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 Betreff des Beitrags: Bühnenpräsenz
BeitragVerfasst: 04.04.2007, 06:34 
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Kann man denn eurer Meinung nach eine Bühnenausstrahlung nciht noch "lernen", wenn soviel stimmliches Talent da ist?
Ist es grundsätlich so, dass man das nciht noch erwerben kann, wenn sonstt alle Voraussetzungen stimmen?
Warum gibt es denn dann Opernschulen und szenische Arbeit und Kurse?
Neugierige Frage von Canti :hearts:


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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 04.04.2007, 09:24 
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Für mich stellt sich die Frage, was unter Bühnenpräsenz verstanden wird.
a) Bedeutet es, dass man nur auf die Bühne kommen muss und schon alle gefangen hat, bevor man einen Ton singt?
b) Bedeutet es, dass man das Spielen auf der Bühne beherrst, ohne gekünstelt oder gar peinlich zu wirken.
c) Bedeutet es, dass man sich beim Singen auf der Bühne "zum Positiven verändert" also sich mit den Tönen quasi die Ausstrahlung ändert?

Das Handwerkliche (Spielen) kann man sicher lernen, wobei der Lernerfolg davon abhängt, wie sehr man bereit ist, aus sich heraus zu gehen. Ich sag ja immer, Sänger müssen eine gewisse exhibitionistische Neigung haben - wer es nicht genießt "nackt" in der Öffentlichkeit zu stehen, sollte sich überlegen, ob er Sänger werden will.

LG
mezzo


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BeitragVerfasst: 04.04.2007, 10:36 
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Hallo mezzo,

ich denke, alle drei von Dir genannten Aspekte treffen zu. Es gibt Leute, die langweilen einen schon, wenn sie auf die Buehne kommen (oder wirken irgendwie merkwuerdig). Wenn die toll singen, ist das natuerlich wettzumachen, aber einmal verlorene oder "angeschlagene" Aufmerksamkeit muss man sich viel haerter zurueckerobern. Was den Aspekt "peinlich" angeht, wuerde ich es sogar so nennen: Es darf einem nicht mal peinlich sein, peinlich zu sein. Sprich, wenn die Rolle es erfordert, muss ich mich auch zum Affen machen koennen. Peinlich wird es dort, so man mir ansieht, dass es mir peinlich ist.

Zum Schauspiel: Das darf nicht aufgesetzt wirken, wobei das ein schmaler Grat ist. Ich stelle gerade selbst fest, dass gerade auf groesseren Buehnen ueberzogen werden MUSS, weil es sonst naemlich nicht ankommt. Mir hat im Schauspielunterricht mal einer meiner Dozenten gesagt: "Wenn Du das Gefuehl hat, jetzt ist es uebertrieben, ist es gerade richtig!" Ich fand das damals immer furchtbar, muss ihm aber heute Recht geben. Man meint immer, alle Welt sieht einem schon an der Mimik und ein paar kleinen Gesten an, was man sagen will - das ist aber leider manchmal nicht so.
Das heisst natuerlich nicht, dass es unangemessen sein sollte, das haengt natuerlich auch von den Umstaenden ab - Musical ist nicht Oper, Oper ist nicht Lied, die Met ist nicht der Konzertsaal in Hintertupfingen.

Ich habe selbst im Schauspielunterricht erlebt, wie Leute in Traenen ausgebrochen sind, die nicht aus sich herausgehen konnten oder denen gewisse Dinge merklich peinlich waren. Das ist wirklich hart, und ich fand es auch mehr als einmal unangenehm, aber es gehoert zum Geschaeft.

@ canti: Nein, ich finde, Ausstrahlung kann man nicht lernen, die hat man oder hat man nicht. Schaupielerisches Ruestzeug kann man sich aneignen, da gibt es viel zu lernen. Genau wie beim Gesang ist da viel Technik hinter.
Wer aber charakterlich eher verhuscht ist, wird das auf der Buehne, bis auf ganz wenige Ausnahmefaelle, auch immer so rueberbringen. Ich meine jetzt wohlgemerkt nicht die Faelle, die privat eher schuechtern sind und auf der Buehne dann aufbluehen, da gibt es massig Leute von, scheint gerade unter darstellenden Kuenstlern sehr haeufig.
Wer aber keine Ausstrahlung hat, kann das auch nicht lernen. Ist aber nur meine Meinung ...


