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 Betreff des Beitrags: Bin verwirrt - Aussprache Latein!
BeitragVerfasst: 07.03.2011, 08:44 
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Wenn wir in meinem Chor Latein singen, gibt es verschiedene Aussprachefraktionen, und nun frage ich mich, wie das in Deutschland wäre? Allmählich verschwimmt alles....
Sanctus - vorne stimmhaftes oder stimmloses "s"?
Requiem - e wie in Beet oder wie in Rettich?

Das e macht mir die meistän Probläme, je nachdem, neben wem ich im Chor stehe, höre ich es anders. Also: wie singt ihr das? Dafür gibt es doch Ausspracheregeln, oder? Wo finde ich die?!


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BeitragVerfasst: 07.03.2011, 12:15 
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Liebe Singapur,

darüber haben wir uns schon mal in einem anderen Thread ausgetauscht..weiß nur nicht mehr wo..müßte ich suchen.

LG Silje

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...Letztlich ist Gesang ein in Klang gegossenes Gebet -


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BeitragVerfasst: 07.03.2011, 12:22 
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Vera U. G. Scherr hat sehr gründlich dazu geforscht. Liest du hier:

http://www.vera-scherr.de/Aussprache.html

Wenn phonetische Lautschrift dir vertraut ist, sollte das eine wertvolle Hilfe für dich darstellen. Wir haben im Kammerchor und Hochschulchor mal mit ihr die französische Aussprache des Lateins für Faurés Requiem erarbeitet. Genauer betrachtet, zeigt es meiner Ansicht nach nur, dass Franzosen eben auch Latein mit ihrem eigenen Akzent gesungen haben. Das kann eine reizvolle Farbe darstellen, wenn man es konsequent durchführt, aber es muss nicht sein, wenn du Fauré lieber in deutschem Latein singen willst.

Ich würde diese Frage auch ruhig in einer Probe öffentlich ansprechen, undzwar laut und verständlich, so dass alle mithören können, sich aber keiner herausgehoben und lächerlich gemacht fühlt. Sag einfach, dass du nicht weißt, wie es sein soll, und frag den Dirigenten, was er oder sie gerne hören möchte. Im Zweifelsfall ist der Mensch mit dem Taktstock immer noch die letzte Instanz... und wenn man das mal diskutiert, dann verschwinden ein paar Probleme / Probläme vielleicht eher.

Generell kann ich sagen, dass bei einem e wie in "Reh" der Mund dazu neigt, sehr in die Breite zu gehen. Das kann schnell dazu führen, dass die Kiefermuskeln fester werden. Das andere Extrem ist der Lippenring oder die "Schnute", das kann erstmal ein gutes Gegenmittel sein, wenn man es übertreibt, klingt das / e / aber wie / ö / in der "Höhe". Dann hast du ein "Röh", und ich weiß nicht, was das für ein Tier ist. Da kann man auch irgendwann ins Knödeln kommen.

Prof. Ingrid Kremling hat mir den Satz weitergegeben, dass "e ein verhindertes a durch die Zunge" ist. Das heißt, du stellst dir vor, dass du ein / a / singen möchtest, mit schön lockerem Kiefer, und probierst ein wenig mit deiner Zunge ein / e / zu erzeugen, indem du ihre Position veränderst. Immer mit der gleichen Kieferposition: a e a e a...
Die besten Ansatzpunkte für die Zunge sind dabei die oberen Backenzähne oder / und ein ganz leichtes Rollen der Zunge nach vorne an die unteren Schneidezähne. So kannst du einen Vokal ändern, ohne ständig die Kieferposition ändern zu müssen. Dann musst du nur noch wissen, ob dein Chorleiter oder deine Chorleiterin offene oder geschlossene Vokale bevorzugt (am besten vormachen lassen).

Hoffentlich hat dich das nicht allzusehr verwirrt, was ich hier schreibe. Im Zweifelsfall immer den Stimmbildner fragen...

liebe Grüße,

Nora


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BeitragVerfasst: 07.03.2011, 14:12 
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Hallo!

Da es nur noch sehr wenige Latein-Muttersprachler gibt *g*, würde ich immer so singen, wie es für dich am bequemsten ist. Der Chorleiter wird schon korrigieren, wenn es auffällt.

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Gruß
Mama2009


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BeitragVerfasst: 08.03.2011, 08:15 
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Danke Sopranora, das ist sehr hilfreich! Ich kann Lautschrift lesen, nur nicht am Computer schreiben, daher war die Frage auch etwas umständlicher formuliert.

Den Tipp "a mit Zunge" probiere ich mal, das habe ich noch nie gehört.

Erinnere ich mich richtig, dass es eine deutsche Aussprache für Latein gibt und eine italiänische?! Anstatt de pönis inferni dann eben big_engel de pänis infärni? Ich stand mal neben einer Florentinerin, die hat das in etwa so gesungen. War jedes Mal ein Lacher.

In meinem Chor (und bei unserem aussprachetechnisch unsteten Chorleiter) gibt es zur Aussprache drei Meinungen bei zwei Leuten. Wir fragen uns dauernd gegenseitig "Wie singst du das?", was auch damit zusammenhängt, dass bei uns etwa 20 verschieden Muttersprachen vertreten sind. Ich persönlich habe mit Englisch die meisten Probläme.

So long!


