berührt und dadurch auch die Interpretationen gefühlsbetonter gelingen, als für reine Klassik. Allerdings singe ich ja auch nicht viel "echte" Klassik ;-) Für Klassik braucht es genau so viel Kraft, die sich aber für mich anders anfühlt, da ja z.B. oft die Phrasen sehr viel länger sind und alles sehr viel "gebündelter" wird. (Ist das verständlich, was ich meine?)
Deine Ausführungen über die Ansätze des Belting fand ich sehr spannend. Was ich nicht ganz verstehe: Meinst du, es wird nicht UNTER f1 gebeltet? Also nicht in den tiefen Lagen? Habe ich da was falsch verstanden oder bin einfach verwirrt?

P.S. Da ja jetzt gesang.de verschwunden ist scheinen sich die User ja schön aufgeteilt zu haben. ;-) Was mich betrifft, weiß ja hier fast jede/r, daß ich "Kurse" bei Eric mache, von denen ich sehr profitiere und daß ich dementsprechend gut mit ihm auskomme. Daher bin ich natürlich auch in seinem Forum dabei.
Allerdings habe ich auch nie mit irgendwem in diesem Forum Streit gehabt und ich finde daher keinen Grund, nicht mehr z.B. mit Eponine zu diskutieren. Gerade wenn es um Pop/Rock und Musical geht.
Ich hoffe, das ist für die anwesenden UserInnen ok? :-) Ich halte nichts von falscher Solidarisierung, wo mich die Unstimmigkeiten zwischen manchen ja gar nicht betreffen und ebenso wenig was angehen.

Liebe Grüße von Chawa


Zuletzt geändert von Chawa am 16.04.2006, 16:20, insgesamt 1-mal geändert.

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Neuer BeitragVerfasst: 16.04.2006, 16:19 
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OHHH, was sind denn das für komische Smilies!!!

Die habe ICH so nicht gewollt!!!
Wie kan ich die denn ausschalten, das gibt ja einen total falschen Eindruck?!

Ah, man kann sie deaktivieren, das versuche ich mal
Chawa


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Neuer BeitragVerfasst: 18.04.2006, 10:47 
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Hallo Chawa,

ich kann allem, was Du schreibst, nur uneingeschränkt zustimmen und empfinde es genauso.
Ja, und ich meinte, dass in der tiefen Lage strenggenommen nicht gebeltet wird. In der tiefen Lage benutzt man eh die Bruststimme, die ja im modernen Gesang auch etwas weiter heraufgeführt (Betonung auf ETWAS!) wird als in der Klassik. Und im Bereich um f1 (manchmal auch früher, je nach Lage des Stücks und Charakter) wird dann ja bereits angefangen, zu mixen, und das ist das erst der Belt. Man kann natürlich auch früher schon anfangen, zu mixen, dann klingt es unten raus aber schnell wieder klassisch angehaucht. Im Pop ist das okay, weil es ja eh sowas wie den „richtigen“ Stil dort nicht gibt, aber im Musical ist das eher nicht so erwünscht.

Zu dem anderen Thema: Mich interessiert es überhaupt nicht, ob Du Kurse bei Eric machst oder nicht, denn mit Dir habe ich ja keine Probleme und auch noch nie gehabt, und warum sollten wir dann nicht diskutieren? Ich halte auch nichts von Grüppchenbildungen oder falschen Solidarisierungen, aber wie jeder, der schon etwas länger dabei ist, weiß, habe ich einfach ein persönliches Problem mit Eric, das eben irgendwann eskaliert ist (die meisten wissen auch, dass das nicht immer so war und wir eigentlich mal ganz gut miteinander konnten). Das ist aber mein ganz persönliches Problem, da muss und soll sich keiner mit mir solidarisieren, genauso wie ich mich mit niemandem solidarisiere, der jemanden nicht leiden kann, wenn ich selbst mit dieser anderen Person gar keine Probleme habe.
Warum auch? Ich bilde mir meine Meinungen grundsätzlich selbst und solidarisiere mich mit niemandem - wenn ich auf jemanden sauer bin, dann nicht, weil der oder die nicht mit ihm kann, sondern weil er MIR krumm gekommen ist. Das ist aber auch schon alles ;-)


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Neuer BeitragVerfasst: 19.04.2006, 11:26 
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Zu Musical, Belt, Mixen etc. hätte ich da ein paar Fragen...
Ich war vor kurzem auf einem Konzert, das war die Abschlussgala eines einwöchigen Kurses für angehende Gesangsstudenten, die sich auf die Aufnahmeprüfung vorbereiten wollten. Und da hatte ich den Eindruck, dass alle, die schon ziemlich gut klangen, klassische Stücke vortrugen, während den weniger talentierten (das klingt jetzt gemein, aber selbst ich hätte besser gesungen ;-) ) die Musicals zugeteilt wurden. Während es bei den klassischen Stücken durchaus auch sehr gute Stimmen gab, die schon einiges konnten (ist natürlich nur meine laienhafte Meinung), gab es keinen einzigen, der etwas aus einem Musical wirklich gut sang. Die Stücke waren alle eher tief und bei den "Spitzentönen" hab ich bei einigen wirklich mitgezittert, ob sie den jetzt schaffen und bis zum Ende aushalten können oder ob ihnen gleich die Stimme bricht. Das klang echt sowas von angestrengt und "an der Kippe", obwohl es höchstens ein c2 sein konnte. Ich hatte das Gefühl, die sangen NUR mit Bruststimme, keine Spur von mischen etc.... sonst dürfte ja ein c2 eigentlich kein Problem sein!? Hatten die nun einen schlechten Lehrer, oder null Talent, oder wie? Belt wird das ja nun nicht gewesen sein, oder? Das kann ich mir nicht so ganz vorstellen :mrgreen: Ich frage mich, ob denen, die weniger konnten, einfach geraten wurde, Musicals zu singen, oder ob der Lehrer so daneben war oder beides...