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BeitragVerfasst: 04.04.2007, 10:55 
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mezzo hat geschrieben:
Für mich stellt sich die Frage, was unter Bühnenpräsenz verstanden wird.
a) Bedeutet es, dass man nur auf die Bühne kommen muss und schon alle gefangen hat, bevor man einen Ton singt?
b) Bedeutet es, dass man das Spielen auf der Bühne beherrst, ohne gekünstelt oder gar peinlich zu wirken.
c) Bedeutet es, dass man sich beim Singen auf der Bühne "zum Positiven verändert" also sich mit den Tönen quasi die Ausstrahlung ändert?

mezzo

Hallo Mezzo,
a) Ja, im Grunde schon, eine persönliche Ausstrahlung ein sicherer Gang und ein Lächeln bewirken schon viel, Kleidung kommt hinzu. Wie bewege ich mich, bin ich selbstsicher oder schaue ich ängstlich, sieht man mir das Lampenfieber an?
b)natürlich, wenn man sich in die Rolle versetzt und sie spielt, sollte es natürlich rüberkommen und nicht aufgesetzt, man kann auch überspielen, es darf nie gekünzelt aussehen.
c) Nein, wenn man im Leben nicht positiv ist, keine Ausstrahlung hat, eine graue Maus ist, kann man es auf der Bühne auch nicht sein. Es ist ähnlich mit fotogen. Viele Menschen lassen sich nicht gerne fotografieren, andere wirken auf jedem Foto super.

Wenn man nicht aus sich herausgehen kann, fällt es schwer eine Arie, Rolle, Lied zu interpretieren, man bleibt eine graue Maus.

Dabei spielt die Kleidung eine wichtige Rolle. Wenn man sich in ein zu enges Kleid zwingt, unscheinbar und leblos, ist der erste Eindruck schon negativ. Auf Mallorca konnte man es gut sehen, alle oder fast alle hatten bühnengerechte Kleidung an und der erste Eindruck war schon da.


Liebe Grüsse

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BeitragVerfasst: 04.04.2007, 11:24 
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Ich sehe den Kleidungsaspekt auch als sehr wichtig an. Man fühlt sich in einem tollen Konzertoutfit und verschönert mit den Hilfsmitteln der modernen Kosmetikindustrie viel "größer" als in Jeans und Turnschuhen und den Make-up Resten vom Vortag (ich übertreibe :lol: ).
Ich ziehe für wichtige Besprechungen im Dienst ja auch eher den Hosenanzug an und lasse den Pulli im Schrank.

Was ich nicht so ganz nachvollziehen kann ist, dass man sich auf der Bühne nicht "verändert" ggü. dem realen Leben. Ich kenne eine Schauspielerin, die ist im Alltag eher unscheinbar, auf der Bühne aber sensationell. Vielleicht brauchen gerade die grauen Mäuse die Bühne als Legitimation oder Entschuldigung, um aus dem anerzogenen Schema auszubrechen?

@epo: Gerade wenn man sich Live-Mitschnitte von Opernaufführungen ansieht, stellt man auch fest, dass die Mimik und Gestik in Nahaufnahme sehr extrem wirkt - auf die Entfernung ist das aber sicher völlig in Ordnung.

LG
mezzo


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 Betreff des Beitrags: Re: Bühnenpräsenz
BeitragVerfasst: 04.04.2007, 11:25 
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cantilene hat geschrieben:
Warum gibt es denn dann Opernschulen und szenische Arbeit und Kurse?
Neugierige Frage von Canti :hearts:


In Szenischer Arbeit in Opernschulen oder Kursen lernt man die Szenen zu spielen, das hat aber nichts mit Bühnenpräsenz zu tun. Sicherlich fällt es einigen Sängern schwer sich szenisch darzustellen, sich gehen zu lassen aus sich herauszukommen, es sind dann aber eben die grauen Mäuse, auch im wirklichen Leben.