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BeitragVerfasst: 08.03.2011, 14:15 
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Hallo!
Ich hab am Freitag in einem Projektchor gesungen, in dem bei 20 Leuten 11 verschiedene Versionen vertreten waren.
Wir haben einen Gottesdienst gestaltet. Inkl. diesem "Amen, Amen" rufen, die man aus amerikanischen Gospels kennt.
Ich sag dir, da konnte man auch sehr viele verschiedene Versionen des Wortes hören...
Und selbst, wenn wir eine Version für richtig erklärt hätten, wäre immer noch die Frage, ob es alle hinbekommen, das auch so zu singen.

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Gruß
Mama2009


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BeitragVerfasst: 08.03.2011, 17:53 
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Ein Werk, was immer es auch sein mag, wird so ausgesprochen, wie der Chorleiter es "wünscht", ist so, aber nicht immer richtig. Als Solistin muss man sehr flexibel sein, heute so, morgen bei anderen Chören anders.

Z. B. das Wort "excelsis" aus der Messliturgie. Wie viel wird hier erwogen, ob man die Aussprache "exzelsiss", "extschelsiss", "ekschelsiss" oder wie auch immer präferieren soll. Nur dass das "i" in jedem Fall lang gesprochen werden müsste, darauf kommt nie jemand.

das "qui". Hier wird meist selbstverständlich das deutsche "kw" für die Graphie "qu" verwendet, was dem Lateinischen fremd ist.

Oder das Wort "sanctus". Hier ist das s am Anfang ein stimmloses ("scharfes") s und das a ist lang. Das sagt ein einfacher Blick ins Lexikon.

Leider wird in solchen Fällen, wo es um die richtige Aussprache des Lateinischen an sich geht, meist Ignoranz geübt, während vermeintlicher Internationalismus, vor allem bei der Aussprache des "c" und des "g" vor den Vokalen "i" und "e" immer gern zur Schau getragen wird.

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BeitragVerfasst: 21.03.2011, 18:51 
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BeitragVerfasst: 21.03.2011, 23:16 
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Basss hat geschrieben:
- und ICH suche immer noch nach Aufnahmen von Cicero's Reden im Senat...... big_engel
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Mein Reden seit 753...

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Mama2009


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BeitragVerfasst: 11.05.2011, 22:27 
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Mama2009 hat geschrieben:
Basss hat geschrieben:
- und ICH suche immer noch nach Aufnahmen von Cicero's Reden im Senat...... big_engel
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Mein Reden seit 753...


Die Frage ist nur: war Ciceros Aussprache repräsentativ? Ich mein ja nur: Der Göthe hat schauderhaft hessisch g'babbelt und der Schiller g'schwäbelt ohn' End'... Und wie der Hölderlin mit unserer geliebten Muttersprache umgegangen ist, wenn er sie gesprochen, und nicht geschrieben hat, will ich, glaub ich, gar nicht wissen. Die Muttersprach-Lateiner in Colonia Claudia Ara Agrippinensium haben sicher anders geredet, als die in Alexandria. Die dort heute ansässigen Deutsch-Muttersprachler reden sogar heute noch anders deutsch , als die im Vergleich zu Alexandia deutlich näherliegenden Deutsch-muttersprachlichen Bewohner Bratananiums (heute: Gauting)....

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BeitragVerfasst: 12.05.2011, 14:51 
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Ich, die nur 5 Kilometer von Bratananium entfernt wohnt, verstehe deren Sprache auch schon nicht mehr...

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BeitragVerfasst: 13.05.2011, 20:19 
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Da es also keine Zeitzeugen, andererseits es wohl auch keine genauen Aufzeichnungen über die Phonetik gibt, neige ich zu vermuten, dass die r.-k. Kirche, deren Messen bis vor relativ kurzer Zeit ja noch in lateinischer Sprache gehalten wurden, am ehesten die richtige Aussprache überlieferte. Dabei, denke ich, würde ich einer Tradition eher der nichtromanischen Länder den Vorzug geben, in denen die Umgangssprache sich eher nicht mit dem Lateinischen vermischt haben mag.
Zu naiv, meine Vorstellungen? Wie immer auch
l. G.
alfredo

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BeitragVerfasst: 16.05.2011, 21:44 
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Ja, das Kirchenlatein. Das ist ja auch nicht standardisiert, das klingt in Frankreich anders als in Italien als in Deuschland als in England....
Es gibt da keinen Ausweg ausser der: Ansage des Dirigenten. Es wäre halt machmal hilfreich, wenn er wüsste, was er tut und es begründen kann. Im liturgischen Kontext: Kirchenlatein des jeweiligen Landes, in dem gesungen wird. Wenn er es dort anders hält, hat er von kirchenmusikalischen Gepflogenheiten im liturgischen Kontext keine Ahnung. Aber er behält trotzdem das letzte Wort, auch wenn er möglicherweise das "Publikum" (besser: die Kirchenbesucher) irritiert...
Im ausserliturgischen Kontext kann er's ohnehin halten wie der Dachdecker, und da gibts halt viele, die's auf Biegen und Brechen italiänisch haben wollen, ob's passt oder nicht.....

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BeitragVerfasst: 16.05.2011, 21:48 
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Silje hat geschrieben:
Ich, die nur 5 Kilometer von Bratananium entfernt wohnt, verstehe deren Sprache auch schon nicht mehr...

von welchen? die aus Bratananium oder die aus Colonia Claudia Ara Agrippinensium???

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BeitragVerfasst: 16.05.2011, 22:48 
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Na, die Sprache der Bratananier....oder Bratananii ??


LG Silje

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