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BeitragVerfasst: 07.09.2010, 11:00 
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Freunde, Römer, Landsleute!
Wer hat den Film gestern gesehen? Was haltet ihr davon?
Ist der Vater ein böser alter Mann? Ist Marin ein Gaukler? Ist das Liebesgetechtel ein unnötiger Einschub? Betrifft uns das Thema heute noch?
Gruß und Kuss, der musencus

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BeitragVerfasst: 07.09.2010, 11:10 
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Lieber musencusmuc,

ich habe den Film nur teilweise gesehen, er war mir als "züchtender" Vater, der seine Kinder in den Keller sperrte wenn sie nicht spurten, zu grausam. Ein Mann, der nicht über den Tod seiner Frau kam und sich nur der Musik widmete.
Die Musik selber fand ich sehr interessant und schön, diese 7-saitige Gambe, ein tolles Instrument.

Hier aus wikipedia eine Inhaltsangabe:
Nach dem Tod seiner Frau lebt der Gambist Monsieur de Sainte-Colombe verbittert und zurückgezogen mit seinen Töchtern Madeleine und Toinette in einem kleinen Haus bei Paris. Die Musik ist sein ganzer Lebensinhalt. Den unbekümmerten und karrieresüchtigen Marin Marais nimmt er nur nach starkem Widerstand als seinen Schüler auf. Als Marais am Hofe Ludwigs XIV. zu Ruhm und Reichtum kommt, entfremden sich die beiden. Sainte-Colombes Tochter Madeleine, mit der ihn eine Liebesbeziehung verband, lässt Marais fallen. Der alternde Marais, schließlich denkt er um und besinnt sich auf den wahren Wert der Musik.

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BeitragVerfasst: 07.09.2010, 11:17 
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Ja, der Vater ist grausam und kommt nicht zurecht mit dem Tod seiner Frau. Aber diesen Ansatz, dass er seine Frau mit seiner Musik (die nur entstehen konnte, weil er so ist, wie er ist) wieder zum "Leben" erwecken kann, fand ich interessant. Und eben immer wieder die Frage "Gaukler oder Musiker?"
Gruß und Kuss, der musencus

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BeitragVerfasst: 07.09.2010, 11:27 
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Jetzt tut es mir leid, dass ich den Film nicht ganz gesehen habe. Gaukler oder Musiker? ich glaube letzteres, die Musik ist für ihn die Brücke zum Jenseits und zu den lieben Verstorbenen, er ist eigentlich immer depressiv und das drückt sich auch in seiner Musik aus. Auch Ärger und Zorn findet man wieder. Gaukler? Nein, sehe ich nicht so.

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BeitragVerfasst: 07.09.2010, 11:44 
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Hallo,
ich habe den Film nicht gesehen, da ich keinen Fernseher habe. Ich werde mal schauen, ob man ihn evtl. noch auf Abruf online sehen kann.

Als ich den Namen Marin Marais las, dachte ich sofort an den Titel "Tous les matin du monde". Dieser gilt als Kultfilm im Zusammenhang mit der Wiederentdeckung der Musik von Marais und soweit ich informiert bin, wurde der Soundtrack von Jordi Savall eingespielt, ein Name, der bei dieser Musik ja für Qualität bürgt. Ich habe dann ganz kurz mal eine große Suchmaschine bemüht - und welche Überraschung - es handelt sich um den gleichen Film, obwohl die Titel ja durchaus unterschiedliche Dinge implizieren. Sehr spannend. Dieser Film war lange Zeit vergriffen, ich meine mich zu erinnern, dass er einst in einem deutschsprachigen Forum gesucht worden war. Auf jeden Fall freut es mich, dass er nun wieder ausgestrahlt wurde - sobald ich ihn auch angeschaut habe, werde ich versuchen, auf Deine spannenden Fragen, Mike, einzugehen.

Liebe Grüße von Casta

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La chance d'avoir du talent ne suffit pas ; il faut encore le talent d'avoir de la chance.
Hector Berlioz


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BeitragVerfasst: 07.09.2010, 12:29 
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@Casta
Dafür, dass Du den Film nicht gesehen hast, bist Du ganz schön gut informiert ... grins
@musica
Nicht Sainte Colombe ist Gaukler, sondern er wirft es Marais vor: Monsieur, Ihr seid ein Gaukler, der mit Erfolg in des Königs Kammer spielen wird. Aber Musiker seid ihr nicht.
Die Frage, die sich mir stellt: Ist die Abgrenzung zwischen Gaukler und Musiker unabdingbar? Kann ich Gaukler UND Musiker sein? Muss ich es vielleicht sogar?
Pavarotti war Gaukler (3 Tenöre) UND Musiker.
Netrebko ist NOCH Gaukler, kann aber zur Musikerin werden.
Gruß und Kuss, der musencus

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BeitragVerfasst: 07.09.2010, 12:35 
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Sind Sänger nicht alle Gaukler? Jeder auf seine Art? Man gaukelt dem Publikum etwas vor, was man eigentlich nicht ist, Gaukler ist gleichzusetzen mit Schauspieler, das sind wir doch, der eine mehr, der andere weniger. Es spielt auch keine Rolle wie ernst oder wie lustig die Literatur ist, sie muss rollengemäß rübergebracht werden, der Sänger muss sich in die Rolle versetzen können, also gaukeln, sonst kann er es direkt lassen.

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BeitragVerfasst: 07.09.2010, 12:45 
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So gesehen stimme ich Dir völlig zu!
Aber Sainte Colombe meinte das ja negativ. Also Marais gibt nur vor, Musiker zu sein, weil er seine Kunst gar nicht verstanden hat.
Gruß und Kuss, der musencus

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BeitragVerfasst: 08.09.2010, 03:54 
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Sänger sind in meinen Augen nur bedingt Gaukler. Wenn ich Operette trällere und "Meine Lippen " singe, gaukle ich sicher sehr viel vor, was ich nicht wirklich bin und doch..
Und würde ich Lieder als Gauklerin vortragen, wäre ich unglaubwürdig und nur eine Maske. Bei der Liedinterpretation bin ich ganz die, die ich bin, mit all meinem Denken und Fühlen und Sein.

LG Silje

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...Letztlich ist Gesang ein in Klang gegossenes Gebet -


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BeitragVerfasst: 08.09.2010, 10:54 
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Das stimmt schon, wenn wir eine Rolle übernehmen, müssen wir gaukeln, dass wir diese Rolle ausfüllen.
In dem Film war die Unterscheidung aber die zwischen Musiker (ernsthaft) und Gaukler (Modegeck, der mit musikalischem Firlefanz versucht, Eindruck zu schinden) gemeint. Es ging da ja auch um Instrumentalmusik und nicht Gesang.
Und die Idee, dass man mit guter Musik Tote wieder zum Leben erwecken könnte ...
Gruß und Kuss, der musencus

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BeitragVerfasst: 12.09.2010, 10:41 
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Hallo,

habe den Film auch nicht gesehen aber eure Interpretationen sind interessant. Keine Ahnung warum, jedoch Gaukler hat für mich etwas negatives an sich. Wenn ich mir dann jedoch Musikas Gedanken überlege, dann verstehe ich meine Einstellung überhaupt nicht mehr. Gaukler gleich zu setzen mit schauspielen?! Hmmm fällt mir schon schwer.

Ist wohl OT aber wie seht ihr das denn?

LG
Chero


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