Ich kann aber dazusagen, dass man im Laufe der Jahre, wenn man mehr Erfahrungen gesammelt hat, oft die graue Maus verschwindet. Es gehört aber auch zu den Aufgaben eines Lehrers, den Schüler auf diese Schiene zu bringen, ihnen Tipps zu geben, ihnen die Sicherheit und die Persönlichkeit zu entfalten helfen.
Deshalb ist es auch wichtig, wenn der Lehrer selber Erfahrung mit Bühne gesammelt hat.
Für einen Lehrer, der an der HS Gesang studiert hat und anschließend unterrichtet, wird es sicher schwieriger sein dem Schüler das beizubringen, was er auf der Bühne wichtig ist. Mit bloßer Theorie kann man da nicht viel bewirken, mag die Stimme noch so gut sein.

LG

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BeitragVerfasst: 04.04.2007, 11:44 
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Hallo ihr,

die zur Rolle passende Kleidung ist denke ich in der Tat sehr wichtig, so kann man sich gleich besser identifizieren. Geht mir zumindest so.

Wie Musika schon sagte, ist es auch wichtig, dass man vom Lehrer beraten und getragen wird (wenn man vollkommen unbegabt ist, kann der zwar auch nichts ausrichten in den meisten Fällen, aber darum geht es jetzt nicht) - also ein gewisses Selbstbewusstsein entwickelt.

Dieses Selbstbewusstsein muss man im "richtigen Leben" ja nicht immer zeigen - ich bin auch kein "Hoppla, hier bin ich"-Typ, behaupte ich mal, aber wenn man nicht doch ein ganz klein wenig von sich überzeugt ist, wird man es auf der Bühne wohl immer schwerer haben.

Nochmal zur Rolle des Lehrers. Bei mir war es so (ich schrieb es schon anderswo), dass meine GL mir totale Unbegabtheit unterstellte, da ich es einfach nicht schaffte, bei ihr im Unterricht in einem 6qm- Raum aus mir herauszukommen. Nun bin ich vielleicht nicht gerade die grandioste Schauspielerin unter Gottes weitem Himmel, aber als ganz talentfrei würde ich mich auch nicht einstufen. Und das soll jetzt kein fishing for compliments sein :hearts:

Aber wenn Dir dauernd eingeredet wirst, "dass Du es nicht hast", glaubst Du es irgendwann selbst - daher waren die Workshops von gio (wie auch die Musicalnacht auf Mallorxa) wirklich auch Prüfungen für mich, weil ich einfach sehen wollte, was in mir steckt.