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Neuer BeitragVerfasst: 19.04.2006, 12:15 
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Hallo Fliu,

was da in dem Lehrer vorgeht, kann ich nicht sagen, ich finde es aber ziemlich unverantwortlich. Ob man Klassik und/oder Musical singt, hat nichts mit Begabung, sondern vor allem mit Veranlagung und persönlichen Vorlieben zu tun. Da ist nichts ein besser oder schlechter, leichter oder schwerer - es sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Wer was von beidem gut macht, ist sehr persönlichkeitsabhängig.

Also, entweder, die Leute WOLLTEN das singen, oder aber der Lehrer hatte eine völlig falsche Vorstellung davon, was Belten bedeutet oder aber, was den Schwierigkeitsgrad von Musicalstücken angeht. Mag sein, dass jemand erst mal denkt: „Na, das ist ja nicht so hoch, das geben wir mal denen, die es noch nicht drauf haben.“ Dann ist das aber für mich kein ernsthafter Musicalgesang, und schon gar keiner mit vernünftiger Technik. Nicht grad ein Lob für den Lehrer, sorry ...

Ich kann es auch eigener Sicht nur so sagen:
Wer nicht schon eine gewisse Gesangsausbildung hinter sich hat, sollte erst mal nicht mit dem Belten anfangen. Man macht zu schnell zu viel falsch, wenn man nicht genau weiß, was man da tut. Dann lieber erstmal im „halbklassischen“ Ansatz bleiben und nach und nach aufbauen.
Ich selbst fand Musical bzw. Belting eigentlich immer wesentlich schwieriger als den klassischen Ansatz, weil ich die natürliche Veranlagung zum Belten eigentlich eher nicht habe. Selbst die Leute, die sie haben, müssen aber mit absolut sauberer Technik singen, sonst schadet man sich einfach. Man beltet nicht „mal eben so“ ...

Heute ist es bei mir eher umgekehrt: Meine Stimme ist in der Klassik nicht mehr so beweglich, und die absolute Höhe geht auch nicht mehr so gut (wenn sie natürlich schon noch da ist, aber man muss sie ziepen ;-)). Das liegt aber daran, dass ich es auch nur noch eingeschränkt trainiere, weil ich mich eben für eine Richtung entschieden habe (sollte man auch tun, finde ich, aber das hatten wir ja schon). Wenn ich dann zwischenzeitlich mal wieder Lust auf Klassik habe, merke ich meist sehr schnell, dass meine Stimmbänder und Resonanzräume eher in diese Mischung wollen, weil ich eben eher der Typ für Kopfresonanzen bin *lach*
Da ich aber beim Contemporary Singing bleiben will, weil mein Herz sehr dran hängt (und das macht man dann erfahrungsgemäß auch besser), hüte ich mich eben vor zu viel klassischem Gesang, damit ich den richtigen Sitz für’s Belten nicht dauerhaft verliere.

Dass die Klassik dadurch nicht mehr ganz so gut sitzt, nehme ich gerne in Kauf ;-)


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Neuer BeitragVerfasst: 19.04.2006, 12:41 
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Hallo Epo,

genau das hat mich eben auch gestört. Den Konzertbesuchern wurde damit praktisch vermittelt, Musical sei nichts Anspruchsvolles, sondern nur was für absolute Anfänger oder Untalentierte. Mag sein, dass es zufällig bei diesem Kurs gerade niemand wirklich guten gab, der Musical singen wollte - dennoch machte das einen sehr unglücklichen Eindruck. Allerdings war die Zuschauerzahl doch recht überschaubar, was vermuten lässt, dass hauptsächlich Freunde und Bekannte statt "Kennern" gekommen waren. Trotzdem ;-)
Was mich persönlich aber noch viel mehr zum Grübeln gebracht hat, war, wie einige dieser Teilnehmer wohl auf die Idee gekommen sind, Gesang studieren zu wollen. Selbstüberschätzung? Zuviel uneingeschränktes Lob von Eltern o.ä. statt ehrlicher, konstruktiver Kritik? Ich selbst bin eher schüchtern und neige zu Unter- statt Überschätzung und hätte mich an deren Stelle NIEMALS mit Solostücken auf die Bühne gewagt. Neben den anderen, größtenteils recht guten Sängern wirkte das schon recht peinlich. Es war auch nicht so, dass sie gezwungen wurden, Solo zu singen, einige andere sangen nämlich ausschließlich in Ensemblestücken. Aber das ist wohl immer eine Sache der Persönlichkeit...


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