Liebe Grüße

Octaviane


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BeitragVerfasst: 04.04.2007, 11:45 
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Habe mcih gerade etwas gewundert, dass ich unwissenderweise der Autor dieses Threads bin :kaffee Der ist wohl hierher verschoben, weil es ja wirklcih ein allgemeingültiges Thema ist....... :dafür:
Die Frage stellt sich mir dann aber trotzdem weiter , was man lernen kann und was nicht.
Ich weiss noch, wie schrecklich angsterfüllt meine allerersten Auftritte waren und wie das auch aufs Publukum abgestrahlt hat.
Das war von Bühnenpräsenz keine Rede, glaube ich.
Heute habe ich immer noc hLampenfieber in erheblcihem Masse aber die Bühnenpräsenz ist wesentlcih besser geworden und dazwischen lag eine ganze Menge Arbeit und Kurse in szenischem Arbeiten, Mitarbeit in einem Opern/Operetten Atelier, Belcanto-Konzerte und Kurse etc.
Am Anfang kam ich mir total blöd vor, wenn ich tanzen sollte oder irgendeine Show abziehen und ich fand das schrecklich peinlich, so wie Epo schreibt.
Heute finde ich fast nichts mehr peinlich :kaffee und das ist keinesfalls (nur)angeboren sondern brauchte wirklich drei Jahre Freistrampeln in meinem Fall.
Ich habe in dieser Rcihtung zuallererst einen szenischen Mozartkurs in Deutschland gemacht,(noch ganz am Anfang der Gesangsausbildung) der gottseidank von iener sehr fähigen/erfahrenen Theater- und Psychotheapeutin geleitet wurde(da flossen acuh Tränen bei etlichen Teilnehmern). Da haben wir viel Improvisations-Theater und Emotional Theatre neben der Szenenarbeit gemacht und erst da habe ich für mich herausgefunden, bzw die Dozentin hat es mir klar gesagt, dass ich ein "Bühnentier"(hier heisst das "bête de scene") bin.
Diese Eigenschaft war vorher total verschüttet vor lauter Lampenfieber und musste erstmal rausgeholt werden. Danach geriet ich hier in eine Openr/Operettenatelier mit einem schauspielerisch und bühnenmässig rundumtalentierten Leiter. Da wurde getanzt, choregraphiert und durch alle Genres gesungen, auch leichte Muse kam mir da erstmals im Leben nah. War vorher als banal und seicht verpönt! :ruhe:
Und erst da habe ich gemerkt, dass es mir richtig Spass macht und das Ganze innerlcih auch zugelassen. Seither bin ich gespannt wie ien Flitzebogen und freue mich auf alle Schritte in diese Rcihtung. :bravo:
Aber all das war keineswegs ohne Schulung und angeboren da!
Natürlich hilft ein sehr lebhaftes und extrovertiertes Grund-Temperament da weiter. Aber ich frage mich, ob es wirklcih Leute gibt, bei denen da von Anfang an Hopfen und Malz verloren ist und die immer graue Mäuse bleiben müssen???? Oder ob nciht da die richtige Rangehensweise und sensible fähige Pädagogik eine Menge errecihen kann????? :schlaumeier:
Wenn jemand eine wirklich schône Stimme hat, ist es doch einfach schade, wenn er/sie dann daran scheitert, dass die Bühnenpräsenz fehlt. :n2:
Cantilene


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BeitragVerfasst: 04.04.2007, 12:04 
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Bei manchen Sängern ist wirklich Hopfen und Malz verloren. Da liegt es aber auch viel am Elternhaus, wie die Erziehung ist, welche Freiheiten man hat, welchen Umgang. Wenn man sehr streng erzogen wird und alles nach strengen Regeln gesittet geht, die Kleidung entsprechend, gradlinig ohne mal auszubrechen, wird man es auf der Bühne viel schwerer haben sich zu entfalten.

Schlimm ist es, wie Octaviane sagt, wenn man vom Lehrer ständig gesagt bekommt, man hätte kein Talent zum Spielen. Dadurch werden Hemmungen erzeugt, die für die Bühne tödlich sein können.

Darum ist es mir sehr wichtig, dass im Ensemble eben alles vertreten ist, auch SängerInnen, die sich noch schwer tun auf der Bühne, aber mit Hilfe der Profis und Erfahrenen allmählich an Bühnenpräsenz gewinnen. Dazu gehören auch Fragen, wie Kleidung, Schminke, Auftreten usw., die im Workshop erläutert und beantwortet werden.

LG

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BeitragVerfasst: 04.04.2007, 12:10 
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@canti: Das ist aber leider so, auch, wenn es manchmal unfair erscheint.

Und gute Saenger gibt es ja sehr viele, da entscheidet dann eben die Ausstrahlung ueber das "letzte Bisschen". Oder, scheinbar noch unfairer: Der vermeintlich "schlechtere" Saenger (wobei es sich in diesen Faellen ja oft nur noch um Nuancen handelt) kriegt das Engagement.
Man verkauft aber im darstellenden Bereich leider immer ein Gesamtprodukt (klingt furchtbar, ich weiss), und da werden dann halt die genommen, bei denen das Gesamtpkaet stimmt.

Freistrampeln und den Umgang mit Lampenfieber lernen meinte ich auch ganz klar nicht, denn das hat nichts mit Ausstrahlung zu tun, wenn es am Anfang die Buehnenpraesenz natuerlich auch erstmal untergraebt. Damit kaempfen aber alle. An dem Punkt, wo man sich auf Engagements bewirbt, sollte man das aber so weit im Griff haben, dass es einen nicht mehr hindert (kaempfe ich selbst mit :roll: )

Es ist aber ein deutlicher Unterschied (fuer mich), ob man hinter all dem Lampenfieber trotzdem eine Rampensau erkennt oder nicht - und die kann im vermeintlich schuechternsten Menschen stecken. Wer das allerdings nicht hat, kann das auch nicht lernen. Lernen kann man nur Handwerk, kein Talent - beides geht Hand in Hand, aber was fehlt, fehlt ...


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BeitragVerfasst: 04.04.2007, 12:35 
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Ich würde Eponine da auch zustimmen, wobei ich mich auch frage, ob ein Mensch, der von Natur aus so überhaupt kein Faible für Bühnenpräsenz hat, überhaupt (Solo-) Sänger werden möchte.

Ansonsten denke ich auch, dass man auch sehr schüchterne Menschen mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen in Sachen Bühnenpräsenz schulen kann. Aber die Anlage muss ja irgendwo vorhanden sein.

LG

Octaviane


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BeitragVerfasst: 04.04.2007, 12:48 
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Octaviane hat geschrieben:
Ansonsten denke ich auch, dass man auch sehr schüchterne Menschen mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen in Sachen Bühnenpräsenz schulen kann. Aber die Anlage muss ja irgendwo vorhanden sein.

Octaviane


Ich denke mal, schüchterne Menschen werden nie den Sängerberuf ausüben wollen, denn sie stehen nicht gerne im Mittelpunkt oder Rampenlicht.

Ausstrahlung hat man oder man hat sie nicht, doch kann man einem Schüler beibringen, was auf der Bühne nötig ist, mit all seiner Vielfalt. Doch dazu MUSS ein Schüler aus sich rauskommen, sonst sind wir wieder bei den schüchternen Menschen.

Wenn ein Schüler auf der Bühne steht und seine Arie singt, sollte er so viel Selbstbewußtsein haben, dass sein Blick, seine Hände, sein Haltung selbstsicher rüberkommt, dass kann man lernen und darauf sollte ein Lehrer seine Schüler trainieren.

LG

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BeitragVerfasst: 04.04.2007, 13:04 
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Ich bin auch der Überzeugung, dass die meisten "grauen Mäuse" anerzogen sind und eine dadurch bedingte schwache Ausstrahlung nicht der Endpunkt aller Entwicklungspotentiale ist. Wenn ein schöne und ausdrucksfähige Stimme in einem schüchternen Menschen steckt, lohnt sich allemal die Bemühung durch einen Lehrer, die Person aus dieser vielleicht aufoktroyierten Schüchternheit herauszuholen. Wenn das gelingt, ändert sich die Ausstrahlung.

Gleich zu sagen, du hast kein Talent, dürfte in den meisten Fällen sehr unfair sein.

Die Frage ist halt, wann die Reife für die Bühne eintritt, und das kann bei manchem auch erst deutlich nach einer ggf. guten und bühnentauglichen reinen Stimmentwicklung eintreten, oder vielleicht auch gar nicht, wenn die Ängste zu stark bleiben. Dann wäre natürlich "nur Chor" zu überlegen.

Unser gemeinsames Metier fordert viele Kompetenzen und auch viele Qualifikationen sozialer Kompetenz. Die richtige Gesangstechnik und -sicherheit dürfte m. E. aber die grundlegenste sein, sowas wie die halbe Miete. Schon allein die "sängerische Haltung" wirkt sich ja positiv auf die Ausstrahlung aus.

Wenn man unter einer Regie engagiert ist, sind die äußerlichen Rahmenbedingungen eh vorgegeben, das Kostüm, die Bewegungen usw. können völlig unpassend für mich als ich selbst sein, aber dort habe ich die Figur darzustellen, wie vorgegeben und keiner wird den Darstellern einen Vorwurf machen, wenn z. B. das Kostüm als scheußlich empfunden wird.

Wenn man die Darstellung der Figur einer Opernarie frei gestalten kann, dann kann es natürlich peinlich sein, wenn man den Charakter der Figur völlig verfehlt, falsche Sachen anhat oder bei einer heiteren Figur grantig schaut. Ich machte aber die Erfahrung, dass eine saubere gesangliche Interpretation zumindest schon mal völlige Irrwege beim Figurenverständnis ausschließt.

Grüße,

dola


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BeitragVerfasst: 04.04.2007, 13:16 
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Da kommen wir zu einem Punkt...Sicherheit in der Literatur, die einen ganz großen Teil der Bühnenpräsenz ausmacht.

Wenn ich meine Arie musikalisch sicher drauf habe, kann ich mich der Rolle voll hingeben oder beim Konzert der Arie. Wenn Unsicherheiten sind, wirkt sich das sofort auf den Ausdruck des Gesichts der Person aus.

Was auch wichtig ist aber erlernbar, bei "Steckenbleiben im Text" oder falschen Einsatz, was auch immer, sich nichts anmerken zu lassen, nicht irritiert zum Pianisten schauen, sondern sich eine Stelle suchen, in der man wieder wie selbstverständlich reinkommt. Sichere Ausstrahlung, was auch immer passiert, ist Bedingung. Auch daran erkennt man profihaftes Singen, die Stimme allein genügt nicht. Innere Ausgeglichenheit, Ruhe, kein Rumhampeln oder Händespielen, bewirken schon sehr viel.

Liebe Grüsse

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BeitragVerfasst: 04.04.2007, 13:26 
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musika hat geschrieben:

Ich denke mal, schüchterne Menschen werden nie den Sängerberuf ausüben wollen, denn sie stehen nicht gerne im Mittelpunkt oder Rampenlicht.


Naja.... okay, ich bin keine professionelle Sängerin und hatte auch noch keine Gesangsauftritte..... aber bei mir ist es tatsächlich so, daß ich immer sehr schüchtern war - und trotzdem gerne auf die Bühne gegangen bin. Als Kind/Teenager waren Ballettaufführungen für mich das größte, und ich konnte teilweise nicht verstehen, wie Leute, die im richtigen Leben sehr lebhaft und ganz und gar nicht schüchtern waren, mehr Angst davor hatten, auf die Bühne zu gehen, als ich.

Ich würde mich immer noch als sehr schüchtern bezeichnen; so sehr, daß es dadurch schon Probleme im Alltag gibt. In eine Sprechstunde zu einem Professor zu gehen - Horror. Das braucht Vorbereitungszeit, ich bin total zittrig (wenn ich es doch mal mache und mich nicht davor drücke, wie meistens) und brauche danach eine ganze Weile, um wieder normal zu werden. (Ja, das ist krankhaft und ja, ich gehe zur Therapie).

Referate halten allerdings.... klar, ein bißchen "Lampenfieber" ist immer dabei, aber ich merke da auch, daß es Leute gibt, die größere Probleme damit haben als ich, sich vorne hinzustellen und etwas zu erzählen. Teilweise fühle ich mich sogar ganz wohl, wenn ich sowas mache. Besonders witzig war es einmal, als wir mit 8 Leuten eine Gruppenarbeit gemacht haben - und ich (die Stille, Schüchterne) die einzige war, die gleich gesagt hat, ihr macht es nichts aus, das Ergebnis von unserer Arbeit vor der Klasse vorzustellen (dann haben sich noch zwei andere gemeldet, die meinten, sie wollten mich da vorne nicht alleine lassen).

"Schüchtern" muß also gar nichts heißen.....


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BeitragVerfasst: 04.04.2007, 13:44 
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Schüchtern ist nicht gleich schüchtern.....es kann auch ein Komplex sein.

Ich selber kann sehr sehr schlecht Reden halten, ich tue mich da sehr schwer und die, die mich kennen, wissen das. Es macht mir aber nicht aus auf der Bühn zu stehen und vor zweitausend Menschen zu singen.

Man kennt das ja, durch einen vollbesetzten Raum z.B. die Toilette aufsuchen, man fällt über seine eigenen Beine.

Das alles hat nichts mit schüchtern zu tun.

Liebe Grüsse

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BeitragVerfasst: 04.04.2007, 14:12 
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Vorname: I.
Nachname: K.
Liebe Musika,

man kann aber an allem arbeiten und man kann ganz viel lernen, wenn man es will !

Für mich war das Singenlernen ein geradezu "Masochistischer Prozess" und auf den ersten Bildern sieht man mich neben dem Klavier in der Attitüde "zu hilfe - man hat mich hier abgestellt und mir gesagt ich muss was singen - ich will hier weg "

Als ich die Musikschule übernahm, habe ich mich mit Präsentationen sehr schwer getan - da half nur "learning by doing" - und es ist ein langer Weg. Ausserdem war mein französisch sehr mangelhaft. Aber es macht doch auch Spass, zu sehen, wie man sich weiterentwickelt - und dass man Dinge _doch_ kann, die man sich selbst (und die anderen) gar nicht zugetraut hat.

Ausserdem spielt man im Leben und in bestimmten Gruppen verschiedene Rollen, die ebenfalls die verschiedenen Facetten einer Persönlichkeit wiedergeben können.

Herzliche Grüsse von Casta

_________________
La chance d'avoir du talent ne suffit pas ; il faut encore le talent d'avoir de la chance.
Hector Berlioz


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BeitragVerfasst: 04.04.2007, 14:21 
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Bei mir hat die sängerische Entwicklung sogar geholfen, in anderen Bereichen (z.B. beim Reden vor Publikum) selbstsicherer zu werden. Früher hatte ich einen Klos im Hals, wenn ich nur einen Satz vor mehr als einer Person sagen musste, heute gelingen mir ganze Vorträge.

LG
mezzo


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BeitragVerfasst: 04.04.2007, 14:50 
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Beiträge: 1633
Wohnort: Starnberg/Bad Homburg *21.12.
Ich hatte das Glück während des Studiums an einen Professor zu geraten, der mit uns Rhetorik-kurse gemacht hat. Wir mußten eine Rede halten, die 1.) nicht länger als 5 Minuten sein durfte oder 2.) in der 5 bestimmte Stichworte vorkommen mußten oder 3.) (die grausamste Version) bei der wir von allen beschimpft wurden und mit Papierkugeln beworfen wurden.
Das alles wurde noch auf Video-kamera aufgenommen.
Obwohl es teilweise die Hölle war, bin ich dem Prof heute noch dankbar. Denn da hab ich mal ausnahmsweise was fürs Leben gelernt.
Solche Kurse werden auch heute noch von bestimmten Institutionen angeboten. Lohnt sich !! :n3:

Silje


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BeitragVerfasst: 04.04.2007, 14:54 
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Silje hat geschrieben:
Ich hatte das Glück während des Studiums an einen Professor zu geraten, der mit uns Rhetorik-kurse gemacht hat. Wir mußten eine Rede halten, die 1.) nicht länger als 5 Minuten sein durfte oder 2.) in der 5 bestimmte Stichworte vorkommen mußten oder 3.) (die grausamste Version) bei der wir von allen beschimpft wurden und mit Papierkugeln beworfen wurden.
Das alles wurde noch auf Video-kamera aufgenommen.
Obwohl es teilweise die Hölle war, bin ich dem Prof heute noch dankbar. Denn da hab ich mal ausnahmsweise was fürs Leben gelernt.
Solche Kurse werden auch heute noch von bestimmten Institutionen angeboten. Lohnt sich !! :n3:

Silje


Solche Kurse hatte ich auch - bei mir waren es drei Begriffe (Hose, Elefant, Heuballen), werde ich nie vergessen. Das schult ungemein und man sieht vor allem im Video, das man nicht halb so unsicher rüberkommt, wie man sich fühlt.

LG
mezzo